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Kabarett
„Hier sind ja nur Nazis“

Manja Wilde / 20.01.2019, 18:48 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) „Ich bin gespannt, mit welchem Lied er heute anfängt.“ Klaus Peters aus Erkner ist Fan des Schauspielers und Kabarettisten Uwe Steimle. Sonnabend-Abend hat er es sich mit seiner Frau und einem Bier in der ausverkauften Kulturfabrik gemütlich gemacht. „Fein(K)ost“, heißt das Programm.

Ein Lied gibt es zu Beginn nicht. Steimle befasst sich mit Annegret Kramp-Karrenbauer, der CDU-Vorsitzenden, deren Namen niemand aussprechen könne. Und mit ihrer Kollegin, „deren Gesicht wie ein gehäkelter Topflappen aussieht“. Und die angesichts der Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, versprach: „Wir schaffen das!“ Wer mit dem Kurs der Kanzlerin nicht einverstanden sei, „ist ein Nazi oder ein rechter Nazi oder Dresdner“, witzelt Steimle.

Überhaupt wisse man nicht mehr, was man sagen dürfe. Ist jemand 88 Jahre alt, mache er daraus lieber eine 87. Immerhin ist der achte Buchstabe im Alphabet das H. Die 88, darauf spielt Steimle an, könne als HH, Abkürzung für „Heil Hitler“, verstanden werden. Und erst Spielkarten mit Kornblumen – „Heil-Pflanzen“ – auf der Rückseite... Man müsse da vorsichtig sein.

Es geht ums Thema Meinungsfreiheit. Steimle vergleicht die Situation heute mit der am Ende der DDR. „Wir müssen’s Maul aufmachen“, ruft er. Der Kampf gegen Rechts sei mittlerweile ein Kampf gegen das eigene Volk geworden. Das Publikum lacht. „Hier sind ja nur Nazis“, tadelt der Schauspieler in schönstem Sächsisch. Wie ernst meint er das? Die Frage drängt hin und wieder ins Bewusstsein. „Ich bin ja froh, dass Sie och lachen“, wischt Steimle sie weg.

„Der hat’s auf Tasche, spricht Sachen aus, die viele denken, aber die man nicht mehr so sagt“, sagt Christian Ziehm. Mit Sabrina Meyer sitzt der Berkenbrücker im Publikum. Das Paar bekam die Karten zu Weihnachten, weil es gern die MDR-Sendung „Steimles Welt“ schaut.

Gesungen wird später auch. Steimle stimmt „Moorsoldaten“ an; Insassen des Konzentrationslagers Börgermoor schrieben das Lied. Während der Gäste-Chor dabei dünn ist, singen bei „Unsere Heimat“ und „Die Gedanken sind frei“ viele mit.

Steimle stammt aus Dresden. Nach einer Lehre als Industrieschmied studiert er in Leipzig Schauspiel. 1989 wird er Mitglied des Kabaretts „Herkuleskeule“. Der Begriff „Ostalgie“ geht auf eines seiner Programme zurück. Als Kommissar Hinrichs in „Polizeiruf 110“ wird Steimle bekannt. 2009 benennt ihn die Linkspartei als Mitglied der Bundesversammlung. 2018 muss er die Schirmherrschaft der Ökumenischen Friedensdekade abgeben, weil er „keine eindeutige Distanzierung von rechtspopulistischen Positionen“ erkennen lasse. Steimle selbst bezeichnet sich als „bekennender Linker“. Später unterzeichnet er die „Erklärung 2018“, die Deutschland durch „illegale Masseneinwanderung beschädigt“ sieht. (mw)

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