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Die 16-jährige Angelina Gersdorf startet für den MC Fürstenwalde und ist Landesmeisterin im Motocross

Motocross
Spaß am Überholen

Roland Hanke / 09.02.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 09.02.2019, 13:30
Fürstenwalde (MOZ) Sie hat Benzin im Blut, wie sie selbst von sich sagt. Und da muss wohl was dran sein, denn sie ist im vergangenen Jahr Landesmeisterin Berlin-Brandenburg im Motocross geworden. Die Rede ist von Angelina Gersdorf aus Hasenfelde, die für den Motorsport-Club Fürstenwalde antritt. „Das ist mein erster Titelgewesen, über den ich mich riesig freue“, sagt die 16-Jährige, die mit ihrer 42 PS starken KTM 125 SX auch im Enduro unterwegs ist. Im Motorrad-Geländesport landete sie in der Damenwertung des Enduro-Cups vom ADAC Berlin-Brandenburg auf dem dritten Platz. Und im Ladies Cup, der deutschen Meisterschaft für Frauen im Motocross, ging sie bei drei Veranstaltungen an den Start.

„Von März bis November bin ich fast jedes Wochenende unterwegs – egal ob Wettkämpfe oder Training“, sagt Angelina Gersdorf, die im Team Motorradtechnik Alvermann und Appelt (MTA) Oranienburg fährt. An den Rennstrecken wird sie von ihrer gesamten Familie begleitet. Das sind Vater David (45 Jahre), der früher selbst Motocrosser und oft in den Top Ten bei Landesmeisterschaften zu finden war, Mutter Bianka (40) und Bruder Hans, der ebenfalls bereits auf einem 50-ccm-Motorrad sitzt und zuletzt Dritter des Enduro-Kids-Cup wurde. „Dazu kommen viele Fans, die mich an der Strecke kräftig unterstützen.“ Mutter Bianka ergänzt: „Wir sind immer die Lautesten an den Pisten.“ Und sie findet es eben schön, dass dann die ganze Familie von Freitag bis Sonntag zusammen ist.

„Ich höre das Anfeuern auch in den Rennen. Das motiviert mich zusätzlich“, erzählt Angelina Gersdorf, die vor allem das Überholen im Wettkampf reizt. „Es ist immer wieder ein Nervenkitzel, an der Startrampe zu stehen und sich dann mit den anderen zu messen. Meist werden meine Rennen am besten, wenn der Start nicht so gut klappt und ich zur Aufholjagd ansetzen muss.“ Und natürlich haben es ihr die fünf bis acht Meter hohen, 20 bis 30 Meter weiten Sprünge angetan. „Die machen am meisten Spaß.“

In den 14 Läufen, die sie 2018 in der Motocross-Landesmeisterschaft im Feld der gut 20 Frauen gefahren ist, stand sie jedesmal auf dem Podest – und dabei dreimal ganz oben. „In Malchow habe ich beide Wertungsläufe und damit auch die Tageswertung gewonnen“, freut sich die Hasenfelderin, deren Eltern in ihrem Heimatort einen Legehennenstall betreiben.

Angelina Gersdorf selbst ist gerade im ersten von drei Lehrjahren der Ausbildung zur Kauffrau Büromanagement bei FGM Mercedes Mettchen in Fürstenwalde. „Mir wird da sehr viel Verständnis für meinen Sport entgegengebracht. Der Chef kommt auch zu den Rennen auf unserer Clubstrecke an der James-Watt-Straße und ist zugleich Sponsor des MC Fürstenwalde“, berichtet die 16-Jährige, die auf dem elterlichen Hof gern auf ihren beiden Ponys reitet, Meerschweinchen, Kaninchen, Katzen und Vögel liebt. Genauso wie ihre mehr als 40 Pokale, die sie schon gewonnen hat. „Die passen schon nicht mehr alle in mein Zimmer.“

Die erste Trophäe hatte Angelina Gersdorf 2014 auf einer 65-ccm-Maschine beim Motocross auf dem Diehloer Bergring bei Eisenhüttenstadt als Zweite im Rahmen des Barnim-Cups geholt. Den Cup hat sie 2016 auch gewonnen und war Zweite unter den Jungs, die es gar nicht so gut finden, wenn sie von einem Mädchen überholt werden. 2017 war die sympathische und selbstbewusste junge Dame dann schon Vize-Landesmeisterin im Motocross, im Vorjahr folgte nun der Titel. Und diesen zu verteidigen, ist in diesem Jahr ihr Ziel. Sie ist eine der Jüngsten in der Konkurrenz, wobei sie mit ihrer 125er KTM  auf viele vom Hubraum größere Motorräder trifft. Auf dem Plan stehen unter anderem sieben Veranstaltungen zur Landesmeisterschaft, acht im Enduro und drei im Ladies Cup. „Zudem will ich versuchen, erstmals auch einen Lauf zur Europameisterschaft in Reutlingen zu fahren.“

Angefangen hat die Leidenschaft zum Motorcross bei Angelina Gersdorf, die sich unter anderem auch im Fußball, Volleyball und mit der Gitarre versuchte, als sie vor Jahren mit ihrem Vater das traditionelle Rennen in Wriezen am 1. Mai besuchte. „Ich fand das großartig, wie die alle am Start standen und dann im Rennen durch die Luft flogen“, erinnert sie sich. „Da habe ich zu Papa gesagt, ich will das auch machen.“ Klar, dass das bei dem gelernten Schlosser und ehemaligem Motocrosser David Gersdorf auf offene Ohren traf. Heute bereitet er die Motorräder seiner Tochter für Training und Wettkampf vor – Fahrwerk, Zylinder, Kolben. „Er kennt jede Schraube an den Maschinen. Und er macht es prima“, weiß die Tochter, deren Einsatz sich bislang auf das Putzen ihrer Motorräder beschränkte. „Ich will aber jetzt auch mal versuchen, beim Schrauben zu helfen.“

Doch das Hauptaugenmerk richtet sich auf das Fahren. „Mein großes Ziel ist es, mal bei der Weltmeisterschaft an den Start zu gehen.“ Und sie hat in dieser Hinsicht zwei Vorbilder: Ken Roczen – der aus Thüringen stammende und jetzt in den USA lebende Rennfahrer war mit 16 jüngster Motocross-Weltmeister – und Larissa Papenmeier aus Nordrhein-Westfalen, Deutsche Meisterin und WM-Lauf-Gewinnerin. Wenn Angelina Gersdorf auch mal in diese Regionen kommen will, ist viel und beständiges Training nötig. „Ich bin auf jeden Fall sehr ehrgeizig, aber bis nach oben ist es ein ganz weiter Weg.“ Dafür trainiert sich auch jetzt mittwochs, sonnabends und sonntags mit dem Motorrad und die restlichen Tage der Woche im Fitnessstudio oder beim Joggen in Hasenfelde und Steinhöfel.

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