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Veredelungsseminar
Wenn der Apfelpapst Bäume klont

Michel Nowak / 11.02.2019, 06:00 Uhr
Schöneiche (MOZ) Für das Veredeln von Obstbäumen – also praktisch das Klonen dieser Gehölze – interessieren sich zahlreiche Hobby-Gärtner. Zum Seminar mit dem als „Apfelpapst“ bekannten Wissenschaftler Hilmar Schwärzel kamen am Sonnabend mehr als 100 Gäste ins Schöneicher „Floraland“.

Eigentlich ist im „Floraland“ noch bis Ende Februar Winterpause. Doch an dem Vormittag sind in einer der angenehm temperierten Verkaufshallen Stühle und Bänke in einem Halbrund aufgestellt. „Wir können so ein Seminar nur während der Schließzeit machen“, sagt Floraland-Chef Ulf Arnold, „nur jetzt haben wir dafür Platz.“ Die Sitzgelegenheiten sind mit rund 100 Gästen gefüllt. Mittendrin ist ein aus Holzpaletten gestapeltes Podium platziert. Darauf steht der Leiter der Müncheberger Obstbauversuchsstation, Hilmar Schwärzel, bekannt auch als Brandenburger „Apfelpapst“.

Gestenreich und pointiert erklärt Schwärzel die Grundlagen des Veredelns. Mit der uralten Technik werden beispielsweise ertragreiche Apfelbäume vervielfältigt, indem ein Zweig des Ursprungsbaums auf einen anderen „transplantiert“ wird. Der nun wachsende Ast trägt genau die Merkmale des ursprünglichen Baums weiter, er ist sozusagen geklont.

Praktisch alle Seminarteilnehmer haben eigene Obstbaumzweige dabei. Im Seminarpreis von 25 Euro ist die Veredelung mit einem Obstbäumchen inbegriffen. Ganz unterschiedliche alte Sorten aus der Müncheberger Station stehen zur Auswahl –  von der „Oberlausitzer Muskatrenette“ über die „Rotgestreifte Gelbe Schafsnase“ bis zum schlichten „Apfel aus Grünheide“. Birgit Böttcher hat für die Veredelung Zweige eines mehr als hundert Jahre alten Apfelbaums mitgebracht. „Der steht bei meinem Bruder in Mecklenburg“, sagt sie, „wir hoffen, dass wir ihn aus den Reisern neu entstehen lassen können.“

Zunächst doziert Hilmar Schwärzel aber erst einmal über die richtigen Schnitt-Techniken, Baumerziehung oder die Grundbedürfnisse von Obstgehölzen. Sie reagiere auf einige Apfelsorten allergisch, merkt eine Zuhörerin an und fragt, welche Äpfel sie essen könne. Jeden, der nicht roh sei, antwortet Hilmar Schwärzel, der eine Eiweißallergie vermutet. „Die Eiweiße zerfallen beim Erhitzen“, so der Experte. Nach gut zweieinhalb oft amüsanten Stunden beendet der 55-Jährige den theoretischen Teil. „Die wenigen Schlafenden haben sich bemüht, leise zu schnarchen“, sagt Hilmar Schwärzel am Ende und erntet noch einen Lacher.

Nach einer Pause zur Stärkung heißt es, geduldig Schlange stehen. Hilmar Schwärzel veredelt fachmännisch jeden einzelnen Zweig der Gäste mit einem von ihnen ausgewählten Apfelbaum-Stämmchen. Seine Frau Monika und Benjamin Arnold vom „Floraland“ assistieren ihm dabei.

Die meisten Teilnehmer sind anschließend angetan. „Ich überlege, ob ich nächstes Jahr gleich noch mal wiederkomme“, sagt etwa Ronald Fernau. Die Schöneicherin Dagmar Wulff-Brandes gibt ihrer Enkelin Amy nun ein Bäumchen nach Hause mit und Heidrun Badalus freut sich, ein Duplikat des Birnenbaums aus Nachbars Garten bald in ihrem eigenen stehen zu haben. „Das hat sich gelohnt, auch wenn wir staunen, wie viele Leute hier beim Seminar sind“, sagt sie.

In erster Linie wolle er Wissen über die Veredelung verbreiten, so Hilmar Schwärzel, „und damit auch helfen, dass alte Sorten erhalten bleiben.“

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