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Austausch des Schiedsrichter-Assistenten bei Regionalliga-Spiel in Leipzig für die Gäste mit leichtem Beigeschmack

Fußball
Wenn der Linienrichter verletzt ist

Ungewohnte Rolle: Denis Hasenbek, Physiotherapeut der Regionalliga-Fußballer des FSV Union
Ungewohnte Rolle: Denis Hasenbek, Physiotherapeut der Regionalliga-Fußballer des FSV Union © Foto: Michel Rieckmann
Kai Beißer / 19.02.2019, 13:00 Uhr
Leipzig/Fürstenwalde (MOZ) Das Spiel selbst war eher eins zum Abhaken, das Randgeschehen wirft zumindest ein paar Fragen auf: Bei der 0:5-Niederlage des FSV Union Fürstenwalde in der Fußball-Regionalliga Nordost am Sonntag beim 1. FC Lok Leipzig musste ein Schiedsrichter-Assistent ausgetauschtwerden. Die Kommunikation seitens der Gastgeber dabei war eher mangelhaft.

Stefan Prager aus Gera war schon nach etwa vier Minuten beim Anzeigen eines Eckballs für die Gastgeber an der seitlichenRasenbegrenzung umgeknickt. Als erstes eilte Denis Hasenbek,Physiotherapeut der Gäste, zu Hilfe. „Kurz darauf waren auch meine Kollegen vom 1. FC Lok da, die haben die Versorgung übernommen, den linken Knöchel dick getapet“, erzählt der 26-Jährige. Lisa Wagner und Uwe Zimmermann taten ihr Möglich-stes, aber es half nichts – wenig später humpelte der 31 Jahre alte Linienrichter vom Platz.

Da stand es bereits 2:0 für den Gastgeber. Nach einem Hakler von Union-Kapitän Filip Krstic an Matthias Steinborn hatte Ryan Malone den Elfmeter verwandelt, dann traf der in derWinterpause zum Stürmer umfunktionierte Kevin Schulze. Es folgte die zweite, mehr als halbstündige Unterbrechung – und die Suche nach einem Ersatz-Unparteiischen.

„Ich hätte gedacht, dass alle Beteiligten zusammen kommen und das weitere Vorgehen beraten. Aber das Ganze hat eine Eigendynamik bekommen, und wir waren nicht wirklich einbezogen“, beklagt André Meyer. „Beim Gang in die Kabine hieß es, da sei ein Oberliga-Schiedsrichter aus dem Raum Aachen, der erst vor zwei Wochen nach Leipzig gezogen ist“, berichtete der Fürstenwalder Trainerweiter. „Der ist dann aber nach meinen Informationen, warumauch immer, wieder weggeschickt worden.“ Stattdessen wurde über das Stadionmikrofon nach einem Unparteiischen gefahndet – worauf sich René Grübel meldete. Der pfeift sonst für den TSV Lobstädt in derKreisoberliga Leipziger Land. „Der Schiri kam nur und sagte, es gebe da jetzt jemanden, in fünf Minuten ginge es weiter – und wir sollten etwas Verständnis haben, der Neue sei nicht so schnell“, wunderte sich Meyer auch am Montag noch über die Art und Weise der Kommuni-kation.

Der Trainer will nicht als schlechter Verlierer dastehen. „Sportlich war es ein gebrauchter Tag – und alles andere lief auch noch gegen uns. Wenn du so früh einen Elfmeter gegen dich kriegst, ist das vor 3000 einheimischen Fans das Schlimmste, was dir passieren kann. Und natürlich waren die Pausen schlecht für uns – es war wie ein Deja-vu: Wir haben praktisch dreimal kurz nach Spielbeginn einen Gegentreffer kassiert“, bilanzierte Meyer. „Aber es ist uns einfach nicht gelungen, dem Tempo und der Aggressivität der Leipziger etwas entgegenzusetzen. Zudem waren sie brutal effektiv. Aber wir wissen, wass wir falsch gemacht haben, und wenn wir die richtigen Lehren daraus ziehen, dann mache ich auch hinter so ein 0:5 einen Haken“, schloss der 35-jährige Übungsleiter.

Im Fall des verletzten Assistenten will der FSV Union aber eine Stellungnahme beim Nordostdeutschen Fußballverband abgeben, auch wenn Spielleiter Wilfried Riemer sagt, nach seiner Kenntnis und „laut Paragraf 23, Ziffer 3 und 4 der Spielordnung haben die Verantwortlichen alles richtig gemacht“. Die Gäste monieren keine Fehlentscheidung des Ersatzmannes, auch wenn Torschütze Steinborn vor dem 4:0 vermeintlich im Abseits gestanden hat. „Auf das Ergebnis hatte das keinen entscheidenden Einfluss. Aber wenn der neue Assistent in den sozialen Netzwerken als bekennender Lok-Fan auftaucht, dann hat das zumindest einen Beigeschmack“, unterstreicht Meyer seine Sicht der Dinge.

Noch bitterer traf die Spreestädter derweil der Platzverweis gegen Tim Häußler, von dem der andere Assistent, Patrick Kluge, sagte, es sei keine Rote Karte gewesen, seinen Chef Eugen Ostrin aber nicht überstimmen konnte. Stefan Prager wiederum hat sich nach Aussage von Denis Hagenbek wohl ein Außenband gerissen. „Bleibt nur, ihm gute Besserung zu wünschen.“

Den Physiotherapeuten der Fürstenwalder hat nach der Aufregung vom Sonntag derweil längst der Trainingsalltag wieder. „Allzu viele Blessuren muss ich derzeit zum Glück nicht behandeln, der Schwerpunkt liegt mehr im regenerativen Bereich.“ Am Sonntag empfängt der FSV Union Schlusslicht Optik Rathenow, an da sollen möglichst alle Spieler fit sein.

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