Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Speed Dating
Vier Minuten Zeit zum Reden

Bettina Winkler / 20.03.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Zu einer  außergewöhnlichen Kontaktbörse im Rahmen der Frauenwoche trafen sich deutsche und zugewanderte Frauen zum Dialog. Das interkulturelle Speed Dating wurde vom Verein Frauen helfen Frauen und der Arbeitsstelle für Evangelische Jugendarbeit organisiert.

"Wie hast du deine Hochzeit gefeiert? Triffst du dich gerne mit Frauen, und was macht ihr dann?" Das waren Fragen, auf die die Teilnehmerinnen des Speed Dating antworten sollten.  "Mein Name kommt aus Ungarn", sagte Marika. Und Tasmeen, deren Vater aus Marokko stammt, erklärte, dass ihr Name auf arabisch "Fluss ins Paradies" bedeutet. Die junge Frau ist Muslima und trägt ein Kopftuch. "In Deutschland haben Frauen mehr Rechte. Sie dürfen Autofahren", erzählte Tasmeen.

In ihrer Heimat ist Autofahren für Frauen verboten, und nicht alle Mädchen können sich selbst ihren Ehemann aussuchen. "Jetzt bin ich hier und kann selbst über mein Leben bestimmen", sagte Tasmeen in perfektem Deutsch. Sie hat einen Traum: Medizin studieren. Ihrem Ziel kommt sie mit einer Ausbildung zur Krankenschwester, die im April startet, ein Stück näher.

Aynaz, die aus dem Iran stammt, hatte ihre Mutter zur Veranstaltung mitgebracht. "In Deutschland muss ich kein Kopftuch tragen, im Iran ist es Pflicht", sagte die Frau. Und Halla aus Syrien erzählte, dass in ihrer Heimat Männer vier Frauen heiraten dürfen. "Das kann ich mir nicht vorstellen und mein Mann würde es auch in Syrien nicht tun", versicherte die 37-Jährige. Für Franzi (20)  war die Veranstaltung spannend. "Ich habe in kurzer Zeit viele Frauen aus verschiedenen Kulturen kennengelernt", so die Fürstenwalderin.

Dialog statt Monolog und sich auf Augenhöhe zu treffen – so lautete das Motto der Veranstaltung, zu der sich 18 deutsche und 20 zugewanderte Frauen aus Syrien, Eritrea, Iran, Russland, Großbritannien, der Türkei, Jordanien und Tschetschenien trafen. Mit so großem Andrang hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Aufgeschlossen und interessiert nutzten die Frauen  vier Minuten Redezeit, danach wurde die  Partnerinnen gewechselt.

Nach kurzer Zeit summte es in dem kleinen Lesecafé der Domgemeinde wie in einem Bienenstock. Sprachliche Probleme gab es selten, wenn doch, war sofort eine Übersetzerin an der Seite.  "Die Idee vorab war, Frauen genau an dem Punkt, wo es um Beziehung, Lachen und Gemeinsamkeiten geht, abzuholen. Auf beiden Seiten gibt es Wünsche, mehr miteinander in Kontakt zu kommen", sagte Gabi Moser, die selbst verblüfft war, dass es so gut funktionierte. Eine Neuauflage soll es zur interkulturellen Woche im Herbst geben, versprach Gabi Moser.

Offene Angebote zum Kennenlernen für Deutsche und Zugewanderte  gibt es in Fürstenwalde selten. Am 13. April kann man sich in der Martin-Luther-Kirche in Süd treffen. Es sollen gemeinsam Ostereier gefärbt werden. "Kochen verbindet" heißt es am 15. April im Lesecafé des Doms. Es gibt arabische und deutsche Küche.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG