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Wahlschein an einen Toten ausgestellt

Symbolfoto: pixabay
Symbolfoto: pixabay © Foto: pixabay
Stefanie Ender / 15.05.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 15.05.2019, 11:59
Beerfelde (MOZ) Langsam setzt sie sich. Renate Wehlitz ist 80 Jahre alt und hat sich aus Beerfelde auf den Weg in die Redaktion dieser Zeitung gemacht. In der Hand hält sie zwei Scheine, die sie vorsichtig auf den Tisch legt: Eine Benachrichtigung zur Europa- und Kommunalwahl für ihren Mann und eine Todesannonce aus einer Zeitung – auch für ihren Mann. Es dauert eine Weile, bis sie zu erzählen beginnt.

"Es war am Dienstag, als ich zum Briefkasten gelaufen bin", sagt die Beerfelderin. "Wissen Sie, ich lebe ja bloß alleine", erklärt sie. Die Worte kosten ihr Anstrengung. Dicke Tränen kullern ihre Wangen herunter. "Ich habe dort zwei Benachrichtigungen zur Wahl gefunden", sagt sie fassungslos. Und das, obwohl ihr Mann schon seit einem halben Jahr tot ist.

Manfred Wehlitz ist am 9. November 2018 verstorben. So steht es in der Zeitungsanzeige, die seine Familie nach seinem Ableben schalten ließ. Seither versucht Renate Wehlitz mit dem Witwenleben klar zu kommen. "Es ist nicht leicht, die Trauer zu überwinden, wenn immer wieder die Wunden aufgerissen werden", erklärt sie. So habe sie kürzlich Werbung vom Hörgerätehersteller für ihren verstorbenen Mann im Briefkasten gefunden.

"Überall muss ich anrufen und erklären, dass mein Mann tot ist", sagt sie – immer noch mit Tränen im Gesicht. Ihr größter Wunsch: endlich abschließen zu können und keine Post mehr bekommen, die an ihren Mann adressiert ist. "So was darf nicht passieren, nicht wenn es eine Benachrichtigung von ganz oben ist", sagt sie.

Automatischer Datenübertrag

Algorithmen sollen Pannen mit Wahlscheinen verhindern, so sie denn funktionieren. Sobald Angehörige zum Standesamt gehen, um die Sterbeurkunde zu beantragen und den Todesfall melden, werden die Daten aufgenommen. Auf elektronischem Weg werden sie an das zuständige Einwohnermeldeamt weiter gegeben. "Die Firma, die die Wahlscheine versendet, bekommt die Daten wiederum vom Meldeamt", erklärt Kerstin Kaul, stellvertretende Wahlleiterin im Amt Odervorland. Dann werden die Scheine an die privaten Briefkästen gefahren.

"Mir ist nicht bekannt, dass es im alten Amtsbereich solche Fälle gab", sagt Kaul, die darauf hinweist, dass die Gemeinde Steinhöfel weiterhin für die Versendung der Wahlscheine in die eigenen Ortsteile verantwortlich ist. Die anderen Gemeinden werden von Briesen aus beliefert. Das jeweilige Einwohnermeldeamt ist für den Druck und die Versendung der Wahlscheine zuständig.

Die Steinhöfeler Verwaltung zeigt sich ratlos. "So etwas geht gar nicht. Da muss man genauer hinsehen. Es ist sehr ärgerlich, dass dieser Fehler passiert ist", sagt Renate Wels, Leiterin der Verwaltungsaußenstelle Steinhöfel. Sie will nachhaken, wie so etwas passieren konnte und entschuldigt sich: "Es tut mir sehr leid." Ein Nachgeschmack der Amtszusammenlegung sei das Wahlscheinfiasko nicht, vermutet sie und gibt das Wort an Amtsdirektorin Marlen Rost ab.

"Wir möchten uns entschuldigen", sagt Rost. Elektronische Irrläufe könnten die Ursache der Wahlbenachrichtigung an den Toten sein. "Wir können so akribisch wie möglich arbeiten. Das sind elektronische Programme. Wir können uns von Fehlern nicht freisprechen", sagt Rost weiter. Ein anderer Grund wäre, erklärt die Amtsdirektorin, dass die Wählerlisten zu einem Zeitpunkt gemacht wurden, an dem die Daten der Sterbeurkunde noch nicht übertragen waren. Somit könnte der Name in die Wählerliste gerutscht sein.

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