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Ein Journalist aus NRW lernte in einer Woche die Stadt kennen. Bei einem geführten Rundgang entdeckte er Gemeinsamkeiten mit der Heimat. Von Daniel Neukirchen

Reportertausch
Ein Wuppertaler entdeckt Fürstenwalde für sich

Daniel Neukirchen / 25.05.2019, 12:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Zugegeben, von Fürstenwalde hatte ich bis vor ein paar Monaten noch nie etwas gehört. Nun stehe ich, Redakteur aus dem nordrhein-westfälischen Wuppertal - zwischen dem Alten Rathaus und dem Dom St. Marien und bin ganz froh, dass es mich in diese charmante Stadt in Brandenburg verschlagen hat. Grund ist das Programm "Reportertausch  2019". Für eine Woche verlassen Lokalredakteure ihren heimischen Schreibtisch und lernen ferne Städte kennen.

Um Fürstenwalde noch etwas besser in der Tiefe zu verstehen, habe ich mich mit dem Stadtführer Jürgen Lüder (72) getroffen, der für mich die Brücke zwischen den Anfängen Fürstenwaldes als Handelsstadt bis zum Hier und Jetzt geschlagen hat.

Beim Rundgang vom Alten Rathaus zum Dom und zur Kulturfabrik werden mir die vielen Gemeinsamkeiten zu Wuppertal bewusst, unabhängig davon, dass die Stadt im Bergischen mit seinen 350 000 Einwohnern merklich größer ist. "Es wird langsam knapp mit den Grundstücken für junge Familien und den Kitaplätzen", berichtet Lüder. Lange habe man angenommen, dass Fürstenwalde schrumpfen wird - dabei wächst die Stadt nun seit Jahren stetig. Genauso ist es auch in Wuppertal. Obwohl jedes Jahr mehrere neue Kitas eröffnen, hinkt die Stadt noch immer dem Bedarf  hinterher. Auch Wuppertal wurde wie Fürstenwalde durch die Industrialisierung groß. Das Tal - damals noch Elberfeld und Barmen - war Mitte des 19. Jahrhunderts eines der größten Wirtschaftszentren des Europäischen Kontinents und hatte sein größtes Standbein in der Textilindustrie. Auch Hausbrauereien waren in Wuppertal wie in Fürstenwalde sehr beliebt.

Dass der wirtschaftliche Aufschwung in Fürstenwalde eng mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinie Berlin/Frankfurt (Oder) verknüpft war, hat mich wenig überrascht. Wohl aber, dass Fürstenwaldes Bahnhof von 1842 stammt und damit einen der ältesten Bahnhöfe in Deutschland darstellt. Das wäre mir als Gast an meinem Ankunftstag nicht in den Sinn gekommen, fand ich doch einen eher zweckmäßigen modernen Bau vor. Lüder nickt: "Ja, das ist etwas traurig."

Natürlich ziehen mich als Tourist besonders das Alte Rathaus und der Dom an. Umso mehr überrascht es, dass mir Lüder berichtet: "In der DDR-Zeit hätte man Dom und Rathaus beinahe platt gemacht. Die Gebäude sah man als überflüssig an" Verhindert habe das lediglich die Gegenwehr der Fürstenwalder. "Auch damals gab es schon so etwas wie Bürgerinitiativen."

Schnell begreife ich: Fürstenwalde hat seinem bürgerschaftlichen Engagement viel zu verdanken. Auch in dem Punkt sind Wuppertal und Fürstenwalde irgendwie Geschwister im Geiste. Da Wuppertal seit vielen Jahren mit leeren Haushaltskassen zu kämpfen hat, bewegt sich in der Stadt oftmals nur etwas durch den Einsatz aus der Bürgerschaft. So wächst die touristische Attraktivität in der Heimat der Schwebebahn durch Projekte wie der Nordbahntrasse - eine Fahrradstraße auf einer ehemaligen Bahnlinie - oder durch die Renaturierung der Wupper.

Der Fluss in unserem Tal wurde über Jahrzehnte von der Industrie wie ein Abwasserkanal behandelt. Erst seit einigen Jahren kehren die Fische wieder und die erste Gastronomie siedelt sich an. Dass ein Stadtfluss der perfekte Ort für die Naherholung ist, hat Fürstenwalde schon längst erkannt. Das zeigte mir ein Spaziergang an der Spreepromenade. Ein Park mit Flussblick - so etwas stünde auch meinem Tal gut zu Gesicht.

Geführte Rundgänge durch Fürstenwalde

Ein Stadtrundgang (Dauer: 1,5 Stunden) lässt sich beim Tourismusverein, Mühlenstraße 1, buchen. Pro Stadtführer können sich 25 Personen zusammentun und zahlen dann pro Person drei Euro. Bei bis zu zehn Teilnehmern wird ein Mindestbetrag von 40 Euro berechnet. Interessierte erfahren alles über die Anfänge der Stadt und die Geschichte des Alten Rathauses und des Doms. Antworten gibt es auch für alle, die sich schon immer gefragt haben, warum vorm Museum ein Leuchtturm steht oder wo am Rathaus die fünfte Uhr hängt.

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