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Eine Aktion von zwei örtlichen Firmen und der DKMS in Bad Saarow stößt auf große Resonanz. Der Hintergrund hat wenige Tage zuvor eine besondere Tragik bekommen.

Stammzellspender
Hunderte wollen Leukämiekranken helfen

Wieder zwei neue Registrierte: Willi Ludwig und Stefanie Zorn von Pflege mit Herz reichen Luzie Tertel und Mandy Tertel (von links) Wattestäbchen.
Wieder zwei neue Registrierte: Willi Ludwig und Stefanie Zorn von Pflege mit Herz reichen Luzie Tertel und Mandy Tertel (von links) Wattestäbchen. © Foto: Bernhard Schwiete
Bernhard Schwiete / 13.06.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 13.06.2019, 10:07
Bad Saarow (MOZ) Zahlreiche Menschen zeigen in Bad Saarow Hilfsbereitschaft. Dem 19-jährigen Niclas können sie aber nicht mehr helfen. 

Erst füllen sie ein paar Formulare aus, dann reichen ihnen Willi Ludwig und Stefanie Zorn Wattestäbchen. Mit denen streichen sie sich über die Mundschleimhaut, und nach wenigen Minuten ist alles erledigt. Mandy und Luzie Tertel sind nun als Stammzellspender registriert. Mutter und Tochter waren am Mittwoch extra aus Rauen nach Bad Saarow gefahren, um sich an einer Typisierungsaktion in der Scharmützelseehalle zu beteiligen.

"Ich habe an meiner Schule, dem OSZ in Palmnicken, ein Plakat gesehen und beschlossen, mitzumachen", sagt die 18-jährige Luzie Tertel. Ihre Mutter ergänzt: "Mein Mann ist bereits registriert, und diese Aktion hat jetzt auch für uns gepasst." Und wenn eines Tages tatsächlich ein Anruf kommt, dass sie Knochenmark spenden kann, um einen Leukämiekranken zu retten? "Dann würde ich selbstverständlich sofort antreten", sagt Mandy Tertel.

Für den jungen Mann, der Anlass für die Aktion in Bad Saarow war, kommt indes jede Hilfe zu spät. Der 19 Jahre alte Niclas aus Eisenhüttenstadt ist drei Tage zuvor überraschend verstorben. "Für uns war aber sofort klar, dass wird das trotzdem machen", sagt Anke Reincke, Geschäftsführerin von "Pflege mit Herz". Gemeinsam mit dem in Müllrose ansässigen Sanitätshaus "Reha-Tech" stellt sie das Personal für den Tag.

Fünf Stunden lang stehen für die Spender in der Scharmützelseehalle acht Tische bereit, die von Mitarbeitern der Firmen betreut werden – in deren Freizeit, nicht in deren Arbeitszeit. "Ich habe zurzeit Urlaub, bin aber trotzdem gerne hergekommen", sagt Willi Ludwig. Seine Kollegin Stefanie Zorn schiebt die Registrierung zwischen zwei Nachtschichten. "Ich habe drei Stunden geschlafen", erzählt sie. "Aber es ist mir eine Herzensangelegenheit." Andere haben Kuchen gebacken und im Foyer der Halle ein riesiges Büfett aufgebaut, an dem sich die Spender zum Dank bedienen dürfen.

Nach einer Stunde haben bereits 71 Menschen einen Abstrich von ihrer Mundschleimhaut abgegeben. Nach drei Stunden sind es 189. "Dass die Besucher in Wellen kommen, ist normal", sagt Babette Gebhardt von der DKMS, einer gemeinnützigen Organisation, bei der die Abstriche registriert werden. Mit der Resonanz ist sie zufrieden, vor allem, da der Termin in Bad Saarow auf einen Arbeitstag fällt. "Sonst machen wir diese Aktionen meistens am Wochenende", sagt sie. In Bad Saarow aber habe man schnellstmöglich helfen wollen, wie Anke Reincke erläutert. Die Mutter von Niclas ist eine Kollegin von ihr. Bei Reha-Tech absolvierte der jetzt Verstorbene ein Praktikum.

Sechs Millionen in Deutschland

Durch den Tod des 19-Jährigen liegt ein Schatten über der Veranstaltung. Durchgezogen wird sie trotzdem. Babette Gebhardt von der DKMS erläutert die Dimensionen. Mittlerweile seien deutschlandweit etwa sechs Millionen Menschen registriert. Täglich würden 20 Knochenmark-Transplantate eingesetzt.

Marie Rasche kommt mit ihrem Kind zur Registrierung in die Scharmützelseehalle. "Wir waren sowieso in der Nähe, da haben wir das verbunden", sagt die junge Frau aus Alt Golm. Als die Aktion vorbei ist, kommen noch einmal zwei Dateien hinzu. Nach getaner ehrenamtlicher Arbeit lassen sich Willi Ludwig und Stefanie Zorn registrieren.

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