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Geschichte
Rauens Chronist aus der Ferne

Hat in seinem Arbeitszimmer und vor Ort viele Stunden recherchiert: Helmut Wende hat die Rauener Ortschronik verfasst.
Hat in seinem Arbeitszimmer und vor Ort viele Stunden recherchiert: Helmut Wende hat die Rauener Ortschronik verfasst. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 16.06.2019, 06:00 Uhr
Rauen (MOZ) Sorgfältig eingebunden und mit einem kleinen Messingschild versehen ist das Deckblatt von mehr als 100 Jahren Geschichte. Behutsam schlägt Helmut Wende die "Ortschronik Rauen" auf, blättert durch die Seiten.

"Unsere Geschichte geht zurück in die Eiszeit, die Endmoränen haben die Konturen in der Landschaft hinterlassen. Mit dem Eis aus skandinavischer Herkunft kamen die Rauener Markgrafensteine und die Rauener Berge, darunter die Braunkohlevorkommen", heißt es in der Einleitung. Und: "Dieses Erstwerk über unsere Heimat fasst zusammen das bisher Erforschte, ergänzt durch Ermittlungen des Heimatforschers".

Simon stellte Archiv bereit

Helmut Wende ist dieser Heimatforscher. Jahrzehntelang hat der heute 82-Jährige über seinen Heimatort recherchiert und geschrieben; einen ersten Entwurf der Chronik habe er beim Ortsfest im Jahr 2002 vorgelegt. "Bis 2017 habe ich die Chronik auf den neuesten Stand gebracht", sagt er. Auslöser sei ein Gespräch mit seinem Schwiegersohn Thor Westen und Andreas Simon auf dessen Museumshof gewesen: "Da haben wir beschlossen, die Chronik neu aufzulegen. Andreas Simon hat mir dafür Bilder und Dokumente zur Verfügung gestellt, die er gesammelt hatte", erzählt Helmut Wende. Simon selbst habe zwar eine Chronik geführt, diese aber nie publiziert.

Der plötzliche Tod von Andreas Simon im September 2017 – für Wende und seinen Schwiegersohn, über den der 82-Jährige überhaupt mit Simon in Kontakt getreten war, ein Schock. "Mit Andreas’ Tod endet dann auch die Chronik", sagt Wende.

Bislang gibt es neben der Original-Ausgabe eine erste Kopie. Wende habe den Amtsdirektor von Spreenhagen angeschrieben, um eine Veröffentlichung anzuregen. Vergeblich. "Solange es offene Rechtsfragen bezüglich des Nachlasses von Simon gibt, sei das nicht möglich, lautete die Antwort." Viel mehr noch als seine Veröffentlichung treibt Helmut Wende eben dieser Nachlass um: "Das Amt muss sich darum kümmern, dass das Rauener Kulturgut gerettet wird", sagt er. Man müsse neue Räume für den Fundus, den Simon zusammengetragen hat, finden.

Berliner seit 50 Jahren

Dass Helmut Wende sein Geburtsort derart am Herzen liegt, ist nicht selbstverständlich. Seit 50 Jahren lebt der gelernte und studierte Fernmeldemechaniker in Berlin. "Ich interessiere mich für die Welt und das Schreiben", begründet er seinen Antrieb, die Ortschronik zu verfassen. Zusammen mit seiner Frau habe er auch in Museen, etwa im Rüdersdorfer Bergbaumuseum, recherchiert.

Den Abschluss der Chronik bilden Rauener Ansichten, gemalt von Günter Stephan. Wer in das zurückliegende Jahrhundert noch tiefer einsteigen möchte, dem legt Helmut Wende zwei Fortsetzungen in Form von Heftern ans Herz. Bedruckte A4-Blätter geben etwa Auskunft über den Braunkohlebergbau in Rauen, den Frontverlauf der Roten Armee oder den Fuchsbau.

Sogar Backenzähne von Mammuts wurden zwischen 1923 und 1938 in der Rauener Kiesgrube gefunden. Heute, sagt Wende, sind sie im Fürstenwalder Museum ausgestellt. Wer aber die Chronik und die Hefte einsehen möchte, müsse zu ihm nach Berlin kommen.

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Chronist Thor Westen Ortschronik Helmut Wende Endemoräne

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