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Neugestaltung
Puzzlespiel mit Pflasterstein am Dom

Annemarie Diehr / 11.07.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 11.07.2019, 13:00
Fürstenwalde (MOZ) Tack, tack, tack – in kurzen Abständen lässt Cihan Yavuz den Hammer in seiner Hand niedersausen. Nicht einmal zehn Zentimeter messen die Kanten der Pflastersteine aus Naturstein, die sich durch die Schläge in den unterliegenden Granitsplitt bohren. Klein-, Groß- und Mosaikpflaster bilden den neuen Untergrund des entstehenden Kleinen Platz am Dom zwischen Altenpflegeheim Casa Reha, Paradeplatz, Dom- und Schulstraße.

In dessen Zentrum soll eine Rosskastanie gepflanzt werden; die dafür vorgesehene Rundbank haben Mitarbeiter der Firma TSU schon eingebaut. Die Pflanzung erfolge, wenn der Baum frei von Laub ist, heißt es aus dem Rathaus.

Frischer Beton für Lieferzone

Bereits Ende August soll die Neugestaltung der Fläche am Dom abgeschlossen sein. 545 000 Euro kostet die Tiefbaumaßnahme laut aktueller Schätzung; sie wird zu zwei Dritteln aus Mitteln des Förderprogramms Stadtumbau II kofinanziert. Bevor Poller, Abfallbehälter und eine rote Informationstafel das Erscheinungsbild des Platzes vollenden, haben die Pflasterer noch einiges zu tun. Besonders aufwendig, sagt Vorarbeiter Peter Gerlach, sei die Angleichung von Alt- und Neubestand.

Was er damit meint, wird deutlich, wenn man Raimo Eckert zusieht: Mithilfe von Wasserwaage und Schnur setzt er in der Schulstraße Betonsteinpflaster in den Boden ein. Die Fahrbahn wird um einen Meter verbreitert. "Die neuen Steine an das Straßenniveau anzupassen, ist aufwendig, weil die Fahrbahn schon zerfahren ist", sagt der Pflasterer. In der Schulstraße bekommt auch die Anlieferfläche für das Rathauscenter neuen Beton. Weil dieser 28 Tage lang aushärten muss, teilt Stadtsprecherin Nadine Gebauer mit, wird die Schulstraße erst ab September wieder befahrbar sein.

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Archäologe Florian Wilke über die Bauarbeiten am Fürstenwalder Dom

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Archäologe legte 37 Gräber frei

Unwesentlich verzögert haben die Bauarbeiten am Dom archäologische Ausgrabungen: Dort, wo mittlerweile Regenwasserkanäle verlaufen, haben Archäologe Florian Wilke und Mitarbeiter des Museums in einem drei Mal drei Meter großen Bereich 37 Gräber mit noch mehr Gebeinen gefunden. "Sie stammen von Kindern  und Jugendlichen, die hier bis 1822 bestattet worden sind", sagt Wilke. Zurzeit beschriftet er die Knochen, bevor sie anthropologisch untersucht und an das Landesamt für Denkmalpflege übergeben werden.

"Ausgerichtet waren die Gräber nicht von Ost nach West, sondern in Richtung des Kapitelhauses", sagt der Archäologe und deutet nach Norden. Dort, zwischen Dom und Seniorenresidenz, ragen auf einer 400 Quadratmeter kleinen Fläche Mauerreste und Steine aus dem Sand. Nachdem die Keller des Kapitelhauses 2016 freigelegt, untersucht und mit Kies aufgefüllt wurden, wurde im Zuge der derzeitigen Bauarbeiten der Grundriss der mehr als 600 Jahre alten Struktur durch rot-braune Klosterformat-Ziegel sichtbar gemacht.

"Das Kapitelhaus wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Während der derzeitigen Arbeiten konnten wir einen dritten, noch älteren Vorgängerbau identifizieren, der dort zuvor gestanden haben muss", erklärt Wilke. Mehrfach umgebaut und unterschiedlich genutzt wurde der historische Bau ebenfalls; bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war er in die Schultheiss-Brauerei integriert. Künftig, so der Plan der Stadt, sollen auf dem aufgemauerten Grundriss des Kapitelhauses Rosen wachsen.

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