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Vandalismus
Unbekannte ziehen Stöpsel aus Trebuser See

Manja Wilde / 12.07.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Zwei bis drei Mal klingelt jetzt täglich das Telefon bei Försterin Anja Henning, weil sich Menschen um den Trebuser See sorgen. Das Gewässer, gern als "Badewanne der Fürstenwalder" bezeichnet, gehört dem Stadtforst – und hat in den zurückliegenden Tagen massiv Wasser verloren. Das liegt nicht nur am Wetter.

Unbekannte haben sich wiederholt an der Staustufe zu schaffen gemacht. Die etwa 25 Zentimeter hohe Wand aus Hartplastik sollte verhindern, dass zu viel Wasser in den Trebuser Graben fließt. "Im Frühjahr wurde sie mutwillig durchbrochen", sagt Anja Henning. "Das ist so, als wenn man den Stöpsel aus der Badewanne zieht", verdeutlicht sie, während ihr Dienstwagen in Richtung Wehr rumpelt.

Feuerwehr im Einsatz

Mitarbeiter des Wasser- und Landschaftspflegeverbandes Untere Spree (WLV) setzten Steine hinter das defekte Wehr, die verhindern sollten, dass zu viel Wasser wegläuft. Am Wochenende rollten Unbekannte die Steine weg. Am Sonntag rückte die Feuerwehr an und legte sie wieder hin. Am Mittwoch waren die Steine erneut ausgebaut, wälzten Feuerwehrleute noch größere Exemplare vor den Durchlass.

Am Donnerstag nun meldet ein besorgter Bürger Anja Henning, dass nun sogar ein Graben angelegt worden sei, durch den das Wasser abfließe. 80 Zentimeter sei der Wasserstand des Sees gesunken. Darum will sich die Försterin erneut ein Bild der Lage machen.

Ihr Wagen stoppt auf einer Lichtung. Über schmale Wege stapft sie zum Durchlass. "Der See ist nur vier bis sieben Meter tief, da kommt es schnell zu massivem Sauerstoffverlust, der ein Absterben der Wassertiere zur Folge hat", ärgert sich Anja Henning. Bei Niedrigwasser würden zudem Ufer- und Böschungsbereiche frei liegen, könnten Bäume umstürzen.

Dann steht sie vor dem Wehr. Ein Graben ist nicht zu sehen, auch die Steine liegen noch ordentlich. Und der Wasserstand, das zeigt der frische Algenbewuchs an Steg-Pfosten, ist in den letzten Tagen zwar nicht um 80, aber um etwa 20 Zentimeter gesunken. So oder so besteht Handlungsbedarf. "Wir wollen im Herbst eine dauerhafte Lösung schaffen", sagt WLV-Geschäftsführer Thorsten Weidner. Dann gebe es eine Staustufe aus Beton, ergänzt Anja Henning. Jetzt würde das schlagartige Trockenlegen des Grabens dazu führen, dass Pflanzen und Tiere absterben.

Vogelschützer in Verdacht

Bleibt die Frage, wer Interesse daran hat, dass der Trebuser Graben Wasser führt. Eine Vermutung lautet, dass es Eisvogelschützer sein könnten. Doch in diesem Jahr, das seien seine Informationen aus der Unteren Naturschutzbehörde, habe der Eisvogel dort nicht gebrütet, sagt Weidner. Auch Kranichfreunde stehen in Verdacht. Doch Genaues weiß man nicht.

"Wenn so mutwillig und blöd gehandelt wird, wird man sauer", sagt Wolfgang Michaelis, der Vorsitzende des Fürstenwalder Angler Vereins 1919. Seit die Plastikschwelle zerstört wurde, sei das Wasser "rapide runtergegangen", ist seine Beobachtung. Den Badenden, die sich auf der anderen Seite des Gewässers erfrischten, ist das Problem gar nicht bekannt. "Ich bin etwa einmal in der Woche hier, mir ist nichts aufgefallen", sagt etwa Detlef Keil.

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