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Grünheider kämpft um Zuschuss für Brille

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Symbolfoto © Foto: dpa/David-Wolfgang Ebener
Anke Beißer / 12.07.2019, 06:30 Uhr
Hangelsberg (MOZ) Als Franz T.* am Donnerstag in seinen Briefkasten schaute, wollte er es kaum glauben. Er fand darin ein Schreiben von seinem Rechtsanwalt und somit Schriftstück Nummer 73 im Ringen um einen Zuschuss für seine Gleitsichtbrille. Aber der Reihe nach.

Der 69-jährige Grünheider ist nach eigenen Angaben seit vielen, vielen Jahren sehr stark weitsichtig. Ohne Brille, so sagt er, gehe gar nichts. Weil er sehr dicke und somit schwere Gläser benötigt, trägt er seit 1987 Plastikexemplare. Im Mai 2018 ging er zum Augenarzt, weil sich sein Sehvermögen abermals verschlechtert hatte. "Ich brauchte nach elf Jahren eine neue Brille." Der Augenarzt verordnete ihm eine Gleitsichtbrille. T. ging nach Fürstenwalde zum Optiker und bekam einen ersten Kostenvoranschlag über 1338 Euro. Trotz anteiliger Zuzahlung durch die Krankenkasse – T. spricht von rund 145 Euro – sah er sich außer Stande, das Geld aufzubringen. "Ich beziehe nur eine Minirente von 449 Euro."

Da er über den Landkreis Oder-Spree eine Zuschuss zur Miete erhält, wandte er sich am 15. Mai 2018 an das Sozialamt mit einem Antrag auf Kostenübernahme. Dieser wurde abschlägig beschieden, ebenso sein Widerspruch. Am 16. Juli 2018 reichte T. beim Sozialgericht in Frankfurt Klage ein. Seine Rechtsschutzversicherung hat dies bewilligt.

Seit Februar läuft Eilverfahren

Das war der Beginn eines ewigen Hin und Her, das sich bis heute hinzieht – ohne absehbares Ende. Schon mehrfach wurde T. aufgefordert, weitere Kostenvoranschläge beizubringen. Sein angestammter Optiker  offerierte ihm einen 200-Euro-Gutschein, die Kalkulation sank zudem auf 920 Euro, andere Anbieter erbrachten in etwa die bereits veranschlagte Summe.

Auf Anraten des Sozialamts und auch des Gerichts probierte er es zudem im Internet. "Das hat aber auch nichts gebracht, da kann ich ja mein Gestell nicht behalten." Auf Gleitsicht zu verzichten, zwei Brillen zu nutzen, kommt für T. nicht in Frage. Der Arzt habe Gleitsicht verordnet und "billiger würden zwei Brillen auch nicht". Irgendwann hatte dann die ärztliche Verordnung ihre Gültigkeit verloren. Der Besuch beim Arzt am 19. Januar 2019 ergab, dass sich sein Sehvermögen weiter verschlechtert hat.

T. richtete zwei Tage später ein Hilfeersuchen an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke – am 28. März kam die Antwort mit dem Hinweis seines Büros, das Anliegen an das Ministerium für Soziales weitergeleitet zu haben. Eine Reaktion von dort gab es nicht.

Seit Februar läuft die Klage auf Antrag von T. in einem Eilverfahren. "Meine Rechtsschutzversicherung hat dem zugestimmt." In dem Brief, der ihn am Donnerstar erreichte, erbat das Sozialgericht erneut Kostenvoranschläge sowie eine Auskunft zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen. "Das habe ich doch alles schon x-mal getan", ärgert sich der Grünheider.

Eine MOZ-Anfrage über die Pressestelle des Sozialgerichts blieb ohne Reaktion. Der Landkreis antwortet zumindest allgemein. Der Tenor: Für die Übernahme der Kosten für eine Sehhilfe sei grundsätzlich vorrangig die Krankenkasse zuständig. Im Regelfall sei es zumutbar zwei Brillen – eine für die Fern- und eine für die Nahsicht – zu nutzen.

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