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Der Ambulante Hospizdienst Fürstenwalde möchte die Kindertrauerarbeit in der Region aufbauen. Auch Krankenhausseelsorger bieten Hilfe an.

Abschied
Wo Trauer einen Platz hat

Hilft Kindern, mit ihrer Trauer umzugehen: Katrin Scholze vom Ambulanten Hospizdienst Fürstenwalde.
Hilft Kindern, mit ihrer Trauer umzugehen: Katrin Scholze vom Ambulanten Hospizdienst Fürstenwalde. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 11.09.2019, 06:45 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) In einem Kästchen aus Holz, bunt beklebt und bemalt, können Kinder auf Zetteln notierte Gedanken und Gefühle verwahren. Das soll ihnen helfen zu verarbeiten, was sich nur schwer in Worte fassen lässt: der Verlust des Vaters, der Mutter, eines anderen nahen Familienmitglieds. "Kinder haben eine andere Trauer als Erwachsene", sagt Katrin Scholze. Die gelernte Kinderkrankenschwester hat sich 2016 zur Trauerbegleiterin mit Qualifikation für Kinder und Jugendliche ausbilden lassen, seit knapp einem Jahr ist sie für den Ambulanten Hospizdienst Fürstenwalde tätig.

"Es gibt viele Anfragen, im Todesfall eines Erwachsenen die Kinder in ihrer Trauer zu unterstützen", sagt die 50-Jährige. Sie betreue etwa ein Geschwisterpaar, dessen Mutter schwer an Krebs erkrankt sei. Nach dem Erstkontakt in der Familie lade sie die Kinder zu weiteren Gesprächen in die Räume des Ambulanten Hospizdienstes im Tränkeweg ein. Weil sie alleine dem Bedarf nicht gerecht werden könne, möchte Scholze die Kindertrauerarbeit in der Region etablieren.

"Dafür sind wir auf Spenden angewiesen, finanzielle oder materielle in Form von Bastelmaterial", sagt die Schöneicherin. Krankenkassen würden sich an den Kosten der Trauerarbeit nicht beteiligen. Ebenso brauche es Menschen, die dieser Aufgabe gewachsen sind. Im Januar 2020 startet deswegen erstmals ein Trauerbegleiterkurs mit Schwerpunkt Kindertrauerarbeit in Fürstenwalde. Er richtet sich an die derzeit 80 ehrenamtlichen Hospizhelfer.

Seit zwei Jahren leitet Katrin Scholze zudem das Trauercafé in Erkner. Einmal im Monat treffen sich dort Menschen, die den Partner oder ein Elternteil verloren haben. Auch verwaisten Eltern, also solchen, die den Verlust eines Kindes verarbeiten, bietet es einen Ort zum Austausch.

Wie facettenreich Trauer ist, weiß auch Pfarrerin Anemone Bekemeier. Als Seelsorgerin am Helios Klinikum Bad Saarow ist sie gemeinsam mit Pfarrerin Cornelia Behrmann Ansprechpartnerin für Patienten, Angehörige und Klinikpersonal. Ein besonders schwieriger, bis vor einigen Jahren in der Region weitgehend unberücksichtigter Aspekt ihrer Arbeit, ist die Trauer von Eltern, deren Kind nie gelebt hat. Weil es zu schwach oder krank ist, um lebend auf die Welt zu kommen.

Grabstätte für Sternenkinder

Für solche sogenannten Sternenkinder wurde 2015 auf Initiative der Seelsorge eine Grabanlage auf dem Waldfriedhof in Bad Saarow geschaffen. Im Herbst findet dort die zehnte der halbjährlich organisierten gemeinschaftlichen Urnenbestattungen statt. Pro Beisetzung werden, Schwangerschaftsabbrüche inbegriffen, laut Anemone Bekemeier 50 bis 70 Sternenkinder bestattet.

"Die Stele auf der Wiese ist für die Betroffenen ein wichtiger Ort", sagt die Krankenhausseelsorgerin. Auch ältere Menschen, deren Kindesverlust möglicherweise Jahre zurückliegt, suchen ihn auf. "So unterschiedlich Trauer ist", sagt Anemone Bekemeier, "wichtig ist, dass wir den Raum für sie aufmachen, um irgendwann Frieden damit zu finden."

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