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Soziales
Landkreis zieht Flüchtlingsheim in Fürstenwalde leer

Übergangswohnheim in der Hegelstraße: Sobald alle Bewohner ausgezogen sind, will die Gefas die Zimmer renovieren und einen Beherbergungsbetrieb anmelden.
Übergangswohnheim in der Hegelstraße: Sobald alle Bewohner ausgezogen sind, will die Gefas die Zimmer renovieren und einen Beherbergungsbetrieb anmelden. © Foto: Manja Wilde
Manja Wilde / 30.11.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Siegmar Burdag hat seine Kündigung schon bekommen. "Wegen Betriebsaufgabe", steht als Begründung in der Betreff-Zeile des auf den 26. November datierten Schreibens. Ein Jahr lang hat der 56-Jährige das Übergangswohnheim der Gesellschaft für Arbeit und Soziales (Gefas) in der Fürstenwalder Hegelstraße geleitet.

"Zu Hoch-Zeiten lebten hier 118 Personen", sagt Burdag. Momentan sind es noch 60. Sie alle müssen in den nächsten Tagen ihre Sachen packen, um in ein neues Zuhause auf Zeit zu ziehen. "Sie waren bei uns zur Ruhe gekommen, nun wissen sie wieder nicht, was mit ihnen passiert", sagt Burdag. Das Heim solle bis 15. Dezember leer gezogen werden.

Der Grund: Der Landkreis, der die Asylbewerber von der zentralen Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt auf die Übergangswohnheime verteilt, verlängert den Vertrag mit der Gefas für das Fürstenwalder Haus nicht. Dieser läuft zum 31. Dezember 2019 aus. Eine Verlängerung erfolge "unter Berücksichtigung der derzeitigen Bedarfe und der baulichen Gegebenheiten nicht", teilt Kreissprecher Mario Behnke auf Nachfrage mit. Die Bewohner werden in Gemeinschaftsunterkünfte in Fürstenwalde, Bad Saarow, Erkner und Schöneiche verteilt, heißt es in der Erklärung des Kreises weiter. Vereinzelt auch auf Wohnungen. Wünsche fänden, so weit möglich, Berücksichtigung.

Petition an den Landrat

Dass damit nicht alle einverstanden sind, zeigt eine Petition, die Sirwan Mohammad Moradi bereits am 11. Oktober an den Landrat richtete, mit der Bitte, die Schließung zu überdenken. Jeder Bewohner sei bereits mehrmals versetzt worden. "Es ist eine schwierige Erfahrung", heißt es darin. Und in dieser Woche teilte die Polizei mit, dass ein 47-Jähriger im Büro eines Amtsgebäudes "laut und aufbrausend" geworden sei und einen Stuhl geschmissen habe, weil er am 26. November erfuhr, dass er in eine andere Unterkunft ziehen muss.

Tesla-Ingenieure willkommen

Gefas-Vorstand Siegfried Unger hält die Entscheidung der Kreises angesichts der politischen Lage, den vielen Flüchtlingen etwa, die in Griechenland auf Ausreise warten, für falsch. "Solche Heime werden noch gebraucht", betont er. Die angeführten Brandschutzmängel halte er für einen Vorwand. Es gehe um Kleinigkeiten, wie Beleuchtung von Fluchtwegen, Abschottungen an Leitungsdurchbrüchen und Abdichten von Türen. Diese würden kurzfristig abgestellt. "Wir werden das Haus brandschutztechnisch aufrüsten", kündigt Unger an. Sobald es leer ist, würden die Zimmer renoviert. "Dann melde ich das Gebäude als Beherbergungsstätte an." Auch Schülern des OSZ Palmnicken und Ingenieuren der geplanten Gigafactory von Tesla könne es als Unterkunft dienen. 60 Betten sollen in Zweibettzimmern Platz finden.

Geflüchtete nähme er ebenfalls wieder auf, sagt Unger. "Wir werden dem Flüchtlingsrat bekannt geben, dass wir 60 Betten frei haben", sagt er. 15 bis 20 allein reisende Kinder und Jugendliche, so Unger, könnten dann beispielsweise ein Zuhauses auf Zeit finden. "Das läuft im Moment nicht über den Landkreis", betont der Gefas-Chef. Möbel- und Kleiderkammer sowie Tafel bleiben in dem Mehrgeschosser erhalten.

Neun Mitarbeiter, überwiegend vom Wachschutz, verlieren ihren Arbeitsplatz, bedauert Unger. Sieben weitere betraue er mit anderen Aufgaben. Die Gefas unterhält auch in Erkner ein Wohnheim für Geflüchtete. 87 Menschen leben dort, einige Plätze sind frei.

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