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Alleen
Neue Bäume braucht das Land

Hoch hinaus zur Baumpflege: Johannes Schmid von der Firma Baumschmid stieg am Dienstag ins Kronendach hinauf.
Hoch hinaus zur Baumpflege: Johannes Schmid von der Firma Baumschmid stieg am Dienstag ins Kronendach hinauf. © Foto: Conradin Walenciak
Andreas Schmaltz / 11.02.2020, 20:58 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Alleen sind ein Sinnbild der Landschaft. Wie grüne Adern durchziehen sie das Fürstenwalder Stadtgebiet und Umland. Die Bäume spenden Schatten, filtern Staub, produzieren Sauerstoff und bieten Tieren eine Heimat. Doch ihr Erhalt stellt die Baumpfleger vor Herausforderungen. Wegen des Klimawandels wird mit zunehmend extremen Wetterlagen gerechnet. Heftige Stürme wie "Sabine" gehören ebenso dazu wie anhaltende Trockenperioden im Sommer. Thomas Schmidt, Baumexperte der Stadt Fürstenwalde, setzt im Zuge der Klimaveränderung auf Vielfalt. Insgesamt 113 Bäume hat die Stadt 2019 gepflanzt, davon 22 in Alleen. Darunter Arten, die zwar nicht heimisch, doch den Bedingungen besser gewachsen sind.

Neue Baumarten bieten Vorteile

Junge Rotblühende Kastanien, der Scharlach-Ahorn und Blumen-Eschen zieren seit vergangenem Jahr die Stadt. "Bei der Frage, ob einheimische oder nicht einheimische Gehölze zum Einsatz kommen, muss zwischen kulturhistorischen und naturschützerischen Ansprüchen unterschieden werden", sagt Schmidt. Entscheidend sei der Standort. Außerorts, in der freien Landschaft, seien die natürlichen Umweltfaktoren am wenigsten gestört. Dort pflanzt der Landesbetrieb Straßenwesen gemäß Naturschutzrichtlinien ausschließlich heimische Arten. Anders sieht es in der Stadt aus. Dort herrschen für die Bäume extreme Bedingungen. Versiegelte Böden, zu wenig Bodenluft, Wasser und Nährstoffe machen ihnen das Leben schwer. Hinzu kommen noch Streusalz, Abgase und Verletzungen. "Damit sind viele heimische Gehölze überfordert", so Schmidt.

Anders als früher angenommen, hätten fremde Arten oder Züchtungen keine negativen Auswirkungen auf die Qualität als Lebensraum. "Die Stadt Fürstenwalde achtet bei ihren Pflanzungen darauf, dass es ein höheres Nektarangebot gibt." Krim-Linde und Einblatt-Robinie seien sehr gute Bienenweiden, sagt Schmidt, der in Fürstenwalde circa 3000 Alleebäume betreut.

Dass Alleen als grüne Korridore eine wichtige ökologische Funktion haben, weiß auch Steffen Streu, Sprecher des Landesbetriebs Straßenwesen Brandenburg. Der Betrieb ist für Bundes- und Landstraßen zuständig und somit auch für die dortigen Bäume. "Im Landkreis Oder-Spree gibt es außerorts 107 Kilometer Allen", erklärt Streu. In Fürstenwalde betreut der Landesbetrieb die Erich-Weinert-Straße, die Rauener Straße und die Dr.-Kültz-Straße.

Nahrung für Vögel und Insekten

Die Bäume sind für Vögel, Insekten, Fledermäuse und Kleinsäuger Lebensraum und Nahrungsspender, sagt Streu. Um diesen Lebensraum zur erhalten, werden regelmäßig Bäume gepflanzt. Zwischen Fürstenwalde und Trebus hat der Landesbetrieb 2019 an der B 168 eine neue Allee geschaffen, indem eine Baumreihe mit 53 neuen Bäumen auf der anderen Straßenseite ergänzt wurde.

Kritik am Landesbetrieb kommt vonseiten des Naturschutzbundes, BUND. Axel Heinzel-Berndt, Naturschutzreferent des BUND Brandenburg, fordert mehr Bäume nachzupflanzen. Der Landesbetrieb erreiche sein Ziel von 5000 neu gepflanzten Bäumen pro Jahr nicht. Um den Bestand zu erhalten, müsste mehr nachgepflanzt werden, als gefällt wird. Junge Bäume brauchen Zeit, bis sie ihre Funktion in der Allee erfüllen können. "Das Alleenbild wird sich wandeln", sagt Heinzel-Berndt. Doch auch er zeigt sich beeindruckt vom Lebensraum Allee: "Man staunt manchmal, wie viele Vögel selbst an einer befahrenen Straße nisten."

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