Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Umzugspläne
Fürstenwalder Güterbahnhof soll die Innenstadt freimachen

Manja Wilde / 12.02.2020, 20:05 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Seit etwa 150 Jahren rollen Güterwaggons auf den Verladebahnhof an der Trebuser Straße. "Auf einer Karte von 1867 ist er noch nicht da, auf einer von 1885 ist er schon zu sehen", sagt Guido Strohfeldt, der Leiter des Fürstenwalder Museums. Also hänge das Entstehen des Bahnhofes mit der Ansiedlung der Firma Pintsch im Jahr 1872 zusammen.

Heute werden auf dem etwa 15 700 Quadratmeter großen Gelände Baustoffe, Kies, Schotter, Schutt, Rohholz und anderes von mobilen Kränen, Baggern und Förderbändern verladen. Wie viele Tonnen dort jährlich umgeschlagen werden, habe er selbst mit der DB Netz AG nicht genau recherchieren können, sagt Karl-Heinz Giese, der stellvertretende Niederlassungsleiter der Ingenieurgesellschaft MIB. Am Dienstagabend war er im Stadtentwicklungsausschuss zu Gast. Der Grund: Im Auftrag der Stadt hat er eine Machbarkeitsstudie erstellt, ob sich der Verladebahnhof ins Gewerbegebiet an der Hegelstraße verlegen lässt. Dies wäre eine wesentliche Voraussetzung, um  das Bahnhofsumfeld großflächig umzugestalten, es zu einer attraktiven Drehscheibe zu machen, Platz für Wohn- und Gewerberäume zu schaffen.

Im Gewerbegebiet an der Hegelstraße befinden sich bereits Gleise. Einige liegen auf dem Gelände, das der Strabag-Konzern vor Jahren erwarb.  Andere gehören der DB Netz AG. Zudem gibt es dort die Option, das Stahlbauunternehmen Reuther STC an die Gleise anzuschließen.

Wie könnte sich das Gelände zum Verladebahnhof wandeln? Sechs Varianten wurden betrachtet, drei kamen in die engere Auswahl. Sie sehen drei Gleise mit einer Länge von 650 Metern oder fünf Gleise mit 300 Metern vor, erklärte Giese. Nach Flächenbedarf, Gleisneubau, Anbindung ans Straßennetz, Lärm und Kosten wurden sie verglichen.

Die beste Bewertung erhielt die Variante, die fünf 300 Meter lange Ladegleise im östlichen Bereich der Strabag-Fläche vorsieht. Rund 50 100 Quadratmeter Fläche müsste die Stadt dafür von der Strabag kaufen und weitere 16 900, die das Unternehmen nicht mehr selbst nutzen wolle. Rund 4000 Meter Gleis, acht Weichen, eine Anbindung ans Straßennetz und einiges mehr müssten gebaut werden. Geschätzte Kosten: rund 18,1 Millionen Euro.

Untersucht wurde auch der Lärm, den das Verladen verursacht. "Vom Schall her gibt es keine Probleme, die Grenzwerte werden eingehalten", sagte Michael Stütz, vom Ingenieurbüro KSZ, das auf Schall- und Erschütterungsschutz spezialisiert ist. Der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet regele bereits, wie viel Lärm je Quadratmeter verursacht werden darf. Allerdings ist der nahe Ortsteil Heideland im B-Plan noch als Außenbereich erfasst. Würde es zum "allgemeinen Wohngebiet" erklärt, würden die Lärm-Richtwerte in der Nacht um ein Dezibel überschritten, erklärte Stütz.

Nachtarbeit wurde verboten

Der Rückbau des bisherigen Verladebahnhofs an der Trebuser Straße würde noch einmal 1,5 Millionen Euro kosten – besondere Bodenkontamination noch nicht eingerechnet. Mit Mehrwertsteuer ergibt sich unterm Strich ein Betrag von 24 Millionen Euro.

Ob es dafür Fördermittel gebe, erkundigte sich Gernot Geike (CDU). Beim Ausloten der Möglichkeiten stehe man am Anfang, sagte Bürgermeister Matthias Rudolph. Ziel sei aber, das Projekt "kostenneutral für die Stadt" umzusetzen. Die Bahn sei bereit, ihren Verladebahnhof gegen eine gleichwertige Fläche zu tauschen, wenn sie das Ganze nichts koste, ergänzte Christfried Tschepe, im Rathaus für Stadtentwicklung zuständig. Von Vorteil für das Unternehmen wäre, dass es an der Hegelstraße auch nachts arbeiten kann. An der Trebuser Straße ist dies seit Dezember 2019 aufgrund einer Verfügung des Eisenbahnbundesamtes nicht mehr möglich, sagte Giese.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG