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Tempelberg
Ritter, Kartoffelfest und viel Geschichte

Bettina Winkler / 16.02.2020, 05:00 Uhr
Tempelberg Der jahrhundertealten Geschichte des 208-Seelen-Dorfes fühlt man sich beim Rundgang durch Tempelberg  mit Dr. Christel Fielauf ganz nah. Die Spuren der Vergangenheit sind überall sichtbar. Historische Persönlichkeiten gaben sich im Ort die Ehre und die Tempelberger sind darauf ziemlich stolz.  Die neue Ortsvorsteherin kann darüber viel erzählen. Die 69-Jährige hat über die Historie des Ortes lange recherchiert und ihr Wissen in drei Büchern aufgeschrieben.

Die Gründer des Dorfes (erste urkundliche Erwähnung 1244) waren Tempelritter aus der nahen Komturei Lietzen.  Der berühmt berüchtigte Hans Kohlhase soll um 1500 als Sohn einer weitverzweigten Handwerkerfamilie von Schmieden und Tuchmachern in Tempelberg geboren worden sein. Kohlhase  fühlte sich von den damaligen Machthabern unrechtmäßig schikaniert und finanziell geschädigt. Acht Jahre kämpfte er für sein Recht, das er nicht bekam. Schließlich wurde Kohlhase 1540 in Berlin öffentlich gerädert und gevierteilt. Heinrich von Kleist hat ihm in einer Novelle ein literarisches Denkmal gesetzt. Der Kohlhaasweg am Dorfgemeinschaftshaus und ein Feldstein auf dem Anger, der im Frühjahr neue Tafeln erhalten soll, erinnert an ihn.

Von Hardenberg im Gutshaus

Um 1810 hat in Tempelberg der von dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte zum Staatsfeind erklärte Kabinettsminister des Königs Friedrich Wilhelm III., Karl August von Hardenberg, an den preußischen Reformen geschrieben. In der Abgeschiedenheit des Dorfes konnte von Hardenberg seine fortschrittlichen Ideen zu Papier bringen. Das Gutshaus wurde in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wahrscheinlich von einer Panzerfaust zerstört.  Zwei erhaltene Kavaliershäuser und eine kleine Parkanlage erinnern heute noch an den einst herrschaftlichen Sitz. Auch einige der großen Bauernhäuser in der Schulstraße – das älteste um 1870 erbaut – wurden saniert. Sehenswert und relativ unbekannt ist auch das 5 000 Jahre alte Steinkistengrab aus der Jungsteinzeit, das Ende des 19. Jahrhunderts bei Bauarbeiten entdeckt und 1986 unter Leitung vom damaligen Fürstenwalder Museumsleiter Florian Wilke wissenschaftlich untersucht  wurde. Das Steinkistengrab sollte eine Aufgabe für den nächsten Arbeitseinsatz vom Verein Pro Tempelberg, der im Ort das kulturelle Leben bestimmt, sein.  " Das wuchernde Gestrüpp muss beseitigt werden", erzählt Christel Fielauf.

Jedes Jahr Kartoffelfest

Die Tempelberger sind zudem über die Grenzen für ihr Kartoffelfest, das alljährlich im September gefeiert wird, bekannt.  Die Einwohner  lieben die Erdäpfel. Auch die 22. Auflage wird wieder mit viel Engagement unter Federführung des Vereins Pro Tempelberg in Zusammenarbeit mit  Anglerverein, Feuerwehr, Chor, Tanzgruppe "Jugeta" und der Linedance-Gruppe veranstaltet.

"Tempelberg hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt", sagt Christel Fielauf. Junge Familien seien zugezogen, ein neuer Spielplatz schmückt den Anger. Der Busverkehr fährt den Ort mehrmals täglich an. Im Dorfgemeinschaftshaus – ein saniertes Feldsteingebäude – hat Landärztin  Dr. Bettina Scherer aus Heinersdorf eine Außenstelle. "Die historische Feldsteinmauer der alten Gutseinfahrt müsste saniert werden, aber das kostet", so die Ortsvorsteherin. Bei knapper Gemeindekasse müssen erst einmal "kleinere Brötchen gebacken" werden. In diesem Jahr sollen der Pavillon und das Wirtschaftshäuschen auf dem Festplatz ein neues Dach erhalten.

Altersgerechtes Wohnen

Eine Zukunftsvision  von Christel Fielauf ist, altersgerechtes Wohnen auch in kleineren Dörfern anzubieten. "So würden ältere Menschen länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben", sagt sie. Der älteste Tempelberger wurde übrigens 111 Jahre alt. Er ist 1834 gestorben. Der Zusammenhalt im Dorf soll so bleiben und weiter wachsen. Jeder kann sich einbringen. "Und bei eventuellen  Problemen, sollte man miteinander reden."

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