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Jugendschutz
14-Jährige bekommt in Fürstenwalde Bier und Sekt

Blick ins Getränkeregal: Sechsmal hat unsere 14-jährige Testkäuferin Emelie versucht, in Fürstenwalde Alkohol einzukaufen. Zweimal ist es ihr sogar gelungen.
Blick ins Getränkeregal: Sechsmal hat unsere 14-jährige Testkäuferin Emelie versucht, in Fürstenwalde Alkohol einzukaufen. Zweimal ist es ihr sogar gelungen. © Foto: Conradin Walenciak
Conradin Walenciak / 22.02.2020, 04:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Der Griff ins Getränkeregal – und zwar genau dorthin, wo Kinderhände eigentlich nichts zu suchen haben – kommt in Fürstenwalde leider viel zu oft vor. Das bestätigen Ordnungsamt, Streetworker und auch die örtlichen Einkaufsläden. Die Märkische Oderzeitung hat deshalb den Test gemacht: Wie einfach ist es für eine 14-Jährige, Alkohol zu kaufen?

Unsere Testkäuferin ist Emelie, 14 Jahre alt – allerdings fast 15, wie sie gerne betont. Trotzdem: Alkohol jeglicher Art, also Bier, Wein, Sekt und dergleichen, darf nicht an sie verkauft werden. Alles andere wäre ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz. Die meisten der von uns aufgesuchten Geschäfte halten sich auch daran. Die meisten sind aber eben nicht alle.

14-Jährige kauft Bier und Sekt

Vier der sechs aufgesuchten Verkaufsstellen – Norma im Rathaus-Center, Rewe, Penny und der Spätkauf am Bahnhof – verweigerten Emelie nach Ansicht ihres Schülerausweises den Verkauf von Alkohol. Sie hatte jeweils versucht, eine Flasche Sekt oder Bier und ein bisschen Knabberzeug zu besorgen. Bei Nahkauf im Rathaus-Center und dem Spät-kauf in der Eisenbahnstraße wurde ihr dagegen Sekt und Bier verkauft.

Bei Nahkauf wurde zuvor immerhin der Ausweis verlangt, trotz Ansicht aber nicht interveniert. "Ich habe mich offensichtlich verguckt", gab die Kassiererin zu. Beim Spätkauf musste Emelie nicht einmal durch diese Prüfung: Hier wurde ihr ein Bier ohne Nachfrage zum Alter oder dem Ausweis verkauft. "Das ist bei vielen Jugendlichen aber auch schwer einzuschätzen", sagte die Verkäuferin dazu. "Viele von ihnen sehen älter aus, als sie sind."

Dass es immer wieder mal vorkomme, dass Minderjährige versuchten, Alkohol zu kaufen, bestätigten alle sechs Geschäfte. "Deshalb ist das bei unserer Mitarbeiterschulung auch ein großes Thema", sagt Silvette Kühnel, Leiterin der getesteten Norma-Filiale. Alle zwei bis drei Monate werde mit einem Lehrvideo das Wissen zum Jugendschutz bei den Mitarbeitern wieder aufgefrischt.

Dass sie trotzdem immer wieder Jugendliche in Fürstenwalde, die noch keinen Alkohol trinken oder Zigaretten rauchen dürfen, genau dabei beobachten, bedauern die beiden mobilen Streetworker der Caritas, Ingo Taboga und Bert Dausel, sehr. "Läden, die diese Produkte an Kinder verkaufen, machen uns die Arbeit immer wieder aufs Neue schwer", sagt Dausel. In Gesprächen mit den Jugendlichen versuche man dann aufzuklären und in Erfahrung zu bringen, wo der Alkohol gekauft wurde. "Dabei geht es nicht darum, Läden anzuschwärzen", sagt Taboga. "Wir wollen lediglich die Filialleiter dafür sensibilisieren, beim nächsten Mal genauer hinzuschauen."

Neben den Verkaufsstellen sieht Dausel aber auch die Eltern in der Pflicht, ihre Kinder zum Umgang mit Alkohol und Zigaretten aufzuklären und als Vorbild zu fungieren. "Erwachsene sollten gerade in dieser Hinsicht auch ihr eigenes Verhalten überprüfen. Trinke ich vor meinen Kindern Alkohol? Wie oft wird bei uns zu Hause Bier oder Wein getrunken? Heranwachsende nehmen viel davon mit."

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