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Bildung
Eine Fürstenwalder Schule im Corona-Stresstest

Ein ungewöhnlicher Service in Zeiten von Corona: Lehrerin Katrin Kluth holt Schüler der Klasse 5b am Eingang der Gerhard-Goßmann-Grundschule ab und geleitet sie zu den Unterrichtsräumen.
Ein ungewöhnlicher Service in Zeiten von Corona: Lehrerin Katrin Kluth holt Schüler der Klasse 5b am Eingang der Gerhard-Goßmann-Grundschule ab und geleitet sie zu den Unterrichtsräumen. © Foto: Hrvoje MIloslavic
Hrvoje Miloslavic / 11.05.2020, 20:58 Uhr - Aktualisiert 12.05.2020, 13:25
Fürstenwalde (MOZ) Statt Gedränges in den Gängen und Raufereien auf dem Schulhof prägen Schüler in Reih und Glied den Schulalltag. Die schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebes treibt in Zeiten von Corona teils kuriose Blüten. Zum Lachen ist dem Lehrerkollegium der Gerhard-Goßmann-Grundschule angesichts massiver Veränderungen von Schulalltag und Unterrichtsplanung aber nicht zu Mute. "Der Aufwand ist enorm", betont Schulleiterin Katja Püschel.

Schwerpunkte bei Fächern

Für die Sechstklässler begann der Unterricht bereits in der vergangenen Woche. Am Montag gingen nun auch die Fünftklässler an den Neustart. Im wöchentlichen Wechsel werden die Schüler an unterschiedlichen Tagen für vier Stunden Unterricht erhalten. Die Klassenverbände wurden aufgelöst und in jeweils drei Lerngruppen aufgeteilt, die bis auf weiteres von einem festen Lehrer betreut werden. Von einem "Schmalspurunterricht" könne nicht die Rede sein. Statt bisher sechs Klassen müssten jetzt 18 Gruppen personell abgedeckt werden, rechnet Püschel vor.

Nicht ohne Auswirkungen bleibt dies auf die Unterrichtsgestaltung selbst. Schwerpunkte werden auf Mathematik, Deutsch und Englisch sowie  Gewi , Nawi und LER gelegt. "Fächer, die für die weiterführenden Schulen maßgeblich sind", so die Schulleiterin. Durch den unterbundenen Wechsel von Lehrkräften ergebe sich zwangsläufig, dass ein Lehrer sämtliche Fächer, notfalls auch fachfremd, unterrichten muss.

In Sachen Infektionsschutzmaßnahmen wird nichts dem Zufall überlassen. Die Schüler werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten an drei Schuleingängen von den Lehrern abgeholt und zu ihren Klassenzimmern geleitet, wo sie an mit ihren Namen versehenen Tischen Platz nehmen. Der Hausmeister hat Gänge und Treppen mittels Klebestreifen mit Richtungsanzeigen versehen und zu Einbahnstraßen gemacht. "Begegnungsverkehr soll möglichst vermieden werden", erläutert Püschel.

Die Schule setzt auf Eigenverantwortung. Ein Vertrag war zu unterschreiben, mit dem jeder Schüler bestätigte, über die Schutznahmen belehrt worden zu sein. Probleme befürchtet die Schulleiterin zwar nicht. Massive und absichtliche Verstöße könnten im Extremfall aber sogar mit dem Ausschluss vom Unterricht geahndet werden.

Kapazitäten ausgeschöpft

Knapp über 140 von regulär 460 Schülern hat die Schule seit Montag wieder in Ihrer Obhut. Angesichts von Zuständen wie in Berlin, wo auch für die Erstklässler der Unterricht bereits wieder begonnen hat, schlägt die Schulleiterin die Hände über dem Kopf zusammen. Gerade in personeller Hinsicht wäre dieser Mehraufwand "absolut nicht vorstellbar", stellt sie klar.

Bestehen bleibt für Lehrer außerdem die Betreuung des Home-Schoolings. Jeden Montag können Eltern in bereit gestellten Boxen Lernmaterialien abholen und abgeben. Davon regelmäßigen Gebrauch macht etwa Sascha Schmidt. Der zweifache Vater will einen gewisse nervliche Belastung durch das Home-Schooling nicht leugnen. Alles klappe zwar sehr gut, lobt er die Zusammenarbeit mit der Schule "Es wäre aber schön, wenn es endlich vorbei wäre", so Schmidt. Manche Eltern helfen beim Infektionsschutz tatkräftig mit. Zum Schulbeginn der 5. Klasen hat Michaela Kunarth selbst genähte Schutzmasken mitgebracht.

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