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Wildniscamp
Ferienlager in Kagel - Die volle Portion Natur für Kinder

Anke Beißer / 30.07.2020, 13:14 Uhr - Aktualisiert 30.07.2020, 13:56
Kagel (MOZ) Constantin sitzt tief versunken in sein Handwerk an der Feuerstelle und bearbeitet einen Stock mit dem Messer. Der 10-Jährige versucht, eine Pfeilspitze zu formen. Das Schnitzwerkzeug liegt sicher in der Hand des Kageler Jungen, der die Klinge immer wieder über das Holz führt.

Neben ihm hat Kian Platz genommen. Der 12-Jährige praktiziert eine andere alte Technik – das Glutbrennen. Dabei wird ein Holzstumpf durch ein Feuer ausgehöhlt. Die so entstehende Kuhle wird an Ende mit Sand abgeschliffen, so dass die Vertiefung als Schale genutzt werden kann. Es liegt eine überaus entspannte Atmosphäre über dem Camp, das für die sechs Mädchen und 15 Jungen im Alter von sechs bis 17 Jahren Natur pur bietet.

Am Waldrand Traum erfüllt

Ausgerichtet wird das fünftägige Ferienlager von Frank Kutsches Wissensbude Wildnis Bad Saarow. Der Wildnis- und Naturpädagoge kümmert sich mit seinen beiden Berufskollegen Antje Modespacher (49) und Enrico Lützen (32) um die erlebnisreichen Tage auf dem Gelände der Kultur- und Bildungsstätte Zebra in Kagel.

Direkt am Waldrand ist hier seit dem Frühjahr ein Tipidorf entstanden. "Ich hab mir einen Traum erfüllt", sagt Kutsche. Lange hatte der 57-Jährige nach einem geeigneten Standort für sein Projekt gesucht und war endlich fündig geworden.

Vier große Tipis laden zum Übernachten ein. Sie haben im Grundriss einen Durchmesser von 5,5 Metern. Ihre Stoffwand ruht über gut sieben Meter langen Stangen. Eine doppelte Wand am Fuß der Tipis soll vor unerwünschten Gästen schützen.

Der achtjährige Alex aus Bad Saarow hat vor nächtlichen Besuchern keine Angst. Gezeltet habe er schon vorher mal, das Tipi aber sei viel größer und somit viel besser, ist er begeistert. Sich die ganze Zeit draußen aufzuhalten, findet er toll und sein ferngesteuertes Auto, mit dem er zu Hause meistens spielt, vermisse er nicht.

Zum Tipidorf gehören noch drei kleinere Exemplare, die in unterschiedlichen Bauweisen errichtet wurden. "So lässt sich zeigen, welche Varianten es gibt", erklärt Kutsche. Er und seine Kollegen freuen sich, wie vor allem die  Kinder, für die das Angebot ungewohnt ist, auf den Freiraum, die Freiheit im Handeln und die riesige Portion Natur und Wildnis reagieren.

"Montag, am Ankunftstag, herrschte ein wirres Durcheinander. Dienstag war die Findungsphase, das durchaus nicht reibungslose Abtasten. Inzwischen herrscht Harmonie", sagt Kutsche. Das mache die Natur. Dazu gibt es Yoga, Musik am Feuer, stimmungsvolle abendliche Atmosphäre im Kreis von Fackeln und Teelichtern. Entschleunigung und Besinnung auf einfache Dinge ohne Reizüberflutung verschaffen den Campbewohnern eine Woche, die so gar nichts mit ihrem Alltag zu tun hat.

"Ich war schon in vielen Ferienlagern", erzählt Greta. "Aber keines war so schön wie das." Die Zehnjährige aus Kagel-Möllensee war am Dienstagabend kurz davor, eine Nacht im Freien zu schlafen, das mal auszuprobieren. "Aber dann kamen die Mücken", begründet sie den Abbruch des Versuchs.

Dass es den Kindern so gut im Camp gefällt, liegt wohl auch daran, dass jeder der vier Clans, in die sie eingeteilt sind, Aufgaben im Zusammenleben zu erfüllen hat. Ob Feuerwache, Wasserversorgung, Sauberkeit oder Küchenhilfe, jeder ist mal mit jeder Aufgabe dran. Und natürlich spielt der Speiseplan eine Rolle. "Am leckersten ist jeden Morgen göttliches Gröt", muss Greta nicht lange über ihre Lieblingsspeise im Camp nachdenken. Constantin bestätigt das sogleich. "Das ist Haferbrei mit Äpfeln, Nüssen, Honig. Sehr lecker, sehr süß", sagt der 10-Jährige.

Als Anja Modespacher die Kinder zusammenruft, um mit ihnen zur Spurenbox zu gehen, hat sie im Handumdrehen alle um sich. Neugierig geht es zu einem Sandkasten. "Was seht ihr?", fragt die 49-Jährige. Eine Menge Katzentapsen sind zu sehen, und Tippelschritte von einem Vogel. "Hier hat es wohl einen Kampf gegeben", mutmaßt sie und sorgt für Staunen, was Spuren beim genauen Hinsehen verraten. Wer einmal von der Natur begeistert ist, kommt davon nicht mehr los und lernt sie schätzen, wünschen sich die Macher der Wissensbude Wildnis.

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