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Nabu-Insektensommer
Fürstenwalder Ehepaar hat ein Herz für Insekten

Katharina Schmidt / 01.08.2020, 03:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Im Fürstenwalder Kosmonautenviertel verbirgt sich eine besondere Hotelkette. Kost und Logie sind dort umsonst. Einzige Bedingung: Alle Gäste müssen mindestens sechs Beine haben. Die Wirte sind Ernst und Angela Weigelt. Die Eheleute freuen sich, denn in einigen ihrer insgesamt sieben Insektenhotels wird schon genistet. Die Nist- und Überwinterungshilfen bieten Krabbeltiere Quartier, denen durch Pestizideinsatz, Flächenversiegelung und Monokulturen immer weniger Lebensraum bleibt. "Das Sterben der Insekten hängt mit dem der Vögel und Wälder zusammen", sagt Ernst Weigelt. Er und seine Frau haben daher ihren riesigen Garten über die Jahre so insektenfreundlich wie möglich gestaltet.

Blüten bleiben stehen

"Früher hat man jedes Unkraut herausgezupft, damit es ordentlich aussieht. Das machen wir heute nicht mehr. Jetzt warten wir, bis die Pflanze verwelkt ist", erklärt Angela Weigelt. Ihr Mann bekräftigt: "Wir mähen um die Blumen herum und lassen die Ränder stehen." Das erste Insektenhotel hat Ernst Weigelt im vergangegen Jahr gebaut. Den Anlass gab sein Holzverschlag im hinteren Teil des Gartens, an dem er sich tummelnde Wildbienen beobachtete. "Seitdem habe ich alles so gelassen wie es ist." Nach eingehender Lektüre in Büchern und im Internet begann er, aus altem Holz und Geäst richtige Insektenhotels zu bauen. "Zuerst habe ich die Löcher zum Nisten zu groß gebohrt", erinnert er sich an seine Anfänge. Nun zeigt sich in den kleineren Löchern mittlerweile Leben. "Uns geht es um die Wildbienen. Um die anderen kümmern sich schon die Imker", sagt Weigelt.

Und die haben viel zu tun. Martin Müller von der Imkerei Janthur musste seine Bienen den ganzen Juli zusätzlich mit Zucker füttern, "obwohl Hauptsaison ist", ärgert sich der Vorsitzende des Fürstenwalder Imkervereins. "Kürzlich stand ich mit den Bienen in einer blühenden Landschaft. Hunderte Hektar an Sonnenblumen und Buchweizen. Doch die Bienen haben nichts zu fressen gefunden, weil die verkehrten Sorten angebaut wurden." Die Saat würde keinen Nektar produzieren. Den Fehler sieht der Briesener bei der Agrarpolitik: "Die Landwirte können nichts dafür. Sie bauen bloß das an, wofür sie Geld bekommen. Momentan ist es Mais für die Biogasanlagen, aber das bringt den Bienen nichts." Zudem müssten blühende Wiesen und Bäume oft städtebaulichen Vorhaben weichen. Seine Schwierigkeiten als Imker ordnet er als Teil eines größeren Problems ein: "Man spricht zwar von Bienensterben, aber im Prinzip ist es ein Insektensterben."

Insektenzählen hat begonnen

Um auf die Not der Insekten aufmerksam zu machen, veranstaltet der Deutsche Naturschutzbund (Nabu) seit drei Jahren ein bundesweites Insektenzählen. Alle sind aufgerufen, eine Stunde im Garten oder in der Natur sämtliche Sechsbeiner zu zählen und registrieren, die ihnen vor die Nase krabbeln. Profi muss man dafür nicht sein. Ein Bestimmungsbuch oder die App vom Nabu dienen als Hilfsmittel. Die Aktion läuft bis zum 9. August. Der Fürstenwalder Kreisverband des Nabu veranstaltet am 8. August ab 9 Uhr ein gemeinsames Zählen auf einer Wiese im Löcknitztal. Wer mitmachen möchte, meldet sich am besten unter info@nabu-fuerstenwalde.de an.

Ernst und Angela Weigelt werden auch in ihrem Garten Insekten zählen. "Für uns wird das eine interessante Aufgabe", lacht der Rohrleger im Ruhestand, "wahrscheinlich können wir bei uns bis unendlich zählen."

Informationen zum Insektenzählenwww.nabu.de

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