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Fußball
Hausgemachtes Dilemma

Hilflos ins Verderben geschlittert: Weil die Wittstocker kaum Gegenwehr an den Tag legten, gingen sie daheim mit 1:5 im Kellerduell gegen Babelsberg 03 II unter. Sinnbildlich für die Verunsicherung im Team war das Eigentor von Torwart Stefan Protz (rechts) in der 28. Minute. Er boxte sich einen Eckball selbst ins Netz. Teamkollege Henrik Schiller frustet am Pfosten.
Hilflos ins Verderben geschlittert: Weil die Wittstocker kaum Gegenwehr an den Tag legten, gingen sie daheim mit 1:5 im Kellerduell gegen Babelsberg 03 II unter. Sinnbildlich für die Verunsicherung im Team war das Eigentor von Torwart Stefan Protz (rechts) in der 28. Minute. Er boxte sich einen Eckball selbst ins Netz. Teamkollege Henrik Schiller frustet am Pfosten. © Foto: Gunnar Reblin
Gunnar Reblin / 27.11.2018, 20:30 Uhr
Wittstock (MOZ) Die Stimmung bei den Fußballern von Hansa Wittstock ist derzeit mindestens so frostig wie die Temperaturen im nasskalten November. Das 1:5-Debakel daheim gegen Babelsberg 03 II zeichnete einen bedrohlichen Zustand des Landesligisten.

Trainer Jörg Lutter war schockiert. „Ein hartes Ergebnis. Es sind harten Zeiten für uns.“ Er sah überforderte Führungsspieler und zahlreiche Einladungen, die der Gegner gerne annahm. „Kurzum“, so Lutter, „wir haben das Bild einer hilflosen Mannschaft abgegeben.“

Enttäuschte Fans am Spielfeldrand warfen dem Trainer vor, eine falsche Aufstellung gewählt zu haben. Aus ihrer Sicht hätten gleich eine handvoll Spieler, die auf der Bank Platz nahmen, in die Startelf gehört. Und Coach Lutter befand mit Blick auf die prominent besetzte Ersatzbank durchaus: „Wir hatten diesmal wohl die beste Bank, die es bei Hansa je gegeben hat.“ Die Namen Kevin Apitz, Christopher Haak, Christopher Michaelis, Ansumana Ceesay, Alexander Holz, Kevin Berlin und Hannes Monschau erhärten diese Einschätzung. Rein von den Namen her. Doch der Hansa-Coach verteidigt  seine gewählte Formation zu 200 Prozent, wie er versichert. Dafür gebe es Gründe. Außenstehende Beobachter kennen diese nicht. „Namen spielen für mich keine Rolle“, betont Lutter. „Ich weiß, was ich im Training sehe. Nur wer regelmäßig trainiert, der kann auch eine vernünftige Leistung im Wettkampf abrufen. Das ist meine Meinung. Das ist meine Philosophie.“ Ein Machtwort – nach innen und nach außen. Etwaige kritische Stimmen aus dem Umfeld perlen an ihm ab.

Und auch wenn er es nicht tun müsse, so legt der langjährige Hansa-Coach die Gründe für seine Entscheidungen dennoch offen. Stammkeeper Kevin Apitz und Sturmtank Kevin Berlin seien beispielsweise berufsbedingt erst kurz vor dem Anpfiff zum Team gestoßen. Alexander Holz und Ansumana Ceesay hätten seit Wochen gar nicht oder nur sporadisch trainiert. Lutter vielsagend: „Dass von sieben Mann auf der Bank, sechs mehr oder weniger Untrainierte sitzen, weiß doch keiner. Wir spielen in der Landesliga, da musst du als Spieler schon was anbieten.“ Stichwort Fitness.

Im Heimspiel gegen Babelsberg 03 II hatte Trainer Jörg Lutter sich für die Schützlinge entschieden, die „gut trainiert, aber zuletzt nicht so oft gespielt haben“. Doch das sei nach hinten losgegangen. Man habe einen rabenschwarzen Tag erwischt. „Da musst du erst mal kräftig schlucken“, so Lutter. Die Niederlage in diesem wichtigen Spiel gegen ein Team, das ebenso unten drin steht, sei bitter. „Ex­trem bitter sogar.“ Vielmehr verärgert ist er aber über die Art und Weise. „Ich war schockiert, wie schlecht meine Führungsspieler aufgetreten sind.“ Gerade von der Achse Christoph Raasch und Christian Zielasko in der Innenverteidigung über Oliver Drott auf der Sechs hin zu Sturmführer Tommy Hordan hatte er sich gewünscht“, dass sie das Heft in die Hand nehmen, den Spielern drumherum mehr Rückhalt geben.“

Doch die Verunsicherung griff früh um sich. Vor allem bei Torwart Stefan Protz. Der junge Keeper hielt zwar in der Anfangsphase zwei-, dreimal gut, doch die Gegentore Nummer zwei und drei gingen auf sein Konto. „Nach 30 Minuten war die Partie durch, wir lagen 0:3 hinten und hätten zur Pause auch gut und gerne 0:6 zurückliegen können“, befand Lutter. Ein Debakel künftige sich an. Sein Team schlitterte von einer Verlegenheit in die nächste. Und Babelsberg war wie ein Jäger, dem die Beute direkt ins geöffnete Maul lief. Symptomatisch für die Hilf- und Gedankenlosigkeit der Wittstocker war die Entstehung zu Gegentor Nummer fünf. Christoph Raasch schoss den Ball unbedrängt ins Aus. Es wurde einmal mehr gehadert, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Babelsberg nahm den Ersatzball, warf ein, die Post ging ab. Tor. Wieder einmal waren die Wittstocker der Musik nur hinterher gelaufen.

Der erste Abstiegsplatz ist nur einen Punkt entfernt. „Wir müssen aus dieser harten Zeit lernen, schnell wieder in die Spur finden – alle zusammen – und natürlich punkten“, sagt Jörg Lutter. Der Trainer macht trotz der aktuell schwierigen Lage einen aufgeräumten, fokussierten Eindruck.

Mit Wittstock, Perleberg und Pritzwalk bilden derzeit drei Mannschaften aus dem Fußballkreis Prignitz/Ruppin die Schlussrotte in der Landesliga Nord. Ein bedrohlicher Zustand für den prignitz-ruppiner Fußball im Allgemeinen und für die drei Mannschaften ohnehin.

Abstiegszone

Landesliga Nord:

Tabellenkeller⇥Pkt.

11. Chemie Premnitz⇥15

12. SV Babelsberg 03 II⇥15

13. Angermünder FC⇥14

14. Hansa Wittstock⇥13

15. Einheit Perleberg ⇥12

16. Pritzwalker FHV⇥8

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