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Triathlon
Qualen im Paradies

Schnorcheln im Pazifik:  Christoph Mattner.
Schnorcheln im Pazifik: Christoph Mattner. © Foto: privat
Matthias Haack / 01.11.2019, 21:45 Uhr
Wittstock (moz) 3800 Meter kräftiger Armzug beim Schwimmen, 180 Kilometer schnelle Beine auf dem Sattel und dann als Krönung auch noch 42 Kilometer im Kampf gegen den inneren Schweinehund – Christoph Mattner leistete dieses Hammerpensum beim Ironman Hawaii nicht nur. Der Pritzwalker verfiel während der neun Stunden Wettkampfzeit nicht der Euphorie. "Ich war sehr gut vorbereitet", obwohl es sein Debüt beim legendären Rennen war.

Trainer Eric Bormann hatte ihm genau dies in den konservativ aufgestellten Rennplan gelegt, auf was es ankommt: Christoph Mattner beschreibt: Permanent Respekt haben, die Kontrolle nicht verlieren, denn der Absturz kann von Minute zu Minute kommen. Entscheidend ist, den Körper abzukühlen. Daher jede Chance nutzen, einen getränkten Schwamm überm Kopf ausdrücken. "Man hat das Gefühl, ein Feuer lodert unter der Haut." Es waren letztlich "solide neun Stunden" angepeilt. 9:03 zeigte die Uhr, als der 30-Jährige als Neunter seiner Altersklasse finishte.

Im Ziel wurde er von seiner Freundin geherzt. Marie hielt das Handy in der Hand. Mutter Mattner wollte ihrem Sohn symbolisch auf die Schulter klopfen und spüren, dass er die Grenze des Ertragbaren nie überschritten hatte. Es folgten in den nächsten Tagen endlose Gratulationen auf allen möglichen Kanälen. "Hundert reichen nicht, selbst von weniger bekannten Leuten. Ich hatte das Gefühl", beschreibt der Adressat, "die ganze Prignitz hat den Ironman verfolgt." Es kribbelte beim Lesen der Nachrichten, doch nichts sei "so geil wie der Moment im Ziel. Das ist eine schwer zu beschreibende Mischung aus froh, dabei gewesen, zu sein und einem riesigen Glücksgefühl, es geschafft zu haben." Eine Art Entschädigung für die endlosen Trainingseinheiten, zumal der Kurs "mich durchs Paradies führte".

Mattner spricht sogar von leichteren Passagen im Rennen als bei der Vorbereitung. Pro Woche ging in diesem Jahr netto ein Tag fürs Schwimmen oder auf der Rolle drauf. Morgens um 4 Uhr raus, 25 Kilometer Laufen, dann zur Arbeit und ab 17 Uhr dann die zweite Einheit. Nicht selten bis 23 Uhr. "Sowas geht natürlich nicht auf Dauer. Da war schon ehrlich gesagt assozial", was er sich und seiner Partnerin aufgebürdet hat. "Meine Freundin hält mir weitgehend den Rücken frei, mein Anteil am Haushalt geht gegen Null." Die Beiden leben in Lübeck, das Brot verdient er jedoch in Schwerin. Inwieweit das Pendeln aufrecht gehalten werden kann, steht in den Sternen. Sicher ist, dass Christoph Mattner trotz des Senkrechtstarts als Triathlet noch lange nicht genug hat. Er sieht sich als guten Amateur, der das Zeug hat, um in den Profibereich vorzudringen. Dazu wird die Strategie modifiziert: In 2020 stehen vornehmlich Mitteldistanzen an. An Tempo zulegen, so beschreibt er die nächste Etappe. "Ich bin ja erst seit zweieinhalb Jahren dabei, seit einem Dreivierteljahr im Leistungssport. Wir sind gespannt, was mit Motivation und überarbeitetem Equipment  möglich ist. Vielleicht kann ich ja in zwei, drei Jahren bei den Profis Fuß fassen."

Allerdings ist der finanzielle Kraftakt aus diesem Jahr mit einem fünfstelligen Betrag aus dem eigenen Portmonee so schnell nicht zu wiederholen. "Gespräche laufen. Sachspenden sind nicht das große Problem, an der Technik sind wir ebenso dran." Was ihn abbremst, sind das Geld für die Reisen sowie das zeitliche Korsett, das die Vollzeitstelle schnürt. Noch. Die Spitzen-Triathleten sind fast durchweg älter als der Prignitzer. Er hat demnach seinen Leistungszenit noch vor sich. Es wird in den kommenden Monaten ein Marathon, um die Marke Mattner voranzutreiben. Klar gehört er auf die Kandidatenliste von "Sportler des Jahres". Klar wird er am Equipment feilen, um sich auch optisch abzusetzen. Klar wird er an der Seite von Sportgrößen an Talkrunden teilnehmen. Oder er steht selbst im Mittelpunkt, wie im Januar nächsten Jahres. Ihm liegt eine Anfrage von Pritzwalker Gymnasium, seinem ehemaligen Gymnasium, vor, um ein spezielles Projekt zu begleiten, das wie maßgeschneidert für ihn scheint: Referent zum Thema mentale Stärke.

Blick aufsdeutsche Starterfeld

1. Jan Frodeno⇥7:51  3. Sebastian Kienle⇥8:0232. Anne Haug⇥8:40Beste Nichtprofis34. Christopher Dels (M 35)⇥8:4454. Sven Wies (M 30)⇥8:5578. Christoph Mattner (M30)⇥9:03Einzeldisziplinen:Frodeno⇥47:31  / 4:16:03  / 2:42:43Mattner ⇥59:16 / 4:53:00 / 3:05:28

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