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Mauerfall
Nach der Grenzöffnung bildeten sich in Neuruppin lange Schlangen bei der Polizei und vor der Staatsbank

Eckhard Handke / 08.11.2019, 18:23 Uhr - Aktualisiert 09.11.2019, 11:15
Neuruppin (Ulrike Gawande) Am Abend des 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Es war ein Donnerstag. Die Nachricht verbreitetet sich in Windeseile durch die ganze Republik – mit unübersehbaren Folgen.

Auch in Neuruppin war das Ereignis in den folgenden Tagen spürbar. In der Karl-Marx-Straße vor dem Volkspolizeikreisamt (VPKA), dem heutigen Amtsgericht, und der Staatsbank der DDR, im jetzigen RA-Redaktionsgebäude, bildeten sich am Tag nach der Grenzöffnung lange Schlangen. Aber wer so viele Jahre darauf gehofft  hatte, in den Westen reisen zu können, der nahm auch dieses letztmalige Schlangestehen  in Kauf, um den ersehnten Visums-Stempel für den Personalausweis zu erhalten. "Wir waren das Schlangestehen ja gewohnt", scherzt Konrad Wendorf.

Diejenigen, die sich nicht gleich am Abend des 9. November nach Berlin aufgemacht hatten, standen jetzt vor dem VPKA. "Wir sind alle zur Polizei, um endlich ´rüberfahren zu können", erinnert sich der Neuruppiner. Er selbst fuhr mit Frau und seinen acht- und zehnjährigen Kindern erst am Montag, 13. November, nach Berlin. "An dem Tag ging vermutlich keiner zur Schule. Mit dem Bus ging es nach Pankow und dann mit der S-Bahn in die Stadt." Ziel war das Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Vorher wurden noch das Begrüßungsgeld, 100 D-Mark pro Person, abgeholt.  "Aber wir haben so wenig wie möglich ausgegeben. Die Kinder wollten Cola trinken. Außerdem bekamen sie eine kleine Alf-Figur. Die gibt es heute noch", verrät lachend Konrad Wendorf, der zudem Mitglied im Neuruppiner Carnevals Club (NCC) ist. Das war er auch schon 1989.

Lange Schlangen bildeten sich an den Tagen nach der Grenzöffnung vor dem Volkspolizeikreisamt und der Staatsbank in Neuruppin.
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Die Tage nach dem Mauerfall 1989 in Neuruppin

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Damals stand er am 11. November mit seinen Kollegen vom NCC trotz der historischen Ereignisse am Neuruppiner Rathaus. Dort nahm der Vorsitzende Uwe Petersen pünktlich um 11.11 Uhr von Bürgermeister Reiner Frank den Schlüssel zur Stadt in Empfang. Zuvor waren die Narren des NCC wie jedes Jahr durch die Stadt gezogen. Begleitet wurde der Elferrat und das Prinzenpaar Anette I. und Ralf I. von der Funkengarde und einem Akkordeonspieler. Vorbei ging es an der Staatsbank der DDR, wo noch immer viele Bürger standen, um die erlaubten 15 Mark in Westgeld umzutauschen. Auch am VPKA war die Visums-Schlange noch lang. Sogar die Straße war in diesen Bereich für den Durchgangsverkehr gesperrt worden. Mit dem für diesen Tag wie geschaffenem Lied "So ein Tag, so wunderschön wie heute" unterhielt der NCC die Wartenden. Wendorf: "Alle waren gut gelaunt und freuten sich über unsere Einlage."

Für die Session 1989/90  lautete das Motto der Karnevalisten "Fünf Jahre NCC-Hurra, wir sind noch da". Die Festveranstaltung am Abend des 11. November im Neuruppiner Puschkinhaus war ausverkauft.  "Aber der Saal blieb halbleer", erzählt der Neuruppiner. Auch in der Kapelle fehlten wichtige Instrumente. Kurzfristig sprang ein DJ ein. "Wir haben die Veranstaltung durchgezogen, denn unser Motto ist: Wenn einer drinsitzt, spielen wir."

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