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Behinderung
Eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen

Die Zusammenarbeit von Berlind Stümer, Enno Rosenthal, Ulf Blodow und Sarah Wilke (von links) ist gelungen.
Die Zusammenarbeit von Berlind Stümer, Enno Rosenthal, Ulf Blodow und Sarah Wilke (von links) ist gelungen. © Foto: Ulrike Gawande
Ulrike Gawande / 03.12.2019, 18:09 Uhr
Walsleben (MOZ) Morgens um 6 Uhr fährt Ulf Blodow aus Küdow mit seinem Team von der Ruppiner Landschaftsgestaltung und Verwaltung GmbH in Walsleben nach Berlin, um dort Zäune zu setzen, Wiesen zu mähen oder in Naturschutzgebieten Unterschlüpfe für Kreuzottern zu bauen.

Das frühe Aufstehen stört den ausgebildeten Landwirt nicht. Seit Juli arbeitet er, der zudem in Berlin-Wartenberg an der Ingenieurschule Landtechnik studiert hat, in Walsleben. Ihm gefällt seine neue Aufgabe. "Ich sehe Tiere in der Natur, die sonst kaum noch vorhanden sind, wie Kreuzottern, Neuntöter, Uhus oder die Gottesanbeterin. Es ist reizvoll", sagt der 58-Jährige, der es als Jäger gewohnt ist, draußen zu arbeiten. Zuvor war er 25 Jahre lang im Außendienst als Handelsvertreter für landwirtschaftliche Technik oder Mineralstoffe in der ehemaligen DDR unterwegs. "Ich habe im Prinzip alles verkauft. Aber irgendwann war die Luft raus."

Drei Mitarbeiter mit Handicap

In dem 21-Mann-Betrieb von Geschäftsführer Enno Rosenthal ist er nun einer von drei Mitarbeitern mit Handicap. Die Ruppiner Landschaftsgestaltung und Verwaltung GmbH ist die hundertprozentige Tochter einer Forstbetriebsgenossenschaft, die 1992 gegründet wurde, um für 348 Waldbesitzerfamilien zwischen Kyritz und Rheinsberg die Flächen zu versorgen. Heute steht das Unternehmen auf zwei Säulen, einerseits gibt es den Bereich der Waldpflege, zu dem auch Neupflanzungen gehören, und zum anderen gibt es die Aufgaben in Berlin, wo die Walslebener sich um Natur- und Landschaftsschutzgebiete kümmern. "Wir haben eine super Mischung aus Land- und Forstwirten. Das ist unsere Nische", so Rosenthal. Durch den demografischen Wandel und die Konkurrenz von staatlichen Arbeitgebern fehle es aber an Fachkräften. "Wir brauchen junge Leute. Deshalb bin ich dankbar für die Gehandicapten."

Über Berlind Stümer vom Arbeitgeberservice in Kyritz, die sich auf die Vermittlung von Schwerbehinderten und Gleichgestellten spezialisiert hat, wurde er auf diesen Personenkreis aufmerksam. "Durch den Fachkräftemangel werden Menschen mit Handicap für Arbeitgeber immer interessanter", erklärt Sarah Wilke vom Arbeitgeberservice des Landkreises. Doch bevor Stümer mit einem möglichen Vorgesetzten über Behinderungen oder Einschränkungen reden darf, benötigt sie das Einverständnis des Betroffenen. Liegt dieses vor, kann sie über eine sogenannte leidensgerechte Arbeitsplatzgestaltung ebenso sprechen, wie über mögliche Fördermöglichkeiten, die vom Eingliederungszuschuss oder einem Probearbeiten bis hin zu einer dreimonatigen, komplett von der Arbeitsagentur finanzierten Probebeschäftigung, reichen.

"Viele Firmen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt", ist sich Rosenthal sicher. "Die Arbeitgeber scheuen sich nach wie vor, wenn sie das Wort Schwerbehinderung hören", bestätigt Stümer. Viele Behinderungen seien nicht sichtbar, sondern resultieren aus einer im Laufe des Lebens erworbenen Krankheit wie einer Depressionen oder Diabetes.  "Das bedeutet, dass ein Großteil der Menschen mit Behinderungen gut ausgebildet ist und dem Arbeitsmarkt als potentielle Fachkraft zur Verfügung steht."

Die Fachfrau ist deshalb viel in den Firmen unterwegs, um individuelle Gespräche zu führen. "Ohne Frau Stümer wäre ich nie in die Sache eingestiegen", bestätigt Enno Rosenthal, der zwei weitere Mitarbeiter zu Vorstellungsgesprächen erwartet. "Sie steckt viel Herzblut in ihre Aufgabe."

Grad der Behinderung

Als schwerbehindert gelten Menschen mit einem Grad der Behinderung von über 50. Ab einem Behinderungsgrad von 30 kann man sich bei der Arbeitsagentur gleichstellen lassen.⇥ug

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