Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Rallye
Gottschalk in Vorfreude

Geht zum zwölften Mal bei der Rallye Dakar an den Start: Navigator-Ass Timo Gottschalk aus Rheinsberg.
Geht zum zwölften Mal bei der Rallye Dakar an den Start: Navigator-Ass Timo Gottschalk aus Rheinsberg. © Foto: RA
Matthias Haack / 07.12.2019, 10:15 Uhr
Rheinsberg (moz) In Europa und Afrika ist sie mit dem Jahreswechsel 1978/79 geboren. In Paris gestartet, beendet ganz im Westen Afrikas. Nach Südamerika wanderte sie vor zehn Jahren wegen Sicherheitsbedenken aus. Und nun, zur 42. Auflage (5. bis 17. Januar), dringt die Dakar auf einen vierten Kontinent vor: Asien. In Saudi-Arabien beginnt und endet die Tour. Die Landesgrenze wird nicht überfahren. Das war auch erstmals schon in diesem Jahr so, als sich alles Peru abgespielt hatte und Nasser Al-Attiyah (Toyota) gewann.

Mit dabei in Saudi-Arabien ist der Rheinsberger Timo Gottschalk. Er zählt damit zu den wenigen Motorsportlern, die auf vier Erdteilen im Cockpit zu sehen waren – oder zu sehen sein werden. Neben Nasser Al-Attiyah sitzend hatte Gottschalk die legendäre Rallye vor acht Jahren im VW Race Touareg sogar gewonnen. Seitdem navigierte er mehrere internationale Spitzenfahrer über anspruchsvolle Strecken. Für ganz vorn hat es nach dem Triumph 2011 auch wegen technischer Rückschläge nicht gereicht. In diesem Jahr kam Gottschalk mit Yazeed Al-Rajhi als Vierter ins Ziel. Das Duo fuhr einen allradgetriebenen Mini John Cooper Works Rally von X-Raid.

Klares Ziel für zwölften Anlauf

Bei seinem zwölften Anlauf rechnet er seinem Team Chancen auf eine vordere Platzierung aus. "Schlechter als Top-Fünf, das wäre enttäuschend. Das Podium ist unser Ziel", legt sich der 45-Jährige fest. Seinen Optimismus schöpft er aus mehreren Faktoren.

Erstens stimme die Chemie zwischen Fahrer und Beifahrer, fasst er die harmonische Saison zusammen. Mental passt es einfach mit Jakub Przygonski. Zwölf Rallyes hat dieses polnische-deutsche Duo in den Knochen. Das ist relativ viel, erklärt Gottschalk. Etwa 18 Wochen war er in 2019 unterwegs. Seine kleine Familie drückte in Rheinsberg nicht nur einen Daumen. Beide sind nötig in diesem risikoreichen Sport.

Zweitens freunden sich beide Akteure mit der Wahl des Autos an: Entweder den heckgetriebenen Buggy mit dem extrem langen Federweg oder den allradgetriebenen Mini. "Wir präferieren den 4x4. Der scheint ausgereifter und nimmt die Schläge robuster", erklärt der erfahrene Co-Pilot. "An Speed fehlt es jedoch etwas", fügt Gottschalk hinzu. Nur fährt im Regelfall nicht das Hochtempo-Team den Gesamtsieg ein, sondern das mit der zuverlässigsten Technik.

Drittens legt die Dakar in puncto Interesse wieder einen höheren Gang ein. "In Südamerika merkte man mit der Zeit, dass die Bevölkerung nicht so happy mit der Rallye ist. Die Menschen dort haben Probleme im täglichen Leben. In Saudi-Arabien ist das völlig anders. Dieses Land hat Möglichkeiten ohne Ende. Ich denke, uns erwartet eine Landschaft mit richtig tollen Bildern."

Viertens sieht Timo Gottschalk Bewegung im Weltverband Federation Internationale de l‘Automobile (FIA). Die deutsche Rallye-Ikone Jutta Kleinschmidt drücke hinter den Kulissen auf die Tube, ist sich der Rheinsberger sicher. Unter anderem sei die FIA mit einer Cross-Country-Weltmeisterschaft schwanger, die vier große Rallyes umfassen soll und mit der Silk-Way sowie der Dakar garniert werden könnte. Es könnte 2021 erstmals dieses Mammutprojekt aufgelegt werden.

Fünftens mischt ein Weltmeister aus der Formel-1 ab 5. Januar mit: "Fernando Alonso bringt natürlich viel Presse mit. Da wird Neugier für den Einsteiger geweckt. Das ist gut für uns alle", betont Gottschalk. Dass der Spanier gleich aufs Podium fährt, schließt der Spitzennavigator nicht aus. Ein Etappensieg hier, einer da – doch für den Gesamtsieg muss alles passen. Timo Gottschalk sieht eher die routinierten Teams vorn fahren als einen Pacemaker.

Vorgestern legte das Schiff in Marseille ab, in dem das gesamte Rallye-Equipment von X-Raid verstaut ist. Dazu gehören die zwei Buggys, fünf 4x4-Minis sowie Lkw und Wohnmobile. Fahrer, Navigatoren und das Team hinter den Teams folgt. Gottschalks Flieger wird vermutlich am Neujahrstag mit dem Ziel Jeddah abheben. "Ich freue mich sehr" auf die Premiere der Dakar in Asien.

Dakar-Premiere in Saudi-Arabien

Am 5. Januar wird die 42. Rallye Dakar erstmals in Saudi-Arabien eröffnet. Die Startliste umfasst 351 Fahrzeuge. Das sind verteilt 170 Motorräder und Quads, 134 Autos und Side-by-Sides sowie 47 Trucks. Bei einer Gesamtdistanz von fast 7 900 Kilometern treten die Teilnehmer auf über 5 000 Kilometer bei Sonderprüfungen an.

Los geht es in Jeddah. Nach zwölf Etappen erreichen die Fahrer am 17. Januar in Qiddiyah das Ziel. Nach den saudi-arabischen Dünen, die in der zweiten Hälfte der Rallye relevant werden, führt die erste Hälfte der Dakar zunächst durch ein Labyrinth von Strecken, in dem die Navigationsfähigkeit auf die Probe gestellt wird.

Ein Newcower mit enormer Strahlkraft ist sicher Fernando Alonso. Der ehemalige Formel-1-Fahrer wechselt das Fahrzeug und steuert einen Toyota. Neben ihm sitzt vermutlich Marc Coma, der fünfmalige Dakar-Sieger. Das Toyota-Werksteam komplettieren Nasser Al-Attiyah, Giniel de Villiers sowie Bernhard Ten Brinke.⇥maha

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG