Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Selbstständigkeit
Im Frisörsalon in Kyritz den Traumberuf gefunden

Ulrike Gawande / 15.05.2020, 05:45 Uhr - Aktualisiert 15.05.2020, 15:12
Kyritz (MOZ) Eigentlich wollte Viktoria Perlewitz aus Manker Gerichtsmedizin studieren, hatte deshalb sogar Mathe, Chemie, Biologie und Latein als Leistungsfächer gewählt. Doch dann las ihr Vater in der Zeitung, dass Friseure gebraucht werden. "Ich dachte mir, das ist doch auch was für mich", lacht Viktoria Perlewitz. Und so begann die heute 31-Jährige nach ihrem Fachabitur direkt eine Ausbildung zur Friseurin bei den Figaros in Neuruppin.

Friseur statt Gerichtsmedizin

Was damals als spontane Entscheidung begann, hat sich inzwischen zum Traumberuf der jungen Frau aus Manker entwickelt. Schon die Lehre in der Fontanestadt hinterließ Eindruck. Viktoria Perlewitz gerät geradezu ins Schwärmen, wenn sie von den guten Ausbildungsbedingungen mit eigenem Lehrsalon erzählt. "Wir wurden dort viel besser auf den Berufsalltag vorbereitet." Nach der Lehre wechselte Perlewitz nach Wusterhausen, und seit 2013 ist sie in Kyritz tätig. Nachdem sie 2018 ihre Meisterprüfung bestanden hat, wuchs bei der 31-Jährigen der Wunsch, sich selbstständig zu machen.

Doch weil ihre damalige Chefin Martina Reschke sie nicht ziehen lassen wollte, tauschten die beiden in dem Salon in der Hofpassage zwischen Marktplatz und Schulstraße quasi die Rollen. Zum 1. April übernahm Viktoria Perlewitz den Laden und teilt sich mit Martina Reschke seitdem die Kosten. Stuhlmiete nennt man dieses Prinzip, das besonders in größeren Städten mit hohen Ladenmieten ein übliches Verfahren ist. Viktoria Perlewitz ist über dieses Angebot ihrer einstigen Chefin froh, schließlich hatte sie sich bereits einen Kundenstamm in Kyritz aufgebaut.

Der Schritt in die Selbstständigkeit war trotzdem ein großer. Unterstützung bekam die Jungunternehmerin vom Lotsendienst der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG). In einem viertägigen Development-Center wird dabei die Geschäftsidee der Existenzgründer auf Herz und Nieren geprüft, erklärt Robin Schmidt vom Lotsendienst. Doch bei Viktoria Perlewitz machte er sich keine Sorgen. "Bei Handwerksmeistern, die sich in ihrem Bereich selbstständig machen, gab es eigentlich noch nie Probleme. Sie sind aus der Branche und haben Berufserfahrung." Trotzdem habe die individuelle Beratung ihr sehr geholfen, berichtet die Friseurmeisterin. Gemeinsam wurde der Businessplan erstellt.

Selbstständigkeit trotz Corona

Am 1. April begann ihre Selbständigkeit. Davon wollte Perlewitz auch trotz Corona-Krise nicht abweichen. "Alles war unterschrieben." Für Ende April war auch die Renovierung des Salons geplant. Doch statt der vorgesehenen Firmen fassten Familie und Freunde bei den Arbeiten mit an. Alles erstrahlt jetzt in einem frischen Grau. Die Einrichtung ist klar, übersichtlich und geschmackvoll. "Es fehlen nur noch Kleinigkeiten." Wie der Meisterbrief, der an der Kasse aufgehängt werden soll.

Ihre Eröffnung, die vom 28. April wegen der Corona-Beschränkungen auf den 4. Mai verschoben wurde, fand dann ohne Feier statt, die nachgeholt werden soll. Und statt ihre Kunden nun mit ihrem gewinnenden Lächeln begrüßen zu können, verdeckt eine Einwegmaske die Gesichtszüge von Viktoria Perlewitz. Nur jeweils ein Kunde pro Mitarbeiter ist aktuell im Salon gestattet. Warteplätze sind ebenfalls nicht vorgesehen, und die Kunden müssen sich die Hände desinfizieren sowie ebenfalls einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Notfalls hat Perlewitz auch welche für ihre Kunden parat, ebenso wie die Einwegumhänge, die jetzt beim Haareschneiden vorgeschrieben sind. Regelmäßig informiert sich die 31-Jährige zudem bei der Innung über die aktuellen Vorschriften. Auch von den Herstellern der Haarpflegeprodukte erhalte sie Informationen.

Aber Viktoria Perlewitz sieht die Situation keineswegs negativ. "Ich bin froh, endlich wieder arbeiten zu können." Auch wenn der Aufwand, die Kosten und die Zeit, die zum Desinfizieren der Arbeitsplätze nötig ist, pro Kunde höher sind als vorher, lässt sich die Mankerin die Freude an ihrem Beruf nicht verderben. Sie liebt es, als Friseurin kreativ zu sein, ihre Kunden zu beraten und sie individuell nach ihren Wünschen zu bedienen. Für die Zukunft träumt Viktoria Perlewitz davon, auch selbst einmal einen Lehrling auszubilden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG