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Corona
Wittstock hat Kapazitätsgrenze bei Kita-Betreuung erreicht

Wittstock gerät während der Corona-Krise an die Kapazitätsgrenzen in der Kindernotbetreuung.
Wittstock gerät während der Corona-Krise an die Kapazitätsgrenzen in der Kindernotbetreuung. © Foto: Sebastian Kahnert
Ulrike Gawande / 19.05.2020, 04:45 Uhr - Aktualisiert 19.05.2020, 07:33
Wittstock (MOZ) Wittstock fordert gemeinsam mit anderen Kommunen im Kreis vom Land Brandenburg Vorschläge, wie die weitere Öffnung der Kindertagesstätten realisiert werden soll.

Derzeit kann 51 Kindern in Wittstock, denen aufgrund der aktuellen Regelungen in der Corona-Krise in der Kita-Notbetreuung ein Platz zustünde, keiner angeboten werden. Diese Zahl würde sich nach Berechnungen der Stadtverwaltung um weitere 54 Kinder erhöhen, wenn das von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) geplante sogenannte Ein-Tages-Modell umgesetzt werden soll. "Die Stadt Wittstock könnte in diesem Fall mehr als 100 Kindern keine Betreuung, auf die sie nach den Erklärungen der Landesregierung Anspruch haben sollen, anbieten", sagt Stadtsprecher Jean Dibbert.

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Über dem Landesschnitt

"Es entstünde damit der völlig falsche Eindruck, dass die kommunale Ebene versagt", kritisiert er. "Dies ist falsch, weil unter Beachtung der Hygienestandards alle Ressourcen ausgeschöpft werden." Bereits jetzt hat die Stadt eine Betreuungsquote von 46 Prozent erreicht, was nach den Ausführungen des Bildungsministeriums in Potsdam über dem landesweiten Durchschnitt liegt. "Diese Quote wurde in Umsetzung der bisherigen Maßgaben zur Hygiene und unter Beachtung der Vorgaben zu den Gruppengrößen durch den Landkreis Ostprignitz-Ruppin realisiert", betont Dibbert.

Möglich sei dies aber nur durch Verschiebung von Urlaub, Reaktivierung von Rentnern und den Rückgriff auf den Notfall-Personalpool des Landkreises gewesen. Die Lage sei schwierig, denn die Grundschullehrer, die bis dato im Hort ausgeholfen haben, stehen durch die Ausweitung des Unterrichts an den Schulen, fortan nicht mehr zur Verfügung. "Eine Entspannung ist – trotz der etwas günstigeren Gruppengrößen – deshalb personell nicht in Sicht", resümiert Dibbert. Deshalb werden Vorschläge zur weiteren Öffnung der Kitas und Schulen gefordert.

Bereits in der ersten Mai-Woche wurde die Bildungsministerin in einem Schreiben der Stadtverwaltung auf die Probleme hingewiesen. "Das Papier wurde mit den Amtsdirektoren und Bürgermeistern der Kommunen des Landkreises sowie mit dem stellvertretenden Landrat abgestimmt, von allen unterzeichnet", so Dibbert. Eine Antwort gab es bisher nicht. Beim Wiedereinstieg in die Regelbetreuung in den Kindertagesstätten und Schulen treten aus Sicht der Stadtverwaltung zahlreiche Fragen auf, die vorher geklärt werden müssen. Ein Problem sei, dass ein größeres Betreuungsangebot geschaffen und zugleich ein hoher Hygienestandard umgesetzt werden soll. "Dabei verkennt das Ministerium offenkundig, welchen hohen organisatorischen Aufwand die bisherigen Maßnahmen zum Ausbau der Notbetreuung in den Kindertagesstätten nach sich zogen", ärgert sich Dibbert. So wurde die Betreuung in den Kitas komplett umorganisiert – räumlich und zeitlich –, um eine Vermischung von Gruppen und einen Wechsel der Betreuer zu vermeiden. Damit einher ging ein höherer Personalbedarf, der nun ausgeschöpft sei, sagt der Stadtsprecher.

Zusätzlich zur veränderten Organisation in den Kindertagesstätten mussten Arbeitspläne völlig neu gestaltet werden und wegen der kurzfristigen Änderungen zahlreiche Telefonate mit den Eltern der Kita-Kinder geführt werden. Viele Eltern seien nachvollziehbar verärgert, so Dibbert, dass ihnen – trotz Anspruch – kein Platz zur Verfügung gestellt werden kann. "Es scheint mitunter so, als ob das Ministerium beide Vorgaben – Ausbau der Kindertagesbetreuung und Hygienestandards – nicht in ausreichende Beziehung zueinander setzt und schon gar nicht die bisherigen Rahmenbedingungen und Zahlen in der Kindertagesbetreuung kennt oder ausreichend gewichtet." Die geplante Umsetzung des Ein-Tages-Modells für alle Kinder stehe im Widerspruch zu den Vorgaben und Zielen der Hygiene. "Dabei würde gerade keine Gruppenkontinuität gewährleistet werden können und das Infektionsrisiko steigen", ist Bibbert überzeugt. "Infektionsketten wären in jedem Fall schlechter zurück verfolgbar."

Weitere Aufgaben für Erzieher

Zusätzlich sollen sich die Erzieher täglich bei der Abgabe der Kinder von den Eltern schriftlich bestätigen lassen, dass weder beim Kind noch bei anderen Familienmitgliedern Krankheitssymptome aufgetreten sind. Außerdem sollen die Erzieher darauf achten, dass Personen, die die Kita betreten, sich unverzüglich die Hände waschen und desinfizieren. "Nicht geklärt ist, wo das passieren soll", so Dibbert. Er kritisiert, dass das "in den Waschbereichen der Kinder oder auf den Personaltoiletten nicht im Sinne der eigentlich erklärten Hygieneziele" wäre. Es seien scheinbar keine Vorstellungen zu den üblichen Raumaufteilungen einer Kindertagesstätte vorhanden.  "Teilweise würde dies bedeuten, dass Personen die Gruppenräume durchqueren müssten", so Wittstocks Pressesprecher. Der Stadt erschließt sich auch nicht, warum bei geschlossenen Kindergruppen die Handkontaktflächen wie Türklinken, Fenstergriffe, Fußböden oder Tischoberflächen mehrmals täglich gereinigt werden sollen. Dibbert: "Die Kitas werden regelmäßig von Drittanbietern gereinigt, wenn alle Kinder die Einrichtung verlassen haben."

Große Probleme gibtes auch in Fehrbellin

Fehrbellins Bürgermeister Mathias Perschall (SPD) bezeichnete die Änderungen bei der Kitabetreuung in der letzten Eindämmungsverordnung des Landes als katastrophal. "Ein Kind einen Tag pro Woche zu betreuen, ist nichts Gutes für die Eltern, die Kinder und das Personal", sagte er.

Zudem sei auch inzwischen eine sehr hohe Auslastung erreicht. "Wir sind insgesamt bei  43 Prozent." In den einzelnen Einrichtungen läge die Quote zwischen 40 und 50 Prozent. "Das ist schon keine Notbetreuung mehr. Aber das Land weigert sich, den Regelbetrieb anzuerkennen."⇥zig

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