Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Baugeschichte
Auf dem Klostergelände in Kyritz stand einst eine Burg

Ulrike Gawande / 18.07.2020, 02:15 Uhr - Aktualisiert 18.07.2020, 19:15
Kyritz (MOZ) Im Klosterviertel in Kyritz befindet sich aktuell vermutlich die historisch interessanteste und finanziell aufwändigste Baustelle in Ostprignitz-Ruppin. Auf dem Gelände des einstigen Franziskanerklosters, das 1303 erstmals erwähnt wurde und im Mittelalter zu den bedeutendsten Anlagen in der Mark zählte, soll bis 2025 ein Kulturstandort mit Stadtmuseum, Bibliothek und Archiv entstehen.

Jahrelang war um das Projekt gestritten worden, 2018 begann die Stadt mit den Arbeiten im Nordwesten der Altstadt. Als ursprüngliche Bausumme waren mehr als acht Millionen Euro angesetzt. Doch dabei wird es vermutlich nicht bleiben. "Zur Höhe der Gesamtkosten kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden", erklärt Stadtsprecherin Doreen Wolf. Aktuell werde die Kostenschätzung überarbeitet, weil es Kostensteigerungen durch Mehrleistungen, die auf Grund von Baumängeln nötig wurden, gegeben hat. Außerdem seien die Preise für Bauleistungen insgesamt gestiegen. "Dies wird Thema im nächsten Bauausschuss Ende August sein", so Wolf.

Führung für Kyritzer

Doch bevor ein Bagger seine Schaufel ansetzen kann, sind erst einmal die Archäologen gefragt. Damit auch die Einwohner erleben können, wie die Arbeiten auf der Baustelle verlaufen, fand jüngst eine Führung über das Gelände statt, angeführt von den Archäologen Olaf Brauer und Hartmut Lettow. Das Interesse der Kyritzer war riesig. Mehr als 40 Teilnehmer, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden, hatten sich angemeldet, um sich die Funde auf dem Gelände, auf dem zwischenzeitlich sogar eine Autowerkstatt, eine Tankstelle und eine Wäscherei stand, zeigen zu lassen.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts sei der Boden im Klosterviertel, der sogenannte Laufhorizont, noch rund 1,3 Meter tiefer gewesen, berichtete Hartmut Lettow. Damals gab es auch noch keine Stadtmauer, sondern stattdessen einen "mächtigen Hügel, einen Erdwall", so der Fachmann. "Bei der Anlage des Klosters ist er abplaniert und die Erde auf die gesamte Fläche verteilt worden." Bei der Verlegung von Leitungen sei nun der Boden untersucht worden und dabei wurden Reste einer Urbebauung gefunden, die somit vor den Klosterbauten dort gestanden hat. Diese bauhistorischen Funde ließen darauf schließen, dass den Mönchen ein Gebiet zugewiesen wurde, das zuvor anderweitig genutzt wurde, so Hartmut Lettow. Er geht von einem Vogteihof oder sogar einer Burganlage aus.

Die Archäologen Olaf Brauer und Hartmut Lettow zeigten 40 interessierten Kyritzern die Funde auf dem ehemaligen Klostergelände, wo früher eine Burg gestanden haben soll.
Bilderstrecke

Führung im Klosterviertel in Kyritz

Bilderstrecke öffnen

So wurden mehrere Reste von Brennöfen auf der Fläche zwischen dem sogenannten Klausurflügel des Klosters, in den später das Museum einziehen soll, und der alten Brennerei, die künftig die Bibliothek beherbergen soll, gefunden. Diese stammen aus der Zeit vor der Einebnung des Erdwalls. Lettow schätzt sie auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Den Kyritzern erklärte er, dass in dieser Zeit hauptsächlich mit Feldsteinen gebaut wurde. Lediglich die sensiblen Bereiche der Gebäude wie Fenster oder Türen seien mit Backsteinen errichtet worden. Und diese Ziegel wurden früher direkt auf dem Gelände gebrannt, vermutet der Archäologe. Nicht nur Brennöfen für Ziegel habe man bei den baubegleitenden archäologischen Arbeiten entdeckt, sondern auch die Reste eines Backhauses, so Lettow. Dies lasse darauf schließen, dass vor Ort nicht nur produziert wurde, sondern auch Leben stattfand. So geht der Archäologe davon aus, dass auf dem späteren Klosterareal der Wohn- und Arbeitsplatz einer Baugilde war, die damals von Ort zu Ort zogen.

Heute dokumentieren die Archäologen die Funde, fertigen Zeichnungen an und wenn beim Bau die Flächen benötigt werden, werden sie zurückgebaut. Auch die verschiedenen Aus- und Rückbaustufen des Klausurflügels des ehemaligen Klosters werden so festgehalten. So sind trotz tiefgründiger Abbrucharbeiten im 18. Jahrhundert, noch immer Feldsteine aus der ersten und zweiten Bauphase des Klosters zu finden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG