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Rudern
Stark am Skull

Multitalent: Hanna Döring testete sich schon in der Leichtathletik und beim Schwimmen. Am meisten begeistert jedoch die Mannschaftssportart Rudern.
Multitalent: Hanna Döring testete sich schon in der Leichtathletik und beim Schwimmen. Am meisten begeistert jedoch die Mannschaftssportart Rudern. © Foto: Matthias Haack
Matthias Haack / 01.08.2020, 06:00 Uhr
Alt Ruppin (moz) Leichtathletik hat sie kurz getestet. Schwimmen auch, etwas länger. Beides fiel allerdings auf Dauer durch bei Hanna Döring. Ihr Herz schlägt ganz klar fürs Rudern. In drei Jahren Zugehörigkeit zum Verein am Nordzipfel des Ruppiner Sees verfeinerte das Trainerteam des Alt Ruppiner Ruderclubs (ARC) um Dirk Räth die Technik des Multitalents so sehr, dass nun der nächste Schritt folgt.

Die immens wichtige Ausdauer bringt Hanna Döring mit, einen bärenstarken Willen ebenso. Die Karriere könnte im Olympia-Sieg münden, setzt sich die Zwölfjährige gleich das höchste aller Ziele. In welcher Bootsklasse in 8, 12 oder 16 Jahren Gold errudert werden soll? Sie setzt ein schüchternes Lächeln auf: "Völlig egal."

Dass Hanna so weit nach vorn blickt und Optimismus vorlebt, liegt auch an ihren Genen. Ihr Vater besuchte die Sportschule in Jena, Spezialgebiet Leichtathletik. Aus der Familie stammt Jürgen Bertow. Da klingelt was beim Namen Bertow? Genau, jener Bertow, der 1974  mit Joachim Dreifke, Götz Draeger und Rüdiger Reiche auf dem Rotsee bei Luzern Weltmeister wurde. Zwei Jahre darauf legte Bertow bei den Olympischen Spielen in Montreal mit Hans-Ulrich Schmied als Dritter an. "Woher Hanna ihr Talent hat, das scheint klar", gesteht Nicole Döring. Die Mutter der jungen Ruderin schmunzelt und ergänzt: "Von mir nicht."

Die Dörings wohnen in Neustadt (Dosse), eine Stadt ohne Wassersportverein. Es ging für die Sportbegeisterte als Grundschülerin also zunächst nach Kyritz. Bei Trainer Mario Brandstätter bekam sie bei der SG Elektronik das Einmaleins des Rudersports beigebracht. Doch die Arbeit zwischen Verein und ihr schlief mehr und mehr ein. "Vor drei Jahren rief ich dann beim ARC an", erinnert sich Nicole Döring. "Denn unsere Tochter wollte unbedingt weiter rudern." Aber eben mit einer höheren Schlagzahl, also intensiver als bislang.

Das extreme Tagespensum mit dem Wohnort, der Arbeit der Eltern und der Schule zu managen, erforderte viel Eigeninitiative auch von der damals Neunjährigen. Sie kennt das aber. "Seit der ersten Klasse steht sie morgens allein auf und macht sich fertig. Das läuft", lobt ihre Mutter, deren Arbeitsort lange Zeit Cottbus war. Zweimal pro Woche ging es fortan für Hanna erst mit Fahrrad, dann mit Bus und Bahn zum Training nach Alt Ruppin. Abgeholt wurde sie von den Eltern. "Respekt", sagt Dirk Räth. "Diese An- und Abreise aus Neustadt, das sind schon echte logistische Herausforderungen."

Ihre sportliche Heimat fand Hanna wie von den Eltern erhofft im Alt Ruppiner Club und sportlich im Vierer. Er qualifizierte sich im vorigen Jahr für den Bundeswettbewerb (BW), das ist inoffiziell die Deutsche Meisterschaft der Jugendlichen. Alina Kniesche, Tabea Buchholz und Hanna Döring sowie eine aus Rüdersdorf ausgeliehene Ruderin wurden Zweite. Diese nationale Bühne nutzen Trainer von Leistungszentren oft, um die Besten an die Sportschulen zu lotsen. Räth: "Ganz klar, der Prozess wurde durch den BW für Hanna beschleunigt." Hannas Stärken: Der Wille, der Biss, die Athletik von Kopf bis Fuß. ARC-Coach Räth erwähnt noch einen gewaltigen Vorteil seines Schützlings: "Sie gibt im Training 100 Prozent, im Wettkampf legt sie noch eine Kohle drauf. Und an ihren Schwächen arbeiten wir ja schon eine Weile." Welche das sind? Beim Start fehlt die Konzentration, und "rudertechnisch hat sie extrem stark an sich gearbeitet". Inzwischen ist Hanna eine der wenigen, die einen so genannten Luftschlag können, ohne die Stabilität des Boots zu gefährden, lobt der Coach. Das Ganze wird im Einer getestet, mit dem sie in diesem Jahr mehr als gewollt vorlieb nehmen musste. Lieber sitzt sie im Zweier, am "liebsten mit Alina. Ich mag das, diesen Teamgeist", sagt sie. Und Rudern ist ja eine Outdoor-Sportart. "Draußen sein, das finde ich gut."

Nur reicht das Training auf dem Wasser ihr bei weitem nicht. "Abends bin ich noch auf dem Ergometer zu Hause", gesteht sie auf Nachfrage. "Jeden Abend", ergänzt ihre Mutter. Das können sicherlich auch mal nur zehn Minuten sein, im Normalfall ist es jedoch doppelt so lange, manchmal auch eine halbe Stunde. Schuften für diesen Moment des Glücks, wenn es im Wettkampf rückwärts sitzend durchs Ziel geht und möglichst alle Gegner sieht.

Weitere Talente ausdem Ruppiner Land

Neben Pepe Pfaffe ist Hanna Döring die Zweite aus Ruppin, die zum neuen Schuljahr an die Sportschule nach Potsdam wechselt. Ein Talent aus Rüdersdorf komplettiert das brandenburgische Trio, das in der siebten Klasse beginnen wird. Hannas männlicher Kollege ist beim Neuruppiner Ruderclub eingeschrieben (wir berichteten), sie beim ARC. Dieser Verein am Ruppiner See brachte schon einmal ein Talent zum Spitzenclub: Sebastian Mager. Das ist 18 Jahre her. Kurios: Auch damals nahm ein NRC-Talent Anlauf in Potsdam. Lisa Maelz.MIt Stella Bleich hat der Kreis eine herausragende Ruderin auf internationaler Ebene am Start. Die 23-Jährige gehört zum Junioren-Nationalteam und hat ihre Wurzeln in Kyritz.⇥maha

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