Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein bisschen Frieden

Zündender Einfall: Annett Glöckner wählte an historischem Ort die Europa-Idee als gedankliches Fundament für die Kunstbank.
Zündender Einfall: Annett Glöckner wählte an historischem Ort die Europa-Idee als gedankliches Fundament für die Kunstbank. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 27.04.2015, 20:55 Uhr
Scharfenberg (MZV) Europa ist eine Göttin, Europa ist ein Erdteil, Europa ist mittlerweile aber auch ein Synonym für das vielleicht größte Friedensprojekt der Menschheitsgeschichte. Zwei Weltkriege mussten überwunden werden, ehe die Nationen des europäischen Kontinents zu einer politischen, wirtschaftlichen und trotz einzelner Konflikte auch gesellschaftlichen Union zusammengekommen sind.

Die zwölfte Kunstbank der Stiftung des Kreises Ostprignitz-Ruppin ist der europäischen Idee gewidmet: Der Ort, an dem die unübersehbare Sitzgelegenheit steht, ist Scharfenberg - jene Erhebung, an der 1636 bei einer der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges Tausende von Soldaten starben.

Auf die Idee der Europa-Bank kam Annett Glöckner. Die Künstlerin aus Bantikow hatte erst mit dem Gedanken gespielt, die kriegerische Vergangenheit des Ortes über ihr Werk zum Ausdruck kommen zu lassen. Diese Überlegung hat sie aber zu Gunsten der in die Zukunft blickenden, friedlichen Europa-Idee verworfen: "Europa - sich zusammensetzen - reden - singen - schweigen" steht auf der drei Meter hohen Rückenlehne.

Den Eichenstamm hat Glöckner von Andreas Dorfstecher aus Rosenwinkel, der auch die Lehne in Form gebracht und mit der Grundfarbe versehen hat. Glöckner musste noch die Worte hinzufügen. Das war durchaus anstrengend. Die Arbeiten mussten draußen vonstatten gehen, erinnert sich die Künstlerin. Es war kalt und oft nass, die Hände, die in mühsamer Kleinarbeit die einzelnen Buchstaben in den harten Eichenstamm ritzten, schnell steif. Glöckner zog sich immer wieder ins Auto zurück, um die Finger aufzuwärmen und in den Beweglichkeitsmodus zu bringen, dann ging es weiter - bis zu einer erneut nötigen Pause.

Dass die Europa-Idee der Grundpfeiler für die Scharfenberg'sche Kunstbank wurde, hat auch damit zu tun, dass sich Annett Glöckner kurz zuvor bei einer Veranstaltung in Berlin mit Politikern und Künstlern wiederfand, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso teilnahmen. Barroso habe, so erinnert sie sich, in einem einprägsamen Satz angemerkt: "Viele stehen zur Europa-Idee - aber die wenigsten wissen davon." Auch dieses Erlebnis floss in das Projekt mit ein.

Mit der Kunstbank in Scharfenberg ist die Reihe fast komplett. In Radensleben soll die dreizehnte und letzte aufgestellt werden. Bereits jetzt wird laut Initiatorin Cornelia Lambriev-Soost an einem Flyer gearbeitet. Alle 13Kunstbänke im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sollen da als eine Tour dargestellt werden, die die Einwohner und Touristen dazu animiert, alle Kunstbänke aufzusuchen - von Horst bei Heiligengrabe bis Hakenberg bei Fehrbellin. Schließlich ist das regionale Künstler fördernde und vernetzende Projekt der Kreisstiftung kein Selbstzweck: "Die Kunstbänke sollen dazu animieren, auf Entdeckungstour zu gehen durch unsere tolle Landschaft und den Landkreis Ostprignitz-Ruppin", sagte Karsten Teuffert von der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, die die Stiftungsarbeit übernommen hat.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG