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MTV Freyenstein provoziert Spielabbruch

Eingehakt zu Boden gegangen: Rheinsbergs Kevin Benske (in Blau) kämpfte hier im Zweikampf mit Mano Dräger, der MTV-Torwart half als Feldspieler aus, um den Ball.
Eingehakt zu Boden gegangen: Rheinsbergs Kevin Benske (in Blau) kämpfte hier im Zweikampf mit Mano Dräger, der MTV-Torwart half als Feldspieler aus, um den Ball. © Foto: MZV/Matthias Haack
Gunnar Reblin / 24.08.2015, 20:21 Uhr
Rheinsberg (MZV) Mit einem kuriosen Spielabbruch begann die Saison 2015/2016 im Fußballkreis Prignitz/Ruppin. In der ersten Hauptrunde des Kreispokal-Wettbewerbs stellten die Kicker des MTV Freyenstein beim Gastspiel in Rheinsberg kurz nach Beginn der Verlängerung den Spielbetrieb ein. Der Grund: zu viele Verletzte. Schiedsrichter Kristof Richard Gräbel (SV Union Neuruppin) blieb nichts anderes übrig, als die Partie abzubrechen.

Ungläubige Blicke, Stirnrunzeln und Verärgerung - der herbeigeführte Spielabbruch der Freyensteiner ist ein Fall für die Geschichtsbücher.

Was war passiert? Freyenstein führte lange Zeit durch ein Tor von Tobias Becker (18.) mit 1:0. In der dreiminütigen Nachspielzeit bekam Rheinsberg - beide Teams sind auch in der Liga (1. Kreisklasse) Konkurrenten - noch einmal in Form einer Ecke die Chance, auszugleichen. Die Blau-Weißen nutzten diese und kamen per Kopfball von Dirk Hofmeister zum 1:1-Ausgleich. "Zuvor war das Tor für uns wie vernagelt", so Trainer Mike Kutzner, der sein Team nach dem frühen Gegentor per Konter fortlaufend wild anrennend sah.

Es gab Verlängerung. Kaum hatte Schiri Gräbel angepfiffen, schnappte sich Rheinsbergs Nico Bamberg die Kugel, lief Richtung MTV-Tor, während die Gäste, sichtlich frustriert und völlig demotiviert nach dem späten Ausgleich zuvor, nur Begleitschutz gaben. Tor. 2:1. "Die Freyensteiner waren ja stehend K.o. Da ging gar nichts mehr. Ich glaube, sie hatten einfach keine Lust mehr auf weitere 30 Minuten Spielzeit", so die Eindrücke von Rheinsbergs Coach Kutzner.

Zu einem weiteren Anstoß kam es anschließend auch nicht mehr. Kurz nach dem Treffer suchten die Gäste das Gespräch mit Referee Gräbel. "Sie haben darum gebeten, die Partie abzubrechen, weil sie zu viele Verletzte hätten", erklärte der 24-jährige Schiri auf Nachfrage. "Und da keine spielfähige Mannschaft mehr auf dem Platz stand, musste ich das Spiel vorzeitig beenden." Freyenstein konnte nicht mehr das Minimum von sieben Akteuren aufbieten. "So etwas habe ich in der Form auch noch nicht erlebt. Das war schon kurios", so Gräbel, der seit 2009 der Schiedsrichter-Gilde angehört.

Denn nach einem akuten Fall gleichzeitig auftretender Verletzungssymptomen sah es beileibe nicht aus. Laut den Rheinsbergern führten eher Frust und Lustlosigkeit zum Abbruch. "Uns wurde auch beiläufig erzählt, dass einige schnell weg müssen, berufs- und studienbedingt", rief diese Aktion bei Rheinsbergs Mike Kutzner nur Kopfschütteln hervor. "Ich war überhaupt nicht glücklich damit. Wir wollten die Partie schließlich vernünftig zu Ende bringen. Und ich bin mir auch sicher, dass wir als Sieger vom Platz gegangen wären." Sein Team sah er ohnehin als verdienten Sieger.

Beim MTV Freyenstein hatte am Sonntag Oliver Grell das Sagen. Er war am Montag jedoch nicht zu erreichen, weil er wegen eines Bandscheibenvorfalls auf dem OP-Tisch lag. Der 27-Jährige zählte bis zum Sommer noch zum Spielerkader, ist aufgrund der Verletzung aber erst einmal in die Rolle des Co-Trainers geschlüpft. Cheftrainer Karsten Berlin war nicht vor Ort. "Ich muss mich auch erst mal informieren, was da los war. Ich bin nicht im Bilde", ließ er verlauten.

Dass sein Kader sehr eng gestrickt ist, weiß er. "In der Sommerpause haben wir hin- und herüberlegt. Sogar das Thema Abmeldung kam auf den Tisch. Doch wir wollten es nochmal probieren. Aber uns steht eine sehr schwierige Saison bevor", so Berlin. Dass zwei Studenten im Kader am Sonntag stets wieder zu ihren Studienorten (Rostock, Berlin) reisen, bestätigte der Coach. Der MTV reiste trotz Personalnot an - immerhin trennen beide Ort knapp 60 Kilometer. Torhüter Mano Dräger musste gar als Feldspieler aushelfen.

Nach dem Abbruch steht der FSV Blau-Weiß Rheinsberg so gut wie sicher in der zweiten Pokalrunde. Das Sportgericht des Fußballkreises nimmt die endgültige Wertung der Partie vor. "Da ist die Sachlage ziemlich eindeutig", so Björn Krasnowski, Vorsitzender des Sportgerichts Prignitz/Ruppin. Um eine größere Geldstrafe nach dem herbeigeführten Spielabbruch kommen die Freyensteiner aber laut seiner Aussage herum. "Die Partie wurde ja ausgetragen. Verletzungsbedingt war eine Fortsetzung nicht möglich. Die Freyensteiner müssen somit lediglich die Urteilsgebühr tragen", so Krasnowski.

In der zweiten Pokalrunde treffen die Rheinsberger nun auf Eintracht Alt Ruppin. Für Coach Mike Kutzner ein Wiedersehen mit seinem Ex-Verein.

Einen eventuellen Spielabbruch vermieden haben die Kicker des FC Dossow. Sie sagten am Sonntag ihr Heimspiel gegen die SG Sieversdorf zwei Stunden vor dem Anpfiff gleich ganz ab. Mannschaftskapitän Dennis Brandt klärte auf Nachfrage auf: "Wir haben bis zuletzt versucht, genügend Leute zusammen zu bekommen. Aber es hat nicht gereicht. Viele konnten berufsbedingt nicht." Der 31-Jährige gab aber auch offen zu: "An der Zuverlässigkeit hapert es bei dem einen oder anderen." Auf dem Papier liest sich der Dossower Kader zwar üppig, "doch an den Wochenenden sieht es meistens eher mau aus". Brandt und seine Mitspieler hängen den Pokalwettbewerb ohnehin nicht zu hoch. "Der Ligabetrieb ist wichtiger", so Brandt, der das offensive Schwungrad im Dossower Team ist.

Laut Björn Krasnowski, Vorsitzender des Sportgerichtes im Fußballkreis Prignitz/Ruppin, zieht vorbehaltlich des offizinellen Urteils in diesem Fall die SG Sieversdorf in die nächste Pokalrunde ein. Wegen Nicht-antritts muss der FC Dossow 100 Euro Strafe zahlen. "Dazu kommen die Urteilsgebühren", fügte Krasnowski hinzu.

In Dossow hat man sich mit der drohenden Strafe schon auseinandergesetzt. "Wir sammeln innerhalb der Mannschaft und begleichen die Strafe", gab Brandt die interne Absprache preis.

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