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Medienecho
Schüler sorgt mit Petition deutschlandweit für Schlagzeilen

Überzeugungsarbeit in der Stadt: Der Zwölftklässler des Neuruppiner Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasiums und Initiatior der Petition, Daniel Nottle, verlässt sich nicht darauf, dass online genügend Unterschriften zusammenkommen, und sammelt selbst vor Ort.
Überzeugungsarbeit in der Stadt: Der Zwölftklässler des Neuruppiner Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasiums und Initiatior der Petition, Daniel Nottle, verlässt sich nicht darauf, dass online genügend Unterschriften zusammenkommen, und sammelt selbst vor Ort. © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 02.05.2018, 18:11 Uhr - Aktualisiert 04.05.2018, 12:24
Neuruppin (MOZ) Für seine Forderung, Unterrichtsausfall auf dem Zeugnis zu vermerken, hat der Neuruppiner Schinkelgymnasiast Daniel Nottle deutschlandweit viel Zuspruch erhalten. Der bisherige Höhepunkt kam, als er sich gerade auf seine Englisch-Abiturprüfung vorbereiten musste.

Es gehe nicht darum, die eigenen Leistungen als Schüler zu entschuldigen, stellt Nottle in seiner Petition und auch im persönlichen Gespräch klar. Genauso wenig sollten sich Lehrer von seiner Forderung angegriffen fühlen. Diese besagt ganz simpel, dass der Unterrichtsausfall, der im  Laufe eine Schuljahres anfällt, auch auf dem Zeugnis vermerkt werden sollte. Dafür hat Nottle eine Petition gestartet und sammelt Unterschriften. Ziel der Aktion, die derzeit schon 1 836 Unterstützer gefunden hat – darunter 771 Stimmen aus Brandenburg – ist es, die Politik dazu zu bringen, sich eingehend mit der Problematik zu befassen.

Bevor die Diskussion geführt werden kann, braucht es laut Nottle verlässliche Daten. Dort sieht der Abiturient nämlich großen Handlungsbedarf. „Wir benötigen zuerst einmal eine ordentliche Definition von Unterrichtsausfall, die auch aussagekräftig ist“, sagt er. „Diese sollte sein, dass Unterricht nur dann als erteilt gilt, wenn der Fachlehrer da ist.“ Aktuell sieht das jedoch ganz anders aus.  Als ausgefallen zählen Stunden etwa dann nicht, wenn die Schüler eine Still-aufgabe bekommen haben, aber die gesamte Stunde über allein im Raum sind. „Auch wenn Vertretungslehrer da sind, die gar nicht wissen, wo die Klasse steht, und daher nicht weitermachen können im Stoff, ist das eigentlich kein richtiger Unterricht“, beklagt der 18-Jährige.

Vor einigen Jahren hatte sich auch Nottle noch über ausgefallene Stunden gefreut, berichtet er. Aber in der Oberstufe wurde der Druck durch das nahende Abitur immer stärker. Und somit machten sich ausgefallene Stunden stärker bemerkbar. Daher wollte er eine Petition beim Bundestag einreichen. Dort aber wurde einfach darauf verwiesen, dass Bildungspolitik Ländersache ist. Also startete Nottle auf der Plattform www.openpetition.de seine Aktion, die zuerst einmal für Brandenburg auf den Handlungsbedarf hinweisen soll.

Doch die Reaktionen kamen nicht nur aus dem eigenen Bundesland. Innerhalb weniger Tage hatte Nottle auch Anfragen vom Spiegel sowie von Fernseh- und Radiosendern. Und die Unterstützer meldeten sich ebenfalls aus dem gesamten Bundesgebiet. Das hilft zwar nicht direkt für das Anliegen, da für die Petition nur die Stimmen aus Brandenburg zählen. Das positive Echo zeigt aber, dass Nottle mit seiner Forderung einen Nerv getroffen hat. Das große Aufsehen um seine Forderung sieht der Zwölftklässler dabei durchaus als hilfreich. „Ich hätte nie erwartet, dass wir innerhalb einer Woche 1 500 Unterschriften zusammenbekommen. Das ging alles genau einen Tag los, bevor ich mein Englisch-Abitur geschrieben habe.“ Sein Abitur wird Nottle noch etwas beschäftigen. Am Freitag ist die Biologieprüfung an der Reihe. Am 16. Mai steht die mündliche und damit letzte Prüfung an. Danach möchte sich Nottle verstärkt der Petition widmen. Dabei ist er längst nicht mehr allein. „Ich habe jetzt auch schon andere Schüler gefunden, die ebenfalls mithelfen möchten“, sagt er. Denn nicht nur auf der Webseite werden die Stimmen gesammelt. Immer wieder gilt es auch, auf die Straße zu gehen, um Menschen im direkten Gespräch von der Petition zu überzeugen. Dieses Anliegen ist Nottle sogar so viel Arbeit wert, dass er überlegt, nach dem Abitur einen Verein zu gründen, der entsprechend der Forderung der Petition bundesweit für Veränderungen eintritt.

Zuspruch hat Nottle nicht nur von Schülern bekommen. Auch mancher Lehrer habe sich hinter das Anliegen gestellt. Denn letztlich geht es ja darum, die personelle Ausstattung an Schulen zu verbessern, damit weniger Unterricht ausfällt. Sogar einen kurzfristigen Effekt hat Nottle schon beobachtet – an der eigenen Schule. „Seit wir mit der Petition angefangen haben, sind weniger Stunden ausgefallen.“ Doch ohne zusätzliches Personal sei das nur von kurzer Dauer, wenn nämlich die anwesenden Lehrer mehr machen müssten und dadurch langfristig wieder der Krankenstand steigt. Auch von der Gewerkschaft hat der Abiturient schon positive Reaktionen erhalten.

Einzig aus der Politik gab es noch keine echte Antwort. Doch genau diese soll durch die Petition erzwungen werden, die noch bis Mitte Juni läuft. Zu finden ist sie im Netz auf www.openpetition.de/!uaz.

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