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Fußball
Einfach irre

Das Tor zum Klassenerhalt: In der Nachspielzeit hechtete sich Jens Schmidt in eine Flanke von der rechten Lindower Angriffsseite und traf zum 5:4. Die Freude an der Eckfahne war riesig. Kurz darauf fiel aber der Ausgleich zum 5:5.
Das Tor zum Klassenerhalt: In der Nachspielzeit hechtete sich Jens Schmidt in eine Flanke von der rechten Lindower Angriffsseite und traf zum 5:4. Die Freude an der Eckfahne war riesig. Kurz darauf fiel aber der Ausgleich zum 5:5. © Foto: MZV/Matthias Haack
Matthias Haack / 17.06.2018, 20:53 Uhr - Aktualisiert 19.06.2018, 11:15
Lindow (MZV) Mit solch einem Fußballspiel wie das am Sonnabend zwischen Grün-Weiß Lindow und Wittenberge/Breese hatten sich ganz selten Mannschaften aus dem Punktspielbetrieb verabschiedet. Es sah nach von beiden Seiten fade geführten 78 Minuten nach einem deutlichen Sieg für die Gäste aus. Sie führten 4:1. Doch es fielen noch fünf Tore.

Dass Lindow unbedingt einen Punkt, möglichst sogar drei benötigte, um die Klasse zu halten, war dem Auftritt nicht anzusehen. Spielertrainer Jens Schmidt: "Man hat deutlich gesehen, dass einige mit dem Druck Schwierigkeiten haben."

Dabei hätte die erste Halbzeit mit einem 6:2 enden können - so das klare Chancenverhältnis pro Gastgeber. Lavdrim Dauti und Mostafa Babakhani jedoch schluderten mit ihren Möglichkeiten in den ersten 20 Minuten. Stattdessen zeigten sich die Gäste effektiver, obwohl sie die Hälfte ihrer Stammmannschaft wegen einer Hochzeit nicht an Bord hatten. Dazu zählte auch Keeper Martin Marx, für den Jan Mensch zwischen die Pfosten rückte. Tobias Bober bestrafte einen schweren Fehler im Spielaufbau mit dem 0:1. Als dann auch noch Alexander Helzel mit einem Sonntagsschuss aus 20 Metern in den Winkel erhöhte (51.), bahnte sich der Abstieg der Heimelf an.

Immer wieder stand der überragende Keeper Domminic Rauch im Fokus. Weit vor dem eigenen Tor stehend fing er die langen Bälle ab oder fischte im Fünfmeterraum alles weg, sofern Wittenberge durchgebrochen oder sich einen Standard erarbeitet hatte - das kam sehr häufig vor. Das Lebenslicht der Grün-Weißen war zwar nicht völlig erloschen, nur fehlte der Sauerstoff zum Auflodern. Ganz kurz kam ein Stößchen in die Glut, als der am langen Pfosten lauernde Lavdrim Dauti in einen Freistoßball sprang und als einer der kleinsten Spieler per Kopf auf 1:2 verkürzte (68.). "Aber dann bekommst du wie so oft in dieser Saison umgehend das Gegentor", bedauerte der Lindower Torjäger. Bober ließ auf seinem Slalom auf der Lindower Strafraumlinie drei, vier, fünf Gegner stehen und schlenzte das Leder herrlich in den Knick (71.). Beinahe wäre es Minuten später zur Kopie gekommen. Nur klatschte der Ball ans Lindower Dreieck.

Wittenberge hat aber den körperlich immens starken Sebastian Metschulat in seinen Reihen. Der Modellathlet, bereits zwölf Saisontore, schüttelte bei einem packenden Alleingang alle Gegner ab und vollendete zum 1:4 (77.).

Dass damit der Start zu einer fulminanten Schlussphase gelegt war, ahnte niemand. Ihren Anteil daran hatten auch die Gäste: Zum einen wähnten sie Grün-Weiß "tot", zum anderen ließ sich einer nach dem eigenen Treffer zu einer Bemerkung hinreißen. Der Schiri Damian Jacobs (Glienicke) zückte Rot gegen Michael Poorten. Und unter den nimmermüden Anfeuerungen von Norbert Hinkelmann an der Seite und seinen trefflichen Einwechslungen schwang sich Lindow zu einer Sensation auf.

Jens Schmidt beendete seine Torflaute (79.) mit dem 2:4. Allrounder Mischa Behre (80.) und Robert Jahncke (86.) netzten gegen die jetzt erheblich ins Schwimmen kommende Wittenberger Defensive ein. Ausgleich. Die 100 Zuschauer rieben sich die Augen, weil beinahe alle acht Tore wie aus dem Nichts gefallen waren, ohne Spielzüge.

Mit Treffer Nummer acht war das Minimalziel eines Zählers erreicht. Aber Lindow wollte mehr. Bekam mehr. Mit einem herrlichen Flugkopfball wuchtete Schmidt, der zur neuen Saison Trainer wird, das Leder aus sechs Metern Torentfernung ins Wittenberger Netz. Heftigst jubelten die Fans. Es lief bereits die Nachspielzeit. Einen Angriff hatten die dezimierten Gäste noch. Und den nutzten sie: Hatte sich Ausnahmespieler Hans-Michael Haase über 92 Minuten ein Privatduell mit Rauch geliefert, das der Lindower deutlich mit mindestens 6:0 für sich entschied, so waren sich Manuel Brzozowski und sein Schlussmann in der letzten Aktion dieser Partie nicht einig. Haase lief zwischen die Beiden und köpfte den hohen Ball zum 5:5 ein. Abpfiff.

Die Wittenberger nahmen den finalen Weg zu den Duschen - die Lindower saßen im Trauerkreis auf ihrem Rasen. Reicht der eine Punkt oder eben nicht? Sieben Minuten Hoffen, Zittern und Bangen überbrachte Co-Trainer Fritz Kähler die erlösende Nachricht. "Meyenburg hat 1:4 verloren. Wir sind gerettet."

Dass das Pokalfinale am kommenden Freitag, 19 Uhr in Wustrau gegen Union Neuruppin, das letzte Pflichtspiel sein wird, kündigten ein Quartett an: Chris Krüger und Philipp Wolff wechseln zum Kreismeister Eintracht Alt Ruppin. Dominic Rauch und Manuel Brzozowski beenden jetzt ihre Ausbildung in Lindow und orientieren sich beruflich neu.

Lindow: Rauch - Pahl (66. Haupt), Brzozowski, Filarski, Babakhani, Schmidt, Dauti, Krüger, Wiese (66. Jahncke), Hinkelmann, Retzlaff (79. Behre)

Wittenberge: Mensch - Dieckhoff, Christoph Poorten, Haase, Metschulat, Michael Poorten, Petraschek (35. Dabirifard), Nitsche, Witte (46.Cudjoe), Helzel, Bober

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