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Kreuzgewölbe
Restaurierung bringt Geheimnisse der Kirche zum Vorschein

Jürgen Rammelt / 07.07.2018, 12:01 Uhr
Rheinsberg Wer gegenwärtig einen Blick in die Rheinsberger Kirche werfen möchte, der wird mehr oder weniger enttäuscht sein. Weil das erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnte Gotteshaus in den nächsten zwei Jahren umfangreich restauriert wird, ist es nur eingeschränkt geöffnet. So ist der Altarraum, der auch die frühere Saalkirche bildete, vom Kirchenschiff mit seinen Sitzbänken und der Empore mit den beiden Orgeln im Moment durch eine Plane getrennt.

Wie Thomas Theloke berichtet, haben im Altarraum im April die Restaurierungsarbeiten begonnen. Der Rheinsberger, der in den vergangenen Jahren dafür gesorgt hatte, dass die Kirche über den Sommer besichtigt werden konnte und der die Besucher mit der Geschichte des Gotteshauses vertraut machte, fungiert  derzeit als ehrenamtlicher Bauleiter. Gemeinsam mit Lothar Schulz vom Gemeindekirchenrat verfolgt und betreut er die Arbeiten.

Mit der Restaurierung des Jahrhunderte alten Gotteshauses steht die evangelische Kirchengemeinde als Bauherr vor einer großen Herausforderung: Zwei Jahre sind für die Arbeiten veranschlagt. Insgesamt soll die Restaurierung des historischen und denkmalgeschützten Gebäudes 381 000 Euro kosten. Möglich wurde die Sanierung, weil 285 000 Euro aus dem so genannten Leader-Programm bereitgestellt wurden. Allerdings bleibt immer noch ein Betrag von 96 000 Euro übrig, den die Kirchengemeinde aus Eigenmitteln aufbringen muss.

Das größte Problem ist, dass während der Sanierung und Restaurierung die Kirche weiterhin genutzt werden soll. Aus diesem Grund wurde der Altarraum, in dem die Arbeiten inzwischen begonnen haben, vom übrigen Kirchenschiff mit einer provisorischen Wand  abgetrennt. Doch nicht nur das. Dieser Teil der Kirche wurde vollkommen bis unter das Gewölbe eingerüstet.  Außerdem wurden die Epitaphen und der Altar eingehüllt, um zu verhindern, dass sie beschädigt werden und noch mehr verschmutzen.

Was die Restaurierung betrifft,  hat sich die Gemeinde eine Menge vorgenommen. So wurde in den zurückliegenden Wochen der zu DDR-Zeiten an den Wänden aufgebrachte Latexanstrich aufwändig entfernt. Abgerissen wurde auch ein alter Schornstein, der früher für das Funktionieren der Schwerkraftheizung notwendig war.  Außerdem wurde der Fußboden der Sakristei aufgenommen, unter dem eine historische Pflasterschicht aus unbehauenen Feldsteinen zum Vorschein kam. Diese sollen auch nach der Sanierung sichtbar bleiben.

Laut Theloke wird das gesamte Vorhaben vom Ingenieurbüro für Baustatistik und Sanierungsplanung (IBS) in Berlin-Hoppegarten fachlich begleitet. „Die Ausschreibung der Gewerke ist abgeschlossen und die Aufträge sind vergeben.“ Da bei einer Finanzierung aus dem Leader-Programm der jeweils kostengünstigste Anbieter genommen werden musste, bekamen Firmen aus Bad Wilsnack, Wusterhausen und Prenzlau den Zuschlag. Lediglich was die Restaurierungsarbeiten betrifft, wurde eine Gemeinschaft unter Leitung der Diplom-Restauratorin Sandra Bothe aus Rheinsberg mit dem Auftrag betraut.

Inzwischen haben die Restauratorinnen mit ihrer Arbeit im Altarraum begonnen. Bereits bei früheren Voruntersuchungen machten Sandra Bothe und deren Mitarbeiterinnen eine interessante Entdeckung. Sowohl an den Wänden, als auch an den Kapitellen und Leibungen der Fenster stießen sie auf Farbschichten, die eine grau-weiße Quadermalerei erkennen ließen. Diese Fassungen aus der Renaissance-Zeit werden jetzt in akribischer Feinarbeit freigelegt.

Doch nicht nur das. Beim Abriss des alten Schornsteins wurden Farbschichten  gefunden, die noch älter sind. Allerdings machen diese vermutlich 500 bis 600 Jahre alten Malereien die Restaurierung nicht einfacher. Es gilt nunmehr zu überlegen und zu entscheiden, was mit den entdeckten Malereien im Weiteren passieren soll.

Thomas Theloke, der durch das Studium der Chroniken „seine Kirche“ wie kaum ein anderer kennt möchte, dass das Gotteshaus möglichst wieder sein ursprüngliches Aussehen erhält. Immerhin ist die 1250 erstmals urkundlich erwähnte Kirche eines der ältesten sakralen Bauwerke im Land Brandenburg. Laut Theloke wurde sie viermal durch Brände zerstört und danach wieder aufgebaut.

„Der letzte Brand, bei dem die damalige Saalkirche zerstört wurde, war 1566“, weiß Theloke zu berichten. Unter Achim von Bredow wurde sie wieder aufgebaut und 1568 geweiht, wie auf der erhaltenen Weihefliese über dem Altar zu lesen ist. Als 1740 der große Stadtbrand tobte, blieb das Gotteshaus neben nur einigen wenigen Häusern verschont.

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