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Geflügel
Rassezüchter feiern Jubiläum

Stolz: Mit 90 Jahren gehört der Geflügelzuchtverein Flecken Zechlin zu den ältesten Zuchtvereinen in der Region. Dass auch mehrere Kinder und Jugendliche Mitglied sind, hat ebenfalls Seltenheitswert.
Stolz: Mit 90 Jahren gehört der Geflügelzuchtverein Flecken Zechlin zu den ältesten Zuchtvereinen in der Region. Dass auch mehrere Kinder und Jugendliche Mitglied sind, hat ebenfalls Seltenheitswert. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 05.12.2018, 17:06 Uhr - Aktualisiert 06.12.2018, 14:12
Flecken Zechlin (Freier Autor) Wenn jemand seinen 90. Geburtstag feiern darf, dann hat er ein stattliches Alter erreicht. Das ist auch dem Rassegeflügel-Züchterverein in Flecken Zechlin gelungen, der am 15. Dezember im Rahmen seiner alljährlichen Vereinsschau mit den Mitgliedern und Freunden das runde Jubiläum begehen möchte.

Gegründet wurde der Verein am 1. Juli 1928. Einer der Mitbegründer war Hermann Krüger aus Flecken Zechlin. Obwohl es nicht einfach war, ausreichend Futter zu bekommen, widmeten sich die Flecken Zechliner  hauptsächlich der Zucht von Rassegeflügel. Wie Mario Wehrbein (53), der heutige Vorsitzende, erklärt, ging es seinerzeit darum, für den eigenen Kochtopf Hühner, Enten, Gänse, aber auch Tauben zu halten und zu züchten.

Im Jahr 1955 trat dann der Kreisverband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter an den damaligen Vorsitzenden Paul Engel heran und schlug ihm die Gründung einer Sparte „Kleintierzüchter“ vor. Das hatte den Vorteil, dass die Mitglieder aus Flecken Zechlin einen Teil ihres Futterbedarfs kostengünstig über den Kreis beziehen konnten. Dem damals gewählten Vorstand gehörten Paul Engel, als Vorsitzender, Hermann Krüger als zweiter Vorsitzender sowie Helmut Vohs als Schriftführer und Kurt Weiprecht  als Kassierer an.

In der Folgezeit gab es immer wieder Veränderungen im Vorstand. So übernahm Paul Engel bereits im Folgejahr das Amt des Kassierers, Hans Salzwedel wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, und Schriftwart wurde Erich Mahnke. Die Mitgliederzahl stieg damals  sprunghaft an. Aber auch die Aufgaben der Sparte wurden immer umfangreicher. Vor allem der verordnete „sozialistische Wettbewerb“, die Beteiligung an Ausstellungen und das Streben nach guten Zuchtergebnissen erforderten das Engagement aller Mitglieder. Kopfzerbrechen bereitete den Züchtern die erste eigene Ausstellung, die 1967 in Flecken Zechlin stattfinden sollte. Besonders die Organisation von Preisrichtern, die Beschaffung von Käfigen und anderer Ausstattung erwies sich als schwierig. Auch Sponsoren waren schwer zu finden, wie in alten Protokollen nachzulesen ist. Doch nach der ersten Schau folgten dank der aktiven Arbeit der Züchter weitere  Veranstaltungen.

Nachdem 1975 der Zuchtfreund Herbert Wehrbein das Amt des 1ersten Vorsitzenden übernommen hatte, entwickelte sich die Rassegeflügelzucht immer weiter. Die Mitglieder qualifizierten sich durch den Besuch von Fachvorträgen und besichtigten Ausstellungen von Nachbarvereinen in Dorf Zechlin, Rheinsberg, Mirow und anderen Orten. In mühevoller Kleinarbeit wurden eigene Ausstellungskäfige gebaut, die dann auch an andere Sparten des Kreisverbandes verliehen werden konnten. „Was die züchterische Arbeit betraf, stand  die Gesundheit der Tiere immer  an erster Stelle“, berichtet Mario Wehrbein, der heutige Vorsitzende. Dazu gehörte auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Tierärzten aus der Umgebung. In den 1980er-Jahren gab Herbert Wehrbein für vier Jahre den Vorsitz ab, den Siegfried Rönnebeck in dieser Zeit ausfüllte. 1990 kam dann die Wende, und aus der Sparte wurde wieder ein Verein, der sich unter den neuen Bedingungen bemühte, die züchterische Arbeit fortzusetzen.

Doch die neue Zeit brachte auch einige Veränderungen und Schwierigkeiten mit sich, was zur Folge hatte, dass einige Zuchtfreunde dem Verein den Rücken kehrten. 1992 hatte Hartmut Winkelmann den Vorsitz übernommen, um den Verein am Leben zu erhalten. Inzwischen waren sogar die Tierzahlen so weit gesunken, dass eigene Ausstellungen nicht mehr möglich waren. Vier Jahre später war die Krise überwunden. Gemeinsam mit dem Kleinzierzuchtverein Dorf Zechlin konnte 1996 eine Gemeinschaftsschau auf die Beine gestellt werden. Im selben Jahr übernahm Mario Wehrbein den Vorsitz und aktivierte das Vereinsleben. Mit dem 82-jährigem  Klaus Bredow,  Ortwin und Inge Wehrbein sowie Eckhard und Elsa Wehrbein, den Urgesteinen des Vereins, und Uwe Braun und Hartmut Winkelmann hat der Flecken Zechliner zuverlässige Mitstreiter.

Heute gehören dem Verein 13 erwachsene Mitglieder und drei Jugendliche an. Die jüngsten Züchter sind Felix Dziamski (9) sowie Florian (15) und Vanessa (14)  Wehrbein. Neben der eigenen Vereinsschau stellen die Flecken Zechliner Züchter auch auf anderen Ausstellungen ihre schönsten Tauben sowie großen und kleinen Rassehühner aus. Auch auf dem Zühlener Viehmarkt sind die Tauben- und Hühnerzüchter seit Jahren vertreten.

Zu den besonderen Veranstaltungen mit denen Mario, Eckhard und Ortwin Wehrbein, Klaus Bredow, Hartmut Winkelmann und Uwe Braun für Furore sorgen, gehören die Wettbewerbe im Wettkrähen ihrer Hähne. Dabei zählt eine Jury akribisch, wie viele Male der eine oder andere Hahn in einer festgelegten Zeit seinen Morgenruf erklingen lässt. Wer dieses Spektakel, das meist um den 1. Juni herum in der Vereinsgaststätte „Ruppiner Heide“ in Alt Lutterow und auch auf dem Viehmarkt stattfindet, erleben will, muss früh aufstehen. Bereits ab 6 Uhr morgens beginnt der 100-minütige Wettbewerb, bei dem die Züchter regelrecht mitfiebern, welche ihrer Hähne sich besonders in Höchstform präsentieren.

Zuchtvereine

■ Kleintierzuchtvereine wollen nicht nur seltene Tierarten züchten, sie setzen sich auch für den Tierschutz ein und bekämpfen Tierseuchen. Die einzelnen Vereine haben sich teilweise in Kreis- oder Landesverbänden organisiert. In der ehemaligen DDR waren Kleintierzüchter innerhalb der Massenorganisation des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) organisiert.

■ In der Nachkriegszeit stand die häusliche Nahrungsgewinnung im Mittelpunkt der Vereine. Heute widmen sie sich der Beratung und Aufklärung über wissenschaftliche Erkenntnisse zum Tierschutz, zu Zucht, Krankheiten und Seuchen von Kleintieren wie Geflügel oder Hasen. ⇥(bk)

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