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Erfolg
Ungewöhnlicher Doppelsieg beim Vorlesewettbewerb

Judith Melzer-Voigt / 06.12.2018, 16:57 Uhr
Neuruppin (MOZ) Aufgeregt muss niemand sein: Egal, wie sehr sich Andrea Plagemann, die Leiterin der Neuruppiner Stadtbibliothek, bemühte, diese Botschaft zu verbreiten – die Sechstklässler vor ihr waren am Mittwochmorgen gar nicht entspannt. Die Mädchen und Jungen nahmen am Vorlesewettbewerb teil.

Es galt, den besten Vorleser Neuruppins zu ermitteln. Die zwölf Mädchen und zwei Jungen der sechsten Klassen, die dabei waren, hatten sich in ihren jeweiligen Schulen bereits durchgesetzt. Sieben solcher Einrichtungen gibt es laut Andrea Plagemann im Stadtgebiet, die jeweils zwei Besten kamen am Mittwoch in die Bibliothek.

Zuerst konnten die Teilnehmer ein eigenes Lesestück vortragen, dann mussten sie einen fremden Text lesen. Das Füßescharren hörte schlagartig auf, als die erste Vorleserin, Leonie Schramm aus der Grundschule Gildenhall, ihren Platz vor dem Publikum einnahm. Sie stellte ihr Lieblingsbuch „Jakob heimatlos“ vor. Darin geht es um einen Elfjährigen, der von zu Hause ausgerissen ist und sich nun in Berlin auf der Straße durchschlägt. Zeile um Zeile fuhr Leonie ihren Text nach und stockte nur sehr selten. Die Jury, bestehend aus Andrea Plagemann, Gudrun Gericke aus der Bibliothek und Alexandra Christ, Leiterin der Jugendkunstschule, machte sich eifrig Notizen.

Lilly Marlene Käding hatte sich einen echten Klassiker ausgesucht: Die Schülerin der Grundschule Gildenhall trug „Tom Sawyer“ vor. Leise, fast zaghaft, aber mit sehr guter Betonung las sie daraus vor, bevor Mia Sophie Zieten, Schülerin der Gentz-Grundschule, die Bühne betrat. Sie hatte sich ein Pferdebuch namens „Tessa“ ausgesucht. Mit einer fast schon professionellen Einführung, einem lockeren Vortrag und einer Leseempfehlung für die Zuhörer wollte sie die Jury überzeugen. Lia Lenz von der Gentz-Grundschule hatte sich ebenfalls ein Pferdebuch ausgesucht: „Ostwind“. Sie verriet dem Publikum auch gleich noch, wie ihre Lesestelle in die Geschichte einzuordnen ist.

Ein ganz anderes Genre hat es Maya Glaswinkler angetan. Die Montessori-Schülerin trug aus der Fantasie-Liebesgeschichte „Khaos“ vor. „Es war das erste Buch, das mich gefesselt hat“, sagte sie und las eine besonders dramatische Stelle, in der es um Tod und Liebe ging. Charlot Meyer hat ihr Lieblingsbuch von ihrer Tante und ihrem Onkel geschenkt bekommen: „Die unendliche Geschichte“. Erst wirkte die Montessori-Schülerin noch schüchtern. Doch beim Lesen des Märchens von Bastian und der kindlichen Kaiserin taute sie auf, wurde selbstsicher.

„Liliane Susewind“ handelt von einer Safari in Afrika, auf der etwas Schreckliches geschieht. Lilly Kittler von der Grundschule Alt Ruppin hat sich dieses Buches angenommen. Noch einmal „Ostwind“ hat es Luise Andrehs aus der gleichen Grundschule angetan. Sehr gut betont erzählte sie die Geschichte eines Ausrittes mit dramatischen Folgen.

Madita Schmidt aus der Liebknecht-Grundschule wird von „Secret Elements“, der Geschichte einer jungen Frau und eines geheimnisvollen Amuletts, in den Bann gezogen. Jette Ohst hatte sich „Lotta-Leben“ ausgesucht. „Ich mag es, weil es wie ein Comic geschrieben ist“, erklärte sie. Merle Röhnert von der Evangelischen Grundschule präsentierte die Geschichte des Katers „Winston“, der den Körper mit einem Mädchen tauscht und allerlei Abenteuer erlebt. Mitschülerin Sina Marie Blumenschein hatte sich für „Graf Koriander“ entschieden und stellte ein Rezept daraus vor, in dem unter anderem Popel, ein benutztes Taschentuch und klares Wasser zum Einsatz kamen.

Schließlich waren auch die beiden Jungen in der Gruppe an der Reihe, beide aus der Rosa-Luxemburg-Grundschule. Justus Wernicke brachte seine Zuhörer bei der Vorstellung von „Die unglaublichen Untaten des Bermuda-Dreiecks“ ordentlich zum Lachen. In dem Buch gründet ein Junge, der 63 eingebildete Krankheiten hat, einen Ein-Mann-Detektivclub. Mitschüler Fin Arnold hatte sich „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ ausgesucht. Ein Briefträger mit einem Hirntumor geht darin einen folgenschweren Handel mit dem Teufel ein.

Nach der Vorstellung zog sich die Jury erst einmal zurück. „Das wird schwer“, sagte Andrea Plagemann und erntete Kopfnicken von ihren Mitstreiterinnen. Anschließend lasen die Kinder noch aus einem unbekannten Werk: „Winston. Im Auftrag der Ölsardine“. Gegen Mittag standen die Sieger fest: Maya Glaswinkler und Merle Röhnert hatten die gleiche Punktzahl und vertreten die Stadt im Februar 2019 beim Kreisausscheid.

Die Bücher im Überblick

Die Neuruppiner Sechstklässler haben am Mittwochvormittag einen ganz unterschiedlichen Geschmack in Sachen Bücher offenbart:

■ „Jakob heimatlos“ von Benno Pludra

■ „Tom Sawyer“ von Mark Twain

■ „Tessa“ von Nicola Karlsson

■ „Ostwind“-Reihe von Lea Schmidbauer und anderen Autoren

■ „Khaos“ von Lin Rina

■ „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende

■ „Liliane Susewind“ von Tanya Stewner

■ „Secret Elements“ von Johanna Danninger

■ „Lotta-Leben“ von Alice Pantermüller

■ „Winston. In geheimer Mission“ von Frauke Scheunemann

■ „Graf Koriander“ von Andrea Schütze

■ „Die unglaublichen Untaten des Bermuda-Dreiecks“ von Kari Erlhoff

■ „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ von  Genki Kawamura ⇥(jvo)

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