Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Debattenkultur
Kontroversen sachlich und freundlich

Setzt auf Dialog: Christiane Schulz.
Setzt auf Dialog: Christiane Schulz. © Foto: Siegmar Trenkler
Christian Schönberg / 18.12.2018, 17:56 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Im Grunde genommen erscheint die Gesellschaft friedlich und zufrieden. In sozialen Netzwerken ergibt sich oft ein anderes Bild: ein Argumentationsfeld zwischen Lügen, Verständnislosigkeit, Beleidigungen und Hass.

Im Ruppiner Land wird derzeit versucht, dagegen vorzugehen. „Kommt, lasst uns reden“ heißt das Projekt. Es hat schon mehrere Treffen gegeben – eher halb­öffentlich. Die Teilnehmer sind per Mail angeschrieben oder persönlich angesprochen worden. Dann wurde auf das Schneeball-System gesetzt: Der eine informiert den nächsten über das Angebot und dieser wieder andere.

Bislang hat es laut Christiane Schulz und Otto Wynen vom Verein Esta Ruppin mehrere Gesprächsrunden gegeben, so in Neuruppin auf dem Bauspielplatz, aber auch in Linum, Rheinsberg oder Fehrbellin. Bisweilen gab es nur sieben Teilnehmer, im größten Fall aber auch 18 bis 20.

Wichtig sei dabei die gleiche Augenhöhe aller Anwesenden. Es gehe nicht ums Belehren, sondern darum, einander zuzuhören, betont Christiane Schulz: Der Ton gerade in sozialen Netzwerken sei rauer geworden, die Kommunikation geprägt von vielen Anfeindungen. „Da war es uns wichtig, Menschen zusammenzubringen, die sonst nicht miteinander reden würden“, so Schulz. Dabei wurde festgestellt, dass viele schon den Graben mitdenken, bevor der oder die andere angehört worden ist, „was ja schon sehr kurios ist“, so Schulz.

Wynen sieht deshalb auch die Hauptaufgabe darin, „Brücken über große gesellschaftliche Kluften hinweg aufzubauen“. Auslöser solcher Kluften sei wohl die Flüchtlingskrise gewesen. „Aber das ist es ja nicht allein“, so Wynen. Auch niedrige Renten, fehlende Wohnungen und damit steigende Mieten führten zur frei nach außen getragenen Verbitterung und Abgrenzung.

Selbst außerhalb der sozialen Netzwerke war das zu spüren. Wynen erinnert an die Demonstrationen auf dem Schulplatz, die oft mit Gegenveranstaltungen verbunden waren. Einer der Initiatoren von „Neuruppin bleibt bunt“, Martin Osinski, hatte erst jüngst bei der Agus von einer Umkehr der Kommunikation gesprochen, weil nur „aneinander vorbeigeschrien“ worden sei (RA berichtete). Auch Wynen will, das mit den neuen Gesprächsangeboten „diese Situation überwunden“ wird.

Wie wirkungsvoll das am Ende ist, muss sich zeigen. Zumindest ist es schon gelungen, Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenzubringen. Wynen erinnerte an einen Dialog auf dem Bauspielplatz, bei dem ein Teilnehmer in seinen Augen „konfuse, rassistische Dinge geäußert“, aber dabei einen „freundlichen Ton“ gewahrt habe. „Das ist dann auch mal ganz spannend“, findet er – gerade weil man diesen sachlich-ruhigen Ton in solchen Situationen so noch nicht gekannt hat. „Die Gespräche sind schon von spürbarer Wertschätzung getragen“, sagt er.

Für Christiane Schulz ist das auch keine Überraschung: Denn trotz grundsätzlich verschiedener Ansichten werden manche Grundwerte gemeinsam geteilt, was aber eben erst in solchen Gesprächen zum Tragen kommt – zum Beispiel, wenn es um die Ablehnung autoritärer Strukturen geht.

Auch deshalb wird im kommenden Jahr an dem Projekt „Kommt, lasst uns reden“ festgehalten – auch wenn die Förderung durch das vom Bundesfamilienministerium mitfinanzierte Programm „Demokratie lebten – OPR“ ausläuft. Schließlich geht es laut Schulz auch darum, in Zeiten des sich Verbergens in sozialen Netzwerken einen Anschub für solche Dialoge zu schaffen und „Mut zu machen, so etwas selbst zu organisieren und sich zu verständigen“.

Wer Interesse an der Teilnahme an den Gesprächen hat, meldet sich bei Christiane Schulz, c.schulz@estaruppin.de.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG