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Neuer Anstrich
Grüner stört sich an grüner Fassade

Nicht jedermanns Sache: Der neue, große Farbtupfer an der Heinrich-Rau-Straße.
Nicht jedermanns Sache: Der neue, große Farbtupfer an der Heinrich-Rau-Straße. © Foto: MOZ/Christian Schönberg
Christian Schönberg / 10.01.2019, 11:15 Uhr - Aktualisiert 10.01.2019, 12:40
Neuruppin (MOZ) Die Farbwahl für den Anstrich des Kreis-Sozialamtes an der Neuruppiner Heinrich-Rau-Straße hat sich als umstritten erwiesen.

„Augenkrebs“ bekomme er davon, kritisierte beim vorigen Kreistag das bündnisgrüne Fraktionsmitglied Kay Noeske-Heisinger. Die Rede ist vom neuen Anstrich am Kreisverwaltungsgebäude an der Neuruppiner Heinrich-Rau-Straße, in dem unter anderem das Sozialamt seinen Sitz hat. Pistaziengrün soll es sein, manche Farbmittelhersteller verkaufen es aber auch als „frühlingsgrün“. „Wer hat diese Farbe dort zugelassen?“, fragte Noeske-Heisinger sichtlich ungehalten – und wurde auf eine schriftliche Antwort vertröstet.

Der RA hat sie jetzt bekommen: Der Grünton hat seinen Grund darin, dass es im Logo des Landkreises vorhanden ist. Dieses Erkennungszeichen zeigt den dunkelgrünen, pinselartig gezogenen Schriftzug „Landkreis OPR“ und einen Kartenumriss der Kreisgrenze. Ausgefüllt ist dieser Umriss mit: pistaziengrün.

Das Logo hatte sich der Kreis 2012 zugelegt. Das war verbunden mit dem Ziel, sich künftig mit einem Corporate Design präsentieren zu können – ähnlich wie es die Telekom mit Magenta oder die Deutsche Post mit Gelb tut. „Die Verwaltungsleitung hat für den Anstrich die Farbfestlegungen des Corporate Designs gewählt“, so Kreis-Sprecherin Britta Avantario.

Vor knapp sieben Jahren also kam es indirekt schon zur Farbwahl. Damals hatte sich eine fünfköpfige Jury mit elf eingesandten Entwürfen fürs neue Logo zu befassen. Gewonnen hatte dann die Magdeburgerin Agnetha Knochenhauer. Medienzentrums-Leiterin Karin Kloke, Wittstocks Ex-Museumschef Wolfgang Dost und Kultur-Attaché Cornelia Lambriev-Soost saßen mit in der Jury.

Als Vertreter der Politik war 2012 der damalige Kreistagsvorsitzende Sven Deter mit dabei: „Die Entscheidung war damals ziemlich einhellig“, erinnert er sich. Es sei sich auf diese Form mit dem Schriftzug, der Karte und dem Punkt für die Kreisstadt verständigt worden. „Die Farbe spielte damals aber eine eher untergeordnete Rolle“, so Deter. Schließlich war damals auch noch nicht abzusehen, dass sie einmal die Außenwände eines riesigen Verwaltungsgebäudes zieren sollte.

Laut Britta Avantario sei die farbenfrohe Gestaltung auch deshalb zum Tragen gekommen, weil die städtische Wohnungsgesellschaft ihre Fassaden an der Raustraße ebenso mit kräftigeren Farbtönen aufgepeppt hatte. Die Fassade des Verwaltungsgebäudes war zuvor als „verblichen“ anzusehen – zwischen steingrau und sandfarben. Seit Mitte der 1990er-Jahre war die Fassade laut Avantario nicht mehr aufgefrischt worden. Zudem wirke der neue Anstrich „der Algenbildung entgegen“.

CDU-Kreisfraktionschef Sebastian Steineke erkennt hingegen durchaus Mängel in der Abstimmung, was die Nachbarschaft betrifft. Denn der Eigentümer des daneben stehenden Hauses sei nicht in die Farbwahl miteinbezogen worden. „Er muss aber bei einem eigenen Anstrich nun damit klar kommen, dass er seine Farbe im Abstimmung zu dem Grün wählen muss“, so Steineke, dessen Regionalbüro in Nachbarschaft zur Kreisverwaltung liegt. Es sei vielleicht nicht gesetzlich verpflichtend, aber vielleicht hilfreich gewesen, sich mit dem Nachbarn abzustimmen, findet er.

„Mehrfach“ sei an ihn aber herangetragen worden, dass das Grün „ein Fehlgriff“ ist, sagt Steineke. Zudem sei Spezialfarbe immer teurer als zum Beispiel ein einfaches Weiß. „Und ich hab’ bislang noch keinen gefunden, der das schön gefunden hat“, sagt er.

Laut Landkreis haben die Malerarbeiten an den Außenwänden mit 55 000 Euro zu Buche geschlagen Sie waren verbunden mit der gesamten Fassaden-Erneuerung, bei der auch Mängel und erhebliche Schäden beseitigt werden konnten.  Insgesamt waren dafür mehr als 100 000 Euro ausgegeben worden, was auch im Haushaltsentwurf, den der Kreistag abgesegnet hatte, enthalten war.

Immerhin: Bei der Farbgebung des neuen Gebäudes, das an der Neustädter Straße errichtet wird (RA berichtete), werden nun auch Kreistagsmitglieder einbezogen. Das Zugeständnis des Kreises deutet darauf hin, dass dieses Haus wohl doch eher nicht im Corporate Design angemalt wird – zumal daneben auch das Klinkergebäude in seinem auffälligen Rot stehenbleibt.

Das Grün an der Raustraße wird aber bleiben. Immerhin wird sich jeder Gecko freuen, den es einmal ins Ruppiner Land verschlagen sollte. Er kann sich auf der Außenwand des Kreis-Sozialamtes jetzt ungestört einen grün schimmernden Apfel schmecken lassen – ohne dass er wunderbar getarnt zur Kenntnis genommen wird.

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