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Gedenken
Wunsch nach Stolpersteinen für die Prinzenstadt

Viel unterwegs: Gunter Demnig hat mehr als 70 000 Stolpersteine verlegt, die  an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.  Er soll auch nach Rheinsberg kommen.
Viel unterwegs: Gunter Demnig hat mehr als 70 000 Stolpersteine verlegt, die  an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.  Er soll auch nach Rheinsberg kommen. © Foto: Harry Härtel
Brian Kehnscherper / 05.02.2019, 18:28 Uhr - Aktualisiert 06.02.2019, 10:38
Rheinsberg (MOZ) Bislang erinnert wenig an jene Rheinsberger, die einst Opfer des Nationalsozialismus wurden. Rheinsbergs neuer Pfarrer Christoph Römhild und der Leiter des Tucholskymuseums, Dr. Peter Böthig, wollen daran etwas ändern und Stolpersteine in der Stadt verlegen lassen.

Ausgangspunkt für das Vorhaben war laut Römhild ein Gottesdienst, bei dem an die Opfer der Pogrome vom 9. November 1938 erinnert worden ist. Dabei stellte Böthig auch jüdische Mitbürger aus Rheinsberg vor, die seinerzeit verschleppt worden waren. Schnell waren sich beide einig: „Wir müssen auch in Rheinsberg eine Gedenkkultur haben.“

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Messingplatten, die mit dem Namen der Menschen versehen sind, die von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden. Die 96 mal 96 Millimeter großen Tafeln werden auf einem Pflasterstein angebracht und in der Regel vor den Gebäuden in den Boden gesetzt, in denen sie zuletzt gelebt hatten. Die Idee geht auf den Künstler Gunter Demnig zurück, der seit  1992 in ganz Europa mehr als 70 000 Stolpersteine verlegt hat. Denning versucht dabei, stets selbst vor Ort zu sein. Auch in Neuruppin, Lindow, Fehrbellin, Kyritz und Wittstock hat er bereits die Messingplatten in den Boden gesetzt.

Die Daten von den Nazis verfolgten Personen recherchieren in der Regel Akteure aus den jeweiligen Orten. Böthig hatte 2005 ein Buch über jüdische Einwohner in Rheinsberg herausgegeben und steht somit bereits im Thema. Frühere Versuche, Stolpersteine nach Rheinsberg zu holen waren aber am organisatorischen Aufwand gescheitert. Nun gibt es einen erneuten Anlauf.

Wie viele Stolpersteine in Rheinsberg verlegt werden können ist noch nicht klar. Römhild vermutet, dass es bis zu zehn werden könnten. In dem von Böthig herausgegebenen Buch „Juden in Rheinsberg“ zeichnen die Autoren in sechs Darstellungen und elf biografischen Skizzen die Schicksale jüdischer Einwohner nach, die sich für kürzere oder längerer Zeit in Rheinsberg niederließen. Zwei Beiträge widmen sich den jüdischen Gemeinden in Lindow und Neuruppin. Bei der weiteren Recherche soll auch der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg eingebunden werden. Für die Finanzierung der Stolpersteine möchten Römhild und Böthig Spenden sammeln. Ein Stein kostet laut Römhild 95 Euro. Außerdem benötigen die Initiatoren die Zustimmung des städtischen Bauamts sowie der Grundstückseigentümer, vor deren Häusern die Steine verlegt werden sollen.

Der Geistliche hofft dass die Steine  noch vor der Landtagswahl verlegt werden können. Im Hinblick auf den erstarkenden Rechtspopulismus möchte er ein Zeichen setzen und der schrecklichen Taten mahnen, die vor mehr als sieben Jahrzehnten von Deutschen ausgingen.

Stolpersteine

■ Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Gunter Demnig hat sie in 24 europäischen Ländern verlegt.

■ Der erste Stolperstein wurde am 16. Dezember 1992 vor dem Kölner Rathaus gesetzt. Er ist beschriftet mit dem Deportationsbefehl von Heinrich Himmler.

■ Im Oktober 2018 verlegte Demnig in Frankfurt am Main den 70 000. Stein.

■ Der Text der Tafel beginnt in der Regel mit „Hier wohnte …“. Es folgen der Name, das Geburtsjahr und häufig  Deportationsjahr und Todesort.⇥(bk)

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