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Mitgliederschwund
Kreisbrandmeister fürchtet um Zukunft der Feuerwehren

Einsatzreiches Jahr: 243 Brand-Notrufe bedeuteten für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin 20 Prozent mehr als im üblichen Jahresmittel. Unter anderem musste zu einem Waldfeuer bei Altfriesack ausgerückt werden.
Einsatzreiches Jahr: 243 Brand-Notrufe bedeuteten für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin 20 Prozent mehr als im üblichen Jahresmittel. Unter anderem musste zu einem Waldfeuer bei Altfriesack ausgerückt werden. © Foto: MOZ/Christian Schönberg
Christian Schönberg / 15.02.2019, 13:15 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Nach Einschätzungen von Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald werden die Feuerwehren bei bestehendem Mitgliederschwund 2029 kaum noch einsatzfähig sein. 2018 haben die Einheiten des Landkreises insgesamt 50 Aktive verloren.

„Zehn weitere Jahre – und die Feuerwehren werden ihre Aufgaben, so wie sie es heute tun, nicht mehr erfüllen können“, sagte er. Hohenwald begrüßte diesbezüglich Landes-Vorhaben, die Aktiven mit Sonder- und Jubiläumsprämien finanzielle Zuwendungen zu geben. Das Geld werde angesichts einer 50-jährigen Mitgliedschaft und vielen Übungs- und Einsatzstunden nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Hohenwald hätte sich gefreut, wenn die Feuerwehr-Rente durchgesetzt worden wäre: „Aber das Interesse bei jungen Leuten für eine spätere Rente ist nicht so da“, so der Kreisbrandmeister. Die Betroffenen wollten zeitnah die Zuwendungen.

Der Mitgliederschwund ist durchaus unterschiedlich. So verlor die Feuerwehr in Kyritz mit 18 Mitgliedern fast jeden fünften Aktiven – und das nur im Jahr 2018. Dort gibt es noch 0,85 einsatzbereite Feuerwehrleute pro 100 Einwohner. Damit ist die Hansestadt aber nicht Letzter: In Neuruppin sind 236 Aktive und damit nur 0,76 Prozent als Aktive in der Feuerwehr dabei. „Ist das nicht ein bisschen peinlich?“, fragte sich Hohenwald da.

Spitzenreiter ist die Gemeinde Fehrbellin. Dort gibt es in 13 Einheiten 267 Aktive – immerhin 3,0 pro 100 Köpfe. Die höchste Feuerwehrdichte gibt es immer noch im Amt Temnitz. Mit 199 Männern und Frauen sind 3,78 Prozent der Einwohner in den zehn bestehenden Temnitzer Einheiten einsatzbereit. Vorn dabei ist auch Rheinsberg: 227 Aktive bedeuten 3,41 Prozent der Einwohnerschaft.

Zu tun gab es für die Feuerwehren genug. Der Dürresommer forderte unter anderem 243 Brandeinsätze. Zudem ging es mehr als 700-mal  zu technischen Hilfeleistungen hinaus, meist waren es Verkehrsunfälle. Wichtig: Fast 100 Menschen sind von den Feuerwehrleuten aus einem Gefahrenbereich gerettet worden.

Das gelingt auch wegen der guten Ausbildung. So haben sich 625 Aktive im Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Kyritz weiterbilden lassen. „Und das machen sie zusätzlich zu ihren Einsatz- und Ausbildungsstunden, die sie bei ihren eigenen Einheiten leisten“, betont der FTZ-Leiter Ralf Leppin. Die Zusatzausbildung erfolgt immer an Sonnabenden. 64 Kameraden nutzten aber auch zum Teil mehrwöchige Zusatzkurse an der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), um sich für die Führungsaufgaben innerhalb der Wehren zu empfehlen.

Gezählt wird dabei auch 2019 auf die Heißeinsatzübung mit dem Brandmobil, das voriges Jahr von  128 Kameraden zur Brandrettungsübung genutzt wurde. Nun soll der einzelne Aktive auch zweimal das Training durchlaufen können.

Mitglieder in den Feuerwehren

■ Ostprignitz-Ruppin (gesamt):

1776 (– 50 im Vergleich zu 2017)

■ Stadt Neuruppin: 236 (±0)

Stadt Wittstock: 236 (–1)

Stadt Rheinsberg: 227 (–14)

Stadt Kyritz: 80 (–18)

Amt Neustadt: 159 (+2)

Amt Temnitz: 199 (–14)

Gde. Fehrbellin: 267 (–6)

Gde. Heiligengrabe: 193 (+8)

Gde. Wusterhausen: 108 (–4)

■ 2005 lag die Zahl der aktiven Feuerwehrleute in OPR noch bei 2 958, 2009 noch bei 2 628 und 2015 bei 1 876. ⇥(crs)

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