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Urteil am Amtsgericht
Kinderpornos verbreitet – Bewährungsstrafe

Symbolbild: Ein Ermittler im Bereich Kinderpornografie geht an Aktenordner mit der Aufschrift «Kinderpornografie» vorbei.
Symbolbild: Ein Ermittler im Bereich Kinderpornografie geht an Aktenordner mit der Aufschrift «Kinderpornografie» vorbei. © Foto: dpa
Markus Kluge / 20.02.2019, 11:00 Uhr
Neuruppin (MOZ) Weil er sich kinderpornografische Fotos und Filme besorgt, diese via Internet verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht hat, ist am Dienstag ein 37-Jähriger im Neuruppiner Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt worden.

Der bisher unbescholtene Mann bleibt aber auf freiem Fuß. Seine Strafe wird für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der 37-Jährige regelmäßig an Sexualtherapien teilnehmen, bis Experten ihm bescheinigen, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Und er muss seinem Betreuer melden, wenn er dauerhaften Umgang mit Kindern hat.

Der 37-jährige B., der zur Tatzeit in Neustadt wohnte und heute in Oberhavel lebt, räumte alle knapp 100 Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein. Bei zwei Durchsuchungen seiner Wohnung 2015 und 2016 waren Computer, Datenträger und Handys sichergestellt worden, auf denen sich Tausende Bilder sowie Hunderte Filme befanden. Allesamt hatte der Mann im Internet gesammelt und getauscht. Wie die Staatsanwältin schilderte, waren darunter abartigste Darstellungen mit Kleinstkindern.

Laut B., der geistig behindert, aber nicht verhandlungsunfähig ist, hat er die ersten Bilder etwa 2011 im Chat ICQ ungewollt von einem Unbekannten zugeschickt bekommen, der dort nach Tauschpartnern suchte. Obwohl B. online eigentlich nur Frauen kennenlernen wollte, verstrickte er sich mit Alias-Namen wie „Papa81“ ­– weil er selbst Vater werden wollte – auf verschiedenen Plattformen immer mehr in Tauschgeschäfte. Chatprotokolle ließen bei Gericht auch den Verdacht aufkommen, dass B. sich mit minderjährigen Mädchen geschrieben hat, denen er das Heiraten und Kinderkriegen versprochen hat. Zu Treffen oder Übergriffen kam es aber nicht.

Einen Grund für die Taten sah sein Anwalt darin, dass B. im Internet beim Datentausch die Bestätigung fand, die er sonst nur selten erhalte: „Mein Mandant ist sehr leicht beeinfluss- und leicht steuerbar.“ Das habe auch eine Neonazi-Gruppe ausgenutzt, mit der B. einst verkehrte.

Nach der letzten Durchsuchung hat B. bereits Hilfe bei einem Therapeuten in Anspruch genommen, was das Gericht zu seinen Gunsten wertete. Zu seinen Ungunsten sprach, dass er nach der ersten Durchsuchung 2015 nicht aufhörte, Bilder und Filme zu tauschen, und er damit Kinderpornografie befördert hat.

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