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Ausstellung
Laubsägearbeiten im Hangar 312

Judith Melzer-Voigt / 14.03.2019, 07:00 Uhr
Neuruppin (MOZ) Neuruppin. Die Osterpyramide dreht sich, der Fontane-Bogen steht schon, das RB Leipzig-Thermometer liegt bereit: Wie vielfältig Laubsägearbeiten sein können, beweist eine neue Ausstellung im Neuruppiner Hangar 312.

Regine und Lothar Blache haben den Überblick. Das müssen sie auch, denn Kisten und Folien stapeln sich im Hangar. An den Wänden stehen lange Tische, auf denen es leuchtet, aus hunderten von kleinen Birnen. Diese sind an Lichterbögen und auf den verschiedenen Stockwerken von großen und kleinen Pyramiden angebracht. Rund 400 Laubsägearbeiten zeigt das Wittenberger Ehepaar ab Donnerstag und bis Ende März im Hangar 312. Unterstützt wird es dabei vom Verein Neuruppiner Bilderbogen.

In rund 14 Jahren sind die Holzkunstwerke entstanden, die nun in der Fontanestadt zu sehen sind. Lothar Blache weiß noch genau, wie er zu dem Hobby gekommen ist, das mittlerweile ein Lebensinhalt für den 66-Jährigen ist: "Zu DDR-Zeiten waren die normalen Lichterbögen aus dem Erzgebirge Mangelware." Der gelernte Elektromonteur und seine Frau, eine Krankenschwester, waren aber sehr geschickt beim Anfertigen solcher Dekoartikel. Daher gestalteten sie die Bögen kurzerhand selbst, auch für Freunde. Nach einigen Schicksalsschlägen erinnerten sich beide wieder an ihr Hobby: Sie waren mittlerweile schwer krank und Frührentner. "Wir hatten unser kleines Heim, waren beide zu Hause – und was nun?" Lothar Blache schlug seiner Frau vor: "Lass uns doch mal die Zeichnungen von früher raussuchen."

Das Hobby wurde weiter ausgebaut: Längst standen nicht nur Lichterbögen nach Erzgebirge-Vorbild auf dem Programm der beiden. Sie versuchten sich an Gebäuden, Märchen, unterschiedlichen Feiertagen, Fußballvereinen und heimischer Wirtschaft als Themen. Da bekam mal der Friseur von Regine Blache einen Lichterbogen, dann war der Zahnarzt an der Reihe. Das meiste blieb aber in Besitz des Ehepaares. Die Sammlung wuchs und wuchs. "Wir haben alle Arbeiten in Tüten eingepackt und gelagert. Bald war das Lager voll", erinnert sich Lothar Blache. So kam die Idee einer Ausstellung auf. Erste Station war das Rheinsberger Hafenhotel, bevor es nun in den Hangar ging.

An der Arbeitsweise des Paares hat sich in all den Jahren nichts verändert: Hat einer von beiden eine Idee zu einem neuen Projekt, wird diese erst einmal besprochen. Regine Blache zeichnet dann einen Entwurf auf Transparentpapier, der mit Lothar Blache abgestimmt wird, denn er ist der Mann fürs Handwerkliche. Die 69-Jährige bringt ihre Skizze anschließend auf Holz, ihr Mann sägt diese aus und kümmert sich um die Beleuchtung. Stundenlange Arbeit steckt in jedem einzelnen Lichterbogen und in jeder Pyramide.

Auch einige besondere Exemplare werden in den nächsten Wochen im Hangar zu sehen sein: In die 2,65 Meter hohe Wald- und Burgenpyramide haben Blaches insgesamt 700 Arbeitsstunden investiert. Die Osterpyramide besteht komplett aus Sperrholz und ist 1,55 Meter groß. Ein Hingucker ist auch "Omas Puppenstube", ein Häuschen, in dem das Paar sogar für Kaminfeuer gesorgt hat. Die Puppenmöbel hat Regine Blache eigenhändig gepolstert und bezogen.

Eine Fußballecke gibt es in der Ausstellung ebenfalls: Lothar Blache ist großer Fan des Vereins RB Leipzig, mit dem er auch einige schöne Erinnerungen verbindet. Als dieser 2013 in die dritte Bundesliga aufstieg, gestaltete der Wittenberger einen Lichterbogen mit dem Logo des Clubs – und bekam eine Reaktion. Mittlerweile stehen etliche Holzkunstarbeiten der Eheleute in der Zentrale des Vereins, der inzwischen in der ersten Bundesliga angekommen ist. Blaches waren schon oft eingeladen, um Spiele zu besuchen. Lothar Blache hat bereits das nächste Projekt im Kopf, das sich mit seinem Club beschäftigt: eine drei Meter hohe Pyramide, die den Werdegang des Fußballvereins zeigt. "Ich werde dafür aber mindestens ein Jahr brauchen", schätzt er. Auch eine Pyramide, auf der die Märchen der Gebrüder Grimm zu sehen sind, wollen er und seine Frau noch bauen.

Einen Eintritt müssen Besucher der Ausstellung im Hangar, die bis zum 31. März zu sehen ist, nicht zahlen. Allerdings sammeln Blaches Spenden für den Ruppiner Hospizverein, der ein Hospiz in Wittenberge aufbauen möchte. "Wir werden es selber mal brauchen", ist sich der Schwerkranke sicher. Er ist bereit, die Ausstellung Ende März noch genau einmal abzubauen und sie dann – gern an einem Ort für eine Dauerausstellung – wieder aufzubauen.

"Für mehr reichen unsere Kräfte nicht", sagt der 66-Jährige.

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