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Mehr Besucher
Mehr Angebote in der Kyritz-Ruppiner Heide

Siegmar Trenkler / 15.03.2019, 06:31 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Eine freie Heide: Was vor knapp zehn Jahren noch eine Utopie war, ist inzwischen Wirklichkeit. Das Interesse der Menschen an dem riesigen unzerschnittenen Heidegebiet hat seitdem nicht nachgelassen. Tausende sind jedes Jahr auf der Fläche unterwegs – Tendenz steigend.

Wegen der teilweise enormen Munitionsbelastung musste in den Jahren nach 2009, als die Bundeswehr Anfang Juli ihre Pläne für einen Bombenabwurfplatz endgültig aufgegeben hatte, viel passieren, bevor überhaupt erstmals Besucher in die Heide gelassen werden konnten. Doch inzwischen ist die Heide wirklich frei – sofern man auf den entsprechenden Wegen bleibt. Auf der Strecke zwischen Neu­glienicke im Osten und Pfalzheim im Westen gibt es keine Schlagbäume mehr, die Naturliebhabern den Zutritt versperren.

Das schlägt sich auch in den Besucherzahlen nieder. Diese werden zwar nicht umfassend erhoben, weil viele auch auf eigene Faust das Gebiet erkunden, sagt Kreissprecherin Britta Avantario. Dennoch zeige sich ein deutlicher Trend, wissen Olaf Wolff, Andree Kienast und Jürgen Strache. Sie gehören zu den ausgebildeten Naturführern, die Besuchern die größtenteils unberührte Pflanzen- und Tierwelt näherbringen. Strache war dabei schon einer der ersten, die abgesehen von Spezialisten und Mitarbeitern der Bundesforst das Gebiet überhaupt betreten konnte. Mit der Kutsche durfte er schon 2012 Menschen ins Gebiet fahren. "Damals waren es vielleicht 300 pro Jahr. 2017 hatten wir dann schon um die 850 Teilnehmer bei Kutschfahrten", berichtet er. Zusammen mit den Angeboten der anderen Naturführer seien es 2018 rund 4 000 Besucher bei kommerziellen Touren gewesen, schätzt sein Kollege Olaf Wolff. Er bietet Nordic Walking und Gesundheitswandern in der Heide an. Die Touren werden in einen Wanderpass eingetragen. Wer 200 Kilometer zurückgelegt hat, bekommt ein Abzeichen und einen Bonus von der Krankenkasse. "Das ist jetzt ein neues Zugpferd", so Wolff.

Doch neben dem Gesundheitsgedanken ist es vor allem die Natur, die die Besucher in das Gebiet lockt. "Die Heide ist ja nicht nur zur Blütezeit interessant", berichtet Wolff.  Sieben Schutzhütten sorgen dafür, dass Teilnehmer bei schlechtem Wetter nicht wieder ins Auto zurück müssen. Auch die Abgeschiedenheit des unbesiedelten Gebiets rückt als Anreiz für einen Besuch in den Vordergrund – etwa bei den  Sternenwanderungen, die in diesem Jahr vom 2. bis zum 3. sowie vom 16. bis 17. August von Pfalzheim aus stattfinden. Darüber hinaus feiert der Ort 2019 bereits das fünfte Heidefest.

Das erste Angebot des Jahres wird aber die Einweihung des Turmes sein, der aktuell auf dem Sielmannhügel errichtet wird. Innerhalb einer Woche wurden die rund drei Tonnen schweren Holzbauteile aufgestellt und zusammengesetzt. Das Treppenhaus wird später hinzukommen. Dann bietet sich von dort bei gutem Wetter ein zig Kilometer reichender Ausblick. "Der Turm kann einen positiven Effekt bringen, wenn man jetzt in die Heide schauen und dort Tiere beobachten kann, ohne sie zu stören", hofft Strache. Dafür müssten die Wildtränken aber noch mehr ins Sichtfeld des Turmes gerückt werden.

Naturinteressierte machen einen großen Teil der Besucher aus, berichtet Jürgen Strache. "Viele fragen zum Wolf nach, zur Heidepflege, zur Geschichte  und zur Zukunft des Gebiets." Neben Menschen, die Abwechslung zur Lüneburger Heide suchen, seien es oftmals auch Einheimische. "De meisten waren früher selbst in der Freien Heide aktiv und wollen sehen, was sich entwickelt hat." Eine Veränderung zeichne sich aber ab.  Die einzelnen Touristengruppen werden inzwischen kleiner, die Betreuung könne dadurch aber auch individueller gestaltet werden.

Zur Geschichte

■ Die Kyritz-Ruppiner Heide war ursprünglich ein Waldgebiet. Nach 1945 wurde dieses durch Waldbrände, Schädlingsbefall und Abholzungen für Reparationszahlungen stark dezimiert. In den Folgejahren wurde der Wald von der Sowjetarmee, die dort übte und erst 1991 abzog, weiter zurückgedrängt. Danach gab es massive Proteste gegen die Pläne der Bundeswehr, den Übungsplatz weiter zu nutzen. Im Sommer 2011 übernahm die Heinz-Sielmann-Stiftung etwa 4 000 Hektar als Nationales Naturerbe.⇥(zig)

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