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Jubiläum
Jugenddorf und Gut Gnewikow feiert Geburtstag

Stolz aufs neu gestaltete Haus: Thorsten Lindner ist Leiter von Gut und Jugenddorf in Gnewikow. Besucher können dann auch die neu gestalteten Zimmer im Gutshaus sehen.
Stolz aufs neu gestaltete Haus: Thorsten Lindner ist Leiter von Gut und Jugenddorf in Gnewikow. Besucher können dann auch die neu gestalteten Zimmer im Gutshaus sehen. © Foto: Judith Melzer-Voigt
Judith Melzer-Voigt / 21.03.2019, 13:00 Uhr
Gnewikow (MOZ) Gnewikow. Wer Thorsten Lindner nach dem Geheimnis des Erfolgs von Gut und Jugenddorf Gnewikow fragt, wird immer wieder eine Antwort von dem Direktor hören: Es sind die Mitarbeiter, mit denen alles steht und fällt. Am Sonntag gibt es vor Ort einen Tag der offenen Tür. Grund ist ein runder Geburtstag.

Vor genau zehn Jahren hat die Deutsche Kreditbank (DKB) mit ihrer "DKB Hotelbetrieb Liebenberg GmbH & Co. KG" Gut und Jugenddorf übernommen (siehe Infokasten). Ein Jahr später ist das Objekt in die DKB-Stiftung übergegangen. "Wir haben eine tolle Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren gemacht", ist Direktor Thorsten Lindner sicher. Der Ursprungsgedanke des Gründers des Ensembles Dr. Karl Sommer sei aber immer im Hinterkopf geblieben: In Gnewikow am Ruppiner See sollen junge Menschen aus ganz Deutschland zusammenkommen. Sie tun es bis heute.

Für Thorsten Lindner, der seinen Posten seit 2011 inne hat, war die Übernahme des Areals durch die DKB-Stiftung ein Glücksfall für die Region. Denn es konnte wieder frei gewirtschaftet werden, allerdings immer mit dem Stiftungsgedanken im Hintergrund. Dieser regelt unter anderem, dass es sich bei Gut und Jugenddorf um einen Integrationsbetrieb handelt. "50 Prozent unserer Angestellten haben eine körperliche Einschränkung", erklärt der Direktor. Bis zu 35 Festangestellte arbeiten derzeit in dem Objekt. Dazu kommen etliche Saisonkräfte. Für Lindner sind sie alle die Stütze des Ganzen: "Die Mitarbeiter haben selbst zu Beginn nicht geglaubt, was sie leisten können." Er ist stolz darauf, dass seine Angestellten selbst Entscheidungen treffen, sich etwas zutrauen und ohne Angst Ideen einbringen.

Das Ganze scheint sich auszuzahlen: Übernachteten 2011 noch 8 000 bis 10 000 Kinder und Jugendliche pro Jahr im Jugenddorf, sind es momentan 16 000 jährlich. Zusammen mit anderen Besuchern und auch denjenigen, die Zimmer im Gutshaus buchen, kommt das Objekt auf 45 000 bis 50 000 Übernachtungen pro Jahr.  "Diese Entwicklung ist komplett aus dem Jugendgästebereich hervorgegangen", ist sich Lindner sicher. Doch die Zahl der Veranstaltungen – Hochzeiten, Seminare und andere Feiern – ist ebenfalls rasant gewachsen. Fanden diese vor rund zehn Jahren zwei- oder dreimal jährlich statt, sind es nun 50 bis 60 Termine. "Die Hauptsaison ist komplett ausgebucht. Da muss man schon anderthalb Jahre vorher nachfragen", so Lindner. Doch eine Hochzeit im Herbst oder Frühling könne auch sehr schön sein. Thorsten Lindner sieht in diesem Bereich noch jede Menge Potenzial: "Ich möchte die Zahlen in den nächsten Jahren gern verdoppeln." Die Umsatzsteigerung von 42 Prozent zwischen 2011 und 2017 spricht aber schon für den Erfolg.

"Als ich hier angefangen habe, hieß es, die Schülerzahlen nehmen immer mehr ab", erinnert sich der Leiter von Gut und Jugenddorf. Sein Ziel damals war es, die Zahl der Übernachtungen stabil zu halten. Es ist ihm und seinem Team gelungen. Mittlerweile ist der Trend ein andere: Es gibt mehr Schüler, die Zahlen sind längst gestiegen. Doch die Konkurrenz ist groß: Rund 6 000 Häuser in ganz Deutschland buhlen laut Lindner um dieselbe junge Kundschaft. 420 Betten gibt es im Jugenddorf, 49 sind es im Gutshaus, bis zu 80 sogar, wenn aufgebettet wird. Lindner kann sich gegen die große Konkurrenz nur mit einer Sache durchsetzen: mit Qualität. "Früher hatten wir im Jugenddorf Acht-Bett-Zimmer, jetzt sind es vier Betten maximal." Auch beim Essen habe sich viel verändert.

Natürlich gab es auch Probleme: Das Team musste erst zusammenwachsen. Personalmangel gibt es noch immer, überall im Gastronomiebereich. Auch das Gutshaus bereitete lange Probleme, war es doch in einem schlechten Zustand. "Irgendwann waren wir an einem Punkt, wo wir die Leute nicht mehr reinführen wollten, weil wir uns schämten." Doch bei all dem sei der Service immer wunderbar gewesen. Nach der Renovierung können das nun auch mehr Besucher erleben.

Für die Zukunft will Thorsten Lindner Jugenddorf und Gut noch mehr als einzelne und doch zusammengehörende Objekte darstellen und vermarkten. "Das ist natürlich ein Spagat", sagt er. "Wir müssen allen Ansprüchen gerecht werden – denen vom sechsjährigen Kita-Kind, aber auch denen vom 82-jährigen Schwiegervater, der die Hochzeit bezahlt." Blickt er aber auf sein Team, hat keinerlei Zweifel, dass das auch gelingen wird.

Gutsgeschichte

■ Die Familie von Woldecks baute 1800 das Gnewikower Gutshaus. 1844 ging das Objekt an die bürgerliche Familie Jacobs über.

■ Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut vom DDR-Staat enteignet. In das Haus zog die Ingenieurschule für Wissenschaften ein.

■ 1958 wurde das Areal zur Ausbildungsstätte für landwirtschaftliche Berufe. Der Anbau am Jugenddorf entstand.

■ Professor Dr. Karl Sommer gründete im Jahr 2002 das Internationale Jugenddorf Gnewikow. 2004 startete die Sanierung des Gutshauses, das ebenfalls von Sommer übernommen wurde.

■ 2009 übernahm die DKB Hotelbetrieb Liebenberg GmbH & Co. KG das Gutsareal. 2010 wurde die Firma zur DKB Stiftung Liebenberg gGmbH umfimiert.

■ 2019 wurden die Jugenddörfer Gnewikow und Naumburg zur neuen Firma DKB-Stiftung Jugenddörfer gGmbH zusammengeschlossen. ⇥(jvo)

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