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Vortrag
Der Retter von Mollwitz

Der Historiker Christian Wienzeck hielt in Rheinsberg den Vortrag "Der Retter von Mollwitz". Seine Geschichte illustrierte er auch mit dem Gemälde, das den bei der Schlacht von Prag tödlich getroffenen Generalfeldmarschall Graf Christoph von Schwerin zeigt.
Der Historiker Christian Wienzeck hielt in Rheinsberg den Vortrag "Der Retter von Mollwitz". Seine Geschichte illustrierte er auch mit dem Gemälde, das den bei der Schlacht von Prag tödlich getroffenen Generalfeldmarschall Graf Christoph von Schwerin zeigt. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 13.05.2019, 10:03 Uhr
Rheinsberg Er wird als Retter von Mollwitz bezeichnet: Die Rede ist von Kurt Christoph Graf von Schwerin, einem Feldmarschall im Dienste Friedrich des Großen. Es ist das Jahr 1741 und Mollwitz ist ein Ort im seit 1740 von Preußen besetzten Schlesien. Allerdings, der Einmarsch der Österreicher im März hat die preußische Armee total überrascht. Bis auf die Festungen Neisse und Brieg haben die Alpenländer weite Teile des Landes besetzt.

Natürlich will sich Friedrich II. das nicht gefallen lassen und ist mit seiner Armee gewillt, die Österreicher zu vertreiben. Mit einem Heer von 27 000 Mann,  mit 31 Bataillonen, diversen Eskatronen und  60 Geschützen bereitet sich der Preußenkönig auf die Schlacht vor. Die Historiker sprechen vom 1. Schlesischen Krieg, der in die Geschichte eingehen wird.

Einer der sich ausgiebig mit dieser Zeit und den Kriegen des Preußenkönigs beschäftigt hat, ist Christian Wienzeck, ein Berliner Hobbymilitärhistoriker. Der Pfarrer im Ruhestand  weiß um alle Schlachten, die der Alte Fritz mit seinen Generälen in Europa geführt hat. Am Sonnabend referiert er in der Schlossküche über das Leben und  Schaffen des Grafen von Schwerin, dessen militärische Verdienste auch auf dem im Auftrag von Prinz Heinrich errichteten Obelisken gegenüber dem Rheinsberger Schloss gewürdigt sind.

Wienzeck ist nicht das erste Mal in Rheinsberg. Er gehört zu den Verehrern des Preußenkönigs, die sich unter Leitung des Friedrichforschers und Autors zahlreicher Bücher, Prof. Dr. Jürgen Jürgen Ziechmann, seit 1990 einmal im Jahr in Rheinsberg getroffen haben. 2018 war das  "Friedericianische Symposium", bei dem die neuesten Forschungsergebnisse in Vorträgen ausgetauscht werden, erstmals ausgefallen.

Doch in diesem Jahr  wollte man sich erneut dem Thema Preußen widmen – daher der Vortrag am Sonnabend. Am Sonntag gab es eine Soiree und einen Vortrag von Ziechmann, der in der Nähe von Oldenburg zu Hause ist. Beim Vortrag am Samstag in der Schlossküche hatte Wienzeck einige Szenen und Episoden der Schlacht  mit selbst hergestellten Zinnfiguren nachgestellt. "Natürlich ist es nur der zehnte Teil, der damaligen Truppenstärke", erklärte er den lediglich acht Zuhörern.

Kurt Christoph Graf von Schwerin wurde 1684 in Löwitz bei Anklam geboren. Seine militärische Laufbahn begann er 1700 als Fähnrich im Regiment eines Onkels. Schnell erklomm er die Karriereleiter, indem er bereits 1703 zum Leutnant und 1707 zum obersten Chef eines Infanterie-Regiments befördert wurde. Bereits 1718 wurde er Generalmajor.

In zahlreichen Gefechten war er siegreich. 1720 trat er in die Dienste des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. ein, dem Vater des Kronprinzen Friedrich. Schwerin war ein gebildeter und humaner Mensch und damit das Gegenteil vom alten Dessauer und seinem unerbittlichem Drill. 1730 war er als Generalmajor Mitglied des Kriegsgerichts, das über Hermann Katte und den Kronprinzen Friedrich wegen deren missglückter Flucht zu richten hatte.

1739 stieg der drei Jahre zuvor mit dem Schwarzen Adler-Orden ausgezeichnete Schwerin zum General der Infanterie auf. Ausführlich berichtete Christian Wienzeck über die Schlacht bei Mollwitz, die der inzwischen zum Generalfeldmarschall beförderte Graf von Schwerin gewinnen konnte. Der Sieg kam überraschend. Friedrich II. hatte auf Schwerins Anraten hin, auf einem Schimmel reitend, das Schlachtfeld bereits verlassen.

Nach dem Krieg war er Festungskommandant von Brieg und Neisse, bevor Schwerin im Zweiten Schlesischen Krieg eine ganze Armee kommandierte und großen Anteil am Sieg und der Einnahme von Prag am 16. September 1744 hatte. Die Stadt an der Donau wurde schließlich zum Schicksalsort des preußischen Feldherrn, der zu Beginn des Siebenjährigen Krieges in der Schlacht bei Prag 1757 den Tod fand.

Anschaulich schilderte Christian Wienzeck auch den Verlauf der Schlacht gegen die Österreicher. Als Schwerins eigenes Regiment durch heftiges Musketen- und Geschützfeuer bedrängt wurde, bemächtigte sich der Feldmarschall der Regimentsfahne, um mit ihr in der Hand seine Soldaten nach vorne zu reißen. Vermutlich von einem Schrapnell tödlich getroffen, stürzte er von seinem Pferd.

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