Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Aufführung
Das Chaos im Herzen

Bunt, wuselig und selbstbestimmt: So präsentierten sich die Hiphop-Kids der Beatments Dance Company in der Alten Brauerei am Sonnabend. Sie brachten dort ihr eigenes Stück "Out of Control" auf die Bühne.
Bunt, wuselig und selbstbestimmt: So präsentierten sich die Hiphop-Kids der Beatments Dance Company in der Alten Brauerei am Sonnabend. Sie brachten dort ihr eigenes Stück "Out of Control" auf die Bühne. © Foto: privat
Siegmar Trenkler / 15.05.2019, 14:15 Uhr
Neuruppin (MOZ) Was passiert, wenn rund 40 Viert- bis Sechstklässler ein eigenes Stück entwerfen, selbst Kostüme designen, die Texte schreiben und improvisieren? Ganz großes Kino, wie sich am Sonnabend bei der Aufführung von "Out of Control" (zu deutsch: außer Kontrolle) in der Alten Brauerei des JFZ zeigte.

Bevor die beiden Klassen der HipHop-Kids der Beatments Dance Company von Jule Daum ihren Mix, der sich wohl am besten als Tanztheater beschreiben lässt, präsentieren konnten, haben sie viel Arbeit in das Projekt gesteckt. "Angefangen haben wir schon zu Beginn des Schuljahres", so Daum. Relativ schnell war klar, dass die Kinder sich inhaltlich mit Liebe befassen wollten. "Wir haben erstmal darüber gesprochen: Was ist eigentlich Liebe?" Die Kinder beschrieben ihre eigenen Erfahrungen, die zeigten, dass Liebe in dem Alter etwas Konfuses, Verwirrendes sein kann, weil man sich auf nichts anderes mehr richtig konzentrieren kann. Klar war aber auch, dass es dabei nicht um das Aussehen oder das Geschlecht geht, sondern darum, "dass das Herz Purzelbäume schlägt", erinnert sich die Tanzlehrerin.

Weil einige ihrer Schützlinge Lust hatten, Texte dazu zu verfassen, gab es bald auch erste inhaltliche Eckpunkte. Besonders eine Szene aus dem Film "A Nightmare before Christmas", in der sich die aus Lumpen zusammengenähte Sally in das Gerippe Jack verliebt, diente als weitere Grundlage. "Es zeigt, dass das Aussehen nicht wichtig ist", meint Jule Daum. Der Rest der Handlung wurde um diese Anfänge herumgebaut. Als Hauptfigur kam so ein Mädchen heraus, das ausgegrenzt wird, weil es anders aussieht und das sich in einen Jungen verliebt, der anfangs kein Interesse hatte, weil er dafür seine Beliebtheit aufs Spiel setzen würde. All das passiert in dem Stück in der Sprache der Kinder. "Da gibt es die Armee, die im Herzen aufpasst, dass die Kontrolle nicht verloren geht. Passiert das aber doch, bricht das Chaos aus."

Kostüme selbst gestaltet

Im Stück sind die Kinder in eigenwilligen Kostümen zu erleben. Auch hier waren sie selbst die Schöpfer. Auf Bögen zeichneten sie im August auf, wie sie gern aussehen würden und nutzten die nächsten Monate, um ihre Vorstellungen mit Hilfe von Eltern und anderen Helfern in die Tat umzusetzen – egal, ob sie schwarz-weiß gestreift, ganz in blau oder als Waldhexe auftreten wollten.

Damit das 45-minütige Stück auch eine stimmige Dramaturgie hat, musste dank der zugrunde liegenden Geschichte nicht viel gemacht werden, so Daum. Als nächstes ging es um die Choreografie. Dafür griffen die Hiphop-Kids auf Elemente aus Stilistiken zurück, die sie im Kurs erlernt haben: Breakdance, Dancehall, Poppin’- und Lockin’-Dance sowie Waving. Damit wurde das Grundgerüst gestaltet, das später verfeinert wurde. Auch bei der Musik, die ausnahmslos instrumental ist, durften die Kinder mitentscheiden. Schließlich sollen sie voll vom Ergebnis überzeugt sein. Das waren sie beim Auftritt in der Alten Brauerei ganz offensichtlich, wie Daum zum Schluss zufrieden feststellte. "Die Kids waren unwahrscheinlich nervös zu Anfang und am Ende total erleichtert." Dabei hatten die jungen Tänzer schon bei den Improvisationen, die zur Vorstellung der einzelnen Figuren gehörten, ihre Scheu vor dem rund 160-köpfigen Publikum verloren. Auch im Stück selbst, in dem es nicht immer klare Grenzen zwischen Bühne und Publikum gab, war von der Aufregung nicht viel zu merken.

Weil die Aufführung von "Out of Control" so ein Erfolg war, auch durch die Unterstützung vieler Helfer für Ton, Maske und viele andere Bereiche, würde Daum das Stück noch gern ein weiteres Mal auf die Bühne bringen. "Wenn wir noch einmal freie Zeit finden, spielen wir das gern noch einmal, vielleicht zu Halloween", so die Tanzlehrerin. "Am liebsten wieder im JFZ. Die Location ist echt der Hammer."

Info-Kasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG