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Jubiläum
Seit 120 Jahren fährt die Bahn nach Rheinsberg

Jürgen Rammelt / 10.07.2019, 06:00 Uhr
Rheinsberg Die Bahnstrecke von Berlin über Löwenberg nach Rheinsberg hat eine bewegte Geschichte. Mittlerweile besteht sie seit 120 Jahren. Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof möchte das Jubiläum groß feiern.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann die Eisenbahn als Transport- und Verkehrsmittel auch in den heutigen Rheinsberger Ortsteilen immer mehr Bedeutung. Bereits 1896 erhielt Lindow Anschluss an das bis Löwenberg bestehende Eisenbahnnetz. Neben dem Personentransport verkehrten auf der Strecke auch Güterzüge mit entsprechenden Waggons.  Außerdem zogen die damaligen Lokomotiven mit ihren Kohletendern auch Gepäck- und Personenwagen.  Haltestellen befanden sich in Löwenberg, Grieben, Herzberg und Schönberg. Die Bürger von Rheinsberg mussten noch drei Jahre warten. Sie waren der Auffassung, dass eine Kleinbahn keine vollwertige Eisenbahn ist.  So erreichte erst am 18. Mai 1899 der erste Zug den Rheinsberger Bahnhof. Rheinsberg wurde damals auch Verwaltungssitz der Bahngesellschaft. Die Bahnstrecke mit Haltepunkten in Linde und Köpernitz umfasste 37 Kilometer. Drei Dampfrösser, fünf Personenwagen und 16 Güterwaggons gehörten zum Fahrzeugpark.

In den Folgejahren erlebte die Bahnstrecke einen beachtlichen Aufschwung. So konnte man ab 1902 auch Neuruppin mit dem Zug erreichen. Die  Ruppiner Kreisbahn gab es  inzwischen bis Herzberg. Als  Haltepunkte kamen Klosterheide und Dierberg hinzu. Der Ausbau weiterer Bahnhöfe unterstrich diese Entwicklung.  Die Umwandlung der Kleinbahn in eine Nebenbahn erfolgte 1907 und führte gleichzeitig  zu der Bezeichnung Löwenberg-Lindow-Rheinsberger Eisenbahn. Bis zum Ersten Weltkrieg verbuchte das private Unternehmen ansehnliche Gewinne. Die Kriegsjahre  wirkten sich allerdings durch gestiegene Personalkosten und Sachaufwendungen sowie durch einen Rückgang des Güterverkehrs negativ aus. Die  Beförderungsqualität in der Nachkriegszeit war auch nicht die beste. Die Fahrgäste mussten oftmals im Winter frieren, und die Fahrpreise waren "unerhört hoch", wie in Berichten aus dieser Zeit zu lesen ist.

Da am nördlichen Rand des Kreises die Eisenbahnlinie von Wittstock nach Neustrelitz verlief, lag es nahe, dass über eine Verlängerung der Rheinsberger Strecke in diese Richtung nachgedacht wurde. Unter anderem tauchte so drei Jahre später in einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Rheinsberg die Idee auf, über eine Streckenführung in Richtung  Zechlinerhütte nachzudenken. Diese wurde jedoch kurz danach wieder verworfen. Später entstand der Plan, eine Bahnlinie ins mecklenburgische Mirow zu bauen. Sie sollte separat über Kagar oder Wallitz zunächst bis Zechlin verlaufen. Doch der  Erste Weltkrieg machte dieses Vorhaben erst einmal zunichte. Jedoch, nach dem Ende der Inflation, drängte die Stadt Wittstock darauf, das Eisenbahnprojekt erneut aufzunehmen.

1928 fuhren Züge nach Zechlin

Baubeginn für die 14 Kilometer lange Strecke von Rheinsberg nach Flecken Zechlin war der 8. April 1926. Weicher Untergrund und Schwierigkeiten beim Bau der Dämme verzögerten allerdings die Inbetriebnahme bis zum 15. Mai 1928. In Linow wurden ein Warte- und ein Güterraum geschaffen.  Beide sind  heute im Original und als Nachbau (Warteraum) noch vorhanden. Die Orte Kagar und Dorf Zechlin mussten sich aufgrund der Lage einen Bahnhof teilen. In Flecken Zechlin wurden ein Stationsgebäude, ein Lokschuppen sowie  zwei Laderampen und ein Portalkran errichtet. 1930 wurde eine Verbindung von Lindow nach Schulzendorf zur Stechlinseebahn Gransee-Neuglobsow in Betrieb genommen.

Ein schwarzer Tag für die Eisenbahngesellschaft war der 9. Juli 1938. An jenem Tag ereignete sich auf der Strecke ein schwerer Unfall.  Dabei wurde die fahrplanmäßige Begegnung eines Triebwagens aus Löwenberg und eines Dampfzuges aus Flecken Zechlin im Bahnhof Rheinsberg wegen einer Verspätung zum Bahnhof Köpernitz verlegt. Da das Personal des Triebwagens jedoch darüber nicht informiert wurde, fuhr dieser in Köpernitz weiter und stieß in einer Kurve mit dem Zug aus Zechlin zusammen. Trotz Notbremsung bohrte sich die Lokomotive zwei Meter tief in den Triebwagen. Drei Insassen kamen am Unfallort ums Leben, zwei weitere Fahrgäste erlagen am folgenden Tag ihren schweren Verletzungen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fiel der Streckenabschnitt Rheinsberg-Flecken Zechlin  Reparationsleistungen zum Opfer. Die Gleise wurden abmontiert und genauso wie viele andere Industriegüter in die Sowjetunion transportiert. Durch die Verstaatlichung der Ruppiner Eisenbahn 1950 und die damit einsetzenden Rationalisierungsmaßnahmen wurden kleinere Bahnhöfe wie Köpernitz zu Haltepunkten. Günstig für den Eisenbahnverkehr wirkten sich später der Bau des Kernkraftwerkes (KKW) und die Eröffnung der Bahn zum KKW 1958 aus. Die Ära der Dampfloks ging 1970 mit der Umstellung auf  Dieselbetrieb zu Ende.

Heute ermöglichen Berliner Eisenbahnfreunde hin und wieder Sonderfahrten mit dampflokbespannten Zügen von Berlin nach Rheinsberg, wie es zum Bahnhofsfest am 31. August geplant ist. Die 50,65 Kilometer lange Strecke wird heute von der Niederbarnimer Eisenbahn AG bedient.

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Abmontieren Lindow Bahnstrecke Dierberg Haltestelle

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