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Feinschliff vor der Premiere

Proben für die Premiere: Gesine Sand (links) und Julia Fechter üben eine Szene aus "Was ihr wollt". Sand spielt die Rolle der Olivia, Fechter gibt die Viola, eine der Hauptfiguren.
Proben für die Premiere: Gesine Sand (links) und Julia Fechter üben eine Szene aus "Was ihr wollt". Sand spielt die Rolle der Olivia, Fechter gibt die Viola, eine der Hauptfiguren. © Foto: Brian Kehnscherper
Brian Kehnscherper / 11.07.2019, 07:00 Uhr
Wustrau (MOZ) Am Freitag feiert das Seefestival Wustrau Premiere mit der Inszenierung "Was ihr wollt". Das Ensemble feilt noch bis zum Schluss an den Feinheiten.

Mittwochvormittag am Ufer des Ruppiner Sees in Wustrau: Regisseur Marten Sand steht auf der Bühne und gibt seinen Ensemblemitgliedern Anweisungen. "Betone es bestimmter: ,Das ist der Mond!’ Du bist überzeugt, dass es so ist", sagt er zu Sabine Hennig. Sie spielt den Sebastian in der Wustrauer Inszenierung der Shakespearschen Verwechslungskomödie "Was ihr wollt". Noch bis kurz vor der Premiere wird an den Details gearbeitet. Es geht um Feinheiten wie Betonung, Timing, kleine Gesten, die Auf- und Abgänge zum richtigen Zeitpunkt.

"Wir arbeiten für das beste Ergebnis an Kleinigkeiten", sagt Gesine Sand. Sie gibt in dem Stück die Olivia, ist aber auch stellvertretende Festival-Leiterin und Choreografin. Der Mime Otto Mellies, der den Narren spielt, ist erst am Dienstag zum Ensemble dazugestoßen. "Er kennt noch nicht alle Übergänge. Aber bei der zweiten Hauptprobe wird das sitzen", sagt Gesine Sand. Vormittags wird bei den Proben noch vieles korrigiert. Bei den Hauptproben am Abend, bei denen schon im Kostüm gespielt wird, läuft das Stück durch. "Es weiß jeder, was er zu tun hat. Die Aufregung ist aber vor einer Premiere immer da", so die Choreografin.

Otto Mellies kommt eine besondere Rolle zu. Nicht nur, dass der Narr eine zentrale Figur ist, die bereits von Großschauspielern wie Ben Kingsley in der berühmten Verfilmung des Stücks von 1996 gespielt wurde. In der Inszenierung des Seefestivals gibt sich der Narr auch als Theodor Fontane aus. "Wir verbinden die Weisheit des Narren mit Zitaten von Fontane. Fontanezitate ziehen sich durch das ganze Stück", verrät Gesine Sand. Die Verquickung mit dem Festjahr anlässlich des 200. Geburtstags des Dichters mag auf den ersten Blick forciert wirken. Tatsächlich gibt es aber eine Verbindung zu dem Shakespeare-Stück. Als Theaterkritiker und erklärter Verehrer des britischen Autoren hatte Fontane den Schauspieler Theodor Döring für dessen Darstellung des Malvolio getadelt. In der Folge entwickelte sich eine kleine Feindschaft, bei der der eitle und gekränkte Döring wiederholt versuchte, Fontane öffentlich schlecht zu machen.

Der preußische Dichter war im übrigen so begeistert von den Figuren Shakespeares, dass sie ihm "über alles Nationale und Zeitbegrenzte hinaus ein ewiges Stück Menschentum" bedeuteten. Mit den zeitgenössischen Inszenierungen an den Berliner Theatern war Fontane jedoch selten einverstanden. Ihn störte, dass hierzulande die englische Bühnentradition zu oft ignoriert wurde, obwohl diese besonders bei Shakespeare-Darstellungen viele Feinheiten aufweise. Wer weiß, wie Fontane die Wustrauer Version von "Was ihr wollt" gefallen hätte. Vielleicht hätte es ihm geschmeichelt, selbst in einem Stück des von ihm so geschätzten Autors vorzukommen.

Premiere und weitere Termine

"Was ihr wollt" wird an diesem Freitag ab 20.30 Uhr am Seeufer am Wustrauer Zietenschloss uraufgeführt.

Weitere Aufführungen gibt es am Sonnabend, 20.30 Uhr, Sonntag, 19 Uhr, sowie am 19., 20., 26., 27. Juli und am 2. und 3. August, jeweils ab 20.30 Uhr. Am Sonntag, 4. August, ist das Stück nochmals um 19 Uhr zu sehen.

Karten können im Vorfeld telefonisch unter 033925 90191 reserviert werden.⇥bk

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