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Darts
Vom Trend zum Kult

Der 21-jährige Friedrich Krüger hat beim MSV Neuruppin die Abteilung Darts ins Leben gerufen und will peu à peu eine Spielergruppe aufbauen.
Der 21-jährige Friedrich Krüger hat beim MSV Neuruppin die Abteilung Darts ins Leben gerufen und will peu à peu eine Spielergruppe aufbauen. © Foto: Gunnar Reblin
Gunnar Reblin / 11.07.2019, 20:15 Uhr
Neuruppin (moz) Eine rauchige Stimme verkündet ein langgezogenes "onehundredand eighty". Und die Fans flippen aus. Die Faszination Darts hat viele gepackt. Eine Randsportart ist zu einer Trendsportart geworden. Um selbst "onehundredandeighty", also eine Punktzahl von 180 mit drei Darts in der Triple-20 erzielen zu können, ist vor allem Präzision gefragt. "Und die erlangt man erst nach vielen, vielen Trainingsstunden", weiß Friedrich Krüger. Auf Initiative des 21-Jährigen gibt es seit Mai die Abteilung Darts beim MSV Neuruppin.  Krüger will alsbald eine 10- bis 15-köpfige Spielergruppe aufbauen, die sich regelmäßig trifft, um zu trainieren, sich auszutauschen, "um dann aus diesem festen Kern heraus etwas zu initiieren", wie er sagt. Krüger denkt dabei an Kooperationen mit anderen Vereinen in der näheren Umgebung, wie zum Beispiel die Clubs in Oranienburg und Rathenow oder auch die Ausrichtung einer Neuruppiner Stadtmeisterschaft. Der Anfang ist mit der Gründung der Abteilung in jedem Fall schon mal gemacht.

Elternhaus als Trainingsstube

340 Millimeter misst der Durchmesser der Scheibe. 2,37 Meter Abstand sind es zum Board. Gekonnt nimmt Friedrich Krüger seine Position an der Wurflinie ein, richtet den Dartspfeil in seiner Hand aus. Konzentration. Fokussiert auf sein Lieblingsziel, den Bereich der 20. Wurf. Volltreffer! Eine gewisse Routine, sprich Wurfgenauigkeit, hat sich der Neuruppiner in den vergangenen Jahren "hart erarbeitet", wie er gesteht. Mit  18 Jahren packte ihn die Leidenschaft Darts. "Ich habe mit Papa immer die Turniere im Fernsehen geschaut." Ruckzuck wurde das nötige Equipment besorgt. Fortan wurden auch im Elternhaus in Herzberg mit Vater Marco fleißig Pfeile geworfen. "Darüber hinaus sind wir dann beide regelmäßig in den Dartspalast nach Berlin-Wittenau zu Turnieren gefahren, sozusagen als Vater-Sohn-Event."

Was ihn so fasziniert an dieser Sportart? "Sie ist stark von der Psyche abhängig. Wenn du erst einmal die Wurfbewegung raushast, musst du halt Konstanz reinbringen und die Fähigkeit haben, die Ruhe zu bewahren. Das sieht im Fernsehen bei den Profis immer ganz einfach aus, ist es aber gar nicht. Die sind halt weltklasse, einfach faszinierend." Darüber hinaus gefällt Krüger die Geselligkeit, die dieser Sport mit sich bringt. Die körperliche Anstrengung hält sich in Grenzen. Krüger: "Darts kann man bis ins hohe Alter spielen, dieses Generations-übergreifende finde ich klasse."

Es gibt nur wenige Darts-Clubs

Als Friedrich Krüger dann hier vor Ort seiner Leidenschaft nachgehen wollte, "gab es nicht viele Möglichkeiten. Ich habe aber gehört, dass Darts in Oranienburg und Rathenow super funktioniert." Der 21-Jährige schaltete Kleinanzeigen, um Gleichgesinnte zu finden. Ruckzuck gab es positives Feedback. Daraufhin sei er zum MSV gegangen und habe nachgefragt, ob Interesse besteht, diese Sportart mit anzuschieben. "Ich habe nur gute Erfahrungen mit dem MSV gemacht, im Verein habe ich  ja auch im Nachwuchsbereich Fußball gespielt. Und der Verein bietet ein super Umfeld." Der MSV zeigte sich offen für die Idee und half sogleich bei der Umsetzung mit. Eine entsprechende Räumlichkeit als Anlaufpunkt für das regelmäßige Training wurde im Volksparkstadion gefunden. Und die Stadtwerke Neuruppin sponserten die Grundausstattung. Seit Ende Mai stellen Krüger und seine Darts-Freunde nun jeden Freitag ab 19 Uhr zwei mobile Steeldart-Boards mit Beleuchtungsring auf und rollen den grünen Spielteppich davor aus. Krüger: "Dank des Beleuchtungsrings kann man ohne Probleme längere Zeit auf die Scheibe spielen, ohne Augenprobleme zu bekommen."

Gespielt wird beim MSV Steel dart, also mit Pfeilen, die eine Stahlspitze haben, und 501 Doppel-Aus. Wie die Profis im TV auch. Interessierte können jederzeit zum Schnupper-Training vorbeikommen. Als Chef der MSV-Dartsspieler bietet Krüger auch individuelle Trainingspläne an. "Man kann bei uns ungezwungen mitspielen oder sich auch etwas intensiver um sein Spiel kümmern." Er selbst betreibt seit eineinhalb Jahren einen höheren Aufwand, um sein Spiel zu verbessern.

Einen Spitznamen wie beispielsweise Snakebite, The Flying Scotsman oder auch Mighty Mike, ein eigenes Trikot oder gar skurriles Kostüm hat sich Friedrich Krüger aber noch nicht zugelegt. "Ne, soweit bin ich noch nicht," lacht er lauthals los, "aber vielleicht kommt das irgendwann ja einmal."

Seine Vorbilder sind Gerwyn Price, ein ehemaliger walisischer Rugby-Profi, und Mighty Mike, die berühmteste Glatze im Sport mit den kleinen Pfeilen – der Niederländer Michael van Gerwen. "Die schaue ich mit am liebsten an, weil sie polarisieren, Stimmung machen und psychisch unheimlich stark am Board sind. Die lassen sich eben nicht von großem Publikum ablenken."

Sie zählen eben zu den Profis, bei denen oftmals  durch eine rauchige Stimme ein langgezogenes "onehundredandeighty" verkündet wird und die damit die Fans ausflippen lassen.

Dartsportliga, Star Sensenschmidt und die heute startenden German Masters

An den Einstieg in den Liga-Betrieb denkt Friedrich Krüger noch nicht. "Das ist momentan uninteressant." Inzwischen haben sich vor allem in Oberhavel viele Teams organisiert und spielen in der Dartsportliga, so heißt auch die offizielle Homepage.

Aus Oberhavel, genauer gesagt aus Oranienburg, kommt auch der wohl beste Spieler in der Region: Benny Sensenschmidt. Der 35-Jährige ist aktuell Nationalspieler. Sein Spitzname ist "The Sniper". Zu den deutschen Assen zählen laut Krüger auch Max Hopp ("Maximiser"), Martin Schindler ("The Wall") und Gabriel Clemens ("German Giant").

Als Kontaktpersonbeim MSV steht Friedrich Krüger  für interessierte Dartsspieler telefonisch unter 0172 4486841 zur Verfügung.

Heute beginnen in Köln die German Darts Masters. In der Lanxess Arena messen sich am Freitag und am Sonnabend internationale Größen wie Michael van Gerwen mit den besten deutschen Spielern. Es gibt einen Livestream und auch eine TV-Übertragung.⇥gü

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